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Full text of "Die Geschichte der halleschen Zeitung: Landeszeitung für die Provinz Sachsen für Anhalt und ..."

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DR. ADOLF KOCH 

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♦ 1933 * 



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Die Geschichte 



der 



Halleschen Zeitung 

Landeszeitung für die Provinz Sachsen 

für Anhalt und Thüringen. 



Eine Denkschrift 

aus Ad laß des i 

200jährigen Bestehens der Zeitung 

am 

25. Juni 1908 

von 

Arthur Bierbach. 

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Halle a. S. 

Druck upd Verlag von Ottö^Pifi^ere 

(Verlag der Hallesdien Zeitung). 



1908. 



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THE NEW YORK 

PUBLIC LIBRARY 

70050GA 

ASTOR. LENOX AND 

TILDEN FOUNDATiüNS 

R 1934 L 



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Vorwort. 



Ein Zeitraum von 200 Jahren — für den großen 
historischen Blick nur eine kurze Spanne — kann in dem 
engeren Bahmen der geschichtlichen Betrachtung einer Stadt 
und einer Provinz so viel Bedeutungsvolles enthalten^ daß die 
Darstellung der Geschichte und des Wirkens irgendeiner 
Einrichtung in einem solchen kleineren Kreise von besonderem 
Interesse sein kann. 

Ist aber eine Einrichtung im unmittelbaren Anschluß an 
die Faktoren entstanden, denen eine Stadt ihre Bedeutung und 
ihr Ansehen weit über die Grenzen der Heimat hinaus zu ver- 
danken hat, so wird die Geschichte einer solchen Institution 
berechtigten Anspruch auf weitgehende Beachtung erheben 
können. Das trifft bei der Halleschön Zeitung zu. Sie ist ein 
Kind der Franckeschen Stiftungen und hat das menschen- 
freundliche Wirken des Waisenhauses im ganzen 100 Jahre 
unmittelbar unterstützt. Sie hat in engen Beziehungen zur 
Universität gestanden, nicht nur dadurch, daß Universitäts- 
professoren durch Jahre ihre Bedakteure waren, oder an der 
heimischen Universität gebildete Männer die redaktionelle 
I^itung der Zeitung hatten und haben, sie war auch mit in 
der ausgesprochenen Absicht gegründet, Nachrichten von der 
Halleschen Hochschule zu verbreiten und damit deren Ansehen 
und Bedeutung zu erhöhen. Die Hallesche Zeitung ist aufs 
engste mit den Geschicken der Stadt verbunden gewesen. Sie 
hat die Leiden und Drangsale der Stadt im siebenjährigen 
Kriege geteilt und an sich selbst erfahren, sie hat das wechsel- 
volle Schicksal Halles vor hundert Jahren mitmachen müssen ; 



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Der Verfasser hat noch die sehr angenehme Pflicht, hier 
allen denen zu danken, Behörden wie Einzelpersonen, 
die ihm durch entgegenkommendes Überlassen des Quellen- 
materials seine Arbeit erleichterten. Das Direktorium 
der Franckeschen Stiftungen, der Geheime 
Eegierungsrat und Universitätsprofessor D. Dr. Fries, hat 
die Erlaubnis zum Benutzen des Archivs und der Bibliothek 
der Stiftungen in weitgehendem Maße erteilt. Ihm ist auch 
die Möglichkeit der photographischen Wiedergabe zweier der 
ältesten Nummern der Zeitung zu danken, wie auch die 
erstmalige Veröffentlichung einiger handschriftlicher und 
gedruckter Stücke des Archivs; Die Oberlehrer der Latina, 
Professor W e i s k e und Dr. W e ß n e r, haben dankenswertes 
Entgegenkommen bei der Benutzung der ihnen unterstellten 
Sammlungen gezeigt, wie auch der Königliche Bibliothekar 
und Bibliothekar der Marienbibliothek Dr. Wendel. Das 
gleiche taten die Königliche Universitätsbibliothek 
in Halle und das Archiv der Halleschen Zeitung. Den 
sogenannten Colbatzkyschen Nachlaß konnte der Verfasser 
anderer Gründe wegen im Original nicht benutzen, Pastor 
und Hilfsprediger Hirt in Fentsch, Kreis Diedenhofen, hat 
aber die Benutzung im Laufe des Jahres in Aussicht gestellt, 
wofür gleichfalls zu danken ist. Sollten sich aus ihr neue 
Punkte ergeben, so werden sie an geeigneter Stelle veröffent- 
licht werden. Ulrich Schwetschke in Halle stellte ein 
wichtiges Exemplar der Zeitung aus dem Jahre 1797 zur 
Verfügung, Dr. Eugen Schwetschke in Berlin gestattete 
die Benutzung der Druckbogen seines Werkes: Gustav 
Schwetschke, Ein Lebens- und Zeitbild L, Halle 1908. 
(Verlag von Gebauer-Schwetschke. ) Der Verfasser hat die 
sehr anziehende und lebendige, auf weitgehendes Studium 
eines umfangreichen überhaupt noch nicht benutzten Materials 
gegründete Schwetschkesche Darstellung mit großem Interesse 
gelesen. Das Schwetschkesche Werk geht aber weit über den 
Rahmen der vorliegenden Arbeit hinaus, weshalb eine weitere 



Benutzung nickt möglich war. Albert Schubandt, der 
Vorsitzende des Vereins für Altertumskunde im Kreise 
Jerichow I zu Burg bei Magdeburg, stellte zwei sehr will- 
kommene, noch unbenutzte, die Zeitung betreffende Kabinetts- 
ordres aus den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts zur 
Verfügung. Das Königliche Geheime Staatsarchiv 
ließ auf eine Bitte des Verfassers hin ihm eine Abschrift des 
Zeitungsprivilegiums anfertigen. Persönliche Aussprache 
mit dem langjährigen Chefredakteur der Halleschen Zeitung, 
Dr. W. Gebensleben, über einzelne Punkte der Arbeit 
war dem Verfasser äußerst wertvoll. Allen Genannten dankt 
der Unterzeichnete hiermit aufs beste. Dem jetzigen Verlage 
gebührt für die Herstellung der Beilagen wie für die ganze 
Ausstattung gleichfalls dankende Anerkennung. 

Halle a. S., im April 1908. 

Arthur Bierbach. 



Die im Text oder den Anmerkungen ihrer Herkunft nach nicht 
besonders bezeichneten Zeitungsjahrgänge oder Einzelnummern befinden 
sich jetzt: 

Jahrgang 1708, 1709 yoUständig, die aus dem zweiten Dezennium des 
18. Jahrhunderts vorhandenen Nummern aus den Jahren 1715, 
1716, 1717, 1718, die Jahrgänge 1724—1780 voUständig, 1784 
(und 1786) in der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen; 

Jahrgang 1797 Nr. 19, Mai 11., im Besitze des Herrn Ulrich 
Schwetschke; 

Jahrgang 1799 Nr. 9, Februar 28., Jahrgang 1805 Nr. 32, August 8., 
Jahrgang 1809 Nr. 3, Januar 19. und Nr. 11, März 16., 
Jahrgang 1811 Nr. 29, Juli 18., in der Königlichen UniTersitäts- 
Bibliothek (Bibliotheca Ponickauiana) ; 

Jahrgang 1813 Nr. 20, Mal 13., Jahrgang 1818 Nr. 14, April 2., in der 
Marienbibliothek, sämtlich in Halle. 



1 nhalts -Verzeichnis. 



Seito 
'N'orwort. 

Killleitung: Überblick über die Entwickelung des deutschen Zeitungs- 
wesens. Die Vorgeschichte der Halleschen Zeitung . . l 

Die Hallesche Zeitung von 1708—1768 und ihr Vorläufer l.'i 

Die Jahre von 1768—1828 77 

Die Hallesche Zeitung von 1828—1882 12!) 

Die neue und neueste Zeit von 1882 — 1908 147 

Rückblick und Ausblick 163 



' 



Einleitung. 



Die Entwickelung des Zeitungswesens steht im engsten 
Zusammenhange mit der Entwickelung und der Kultur eines 
Landes. Die Geschichte der Zeitungen bildet ein sehr 
anziehendes und bedeutungsvolles Kapitel der allgemeinen 
Kulturgeschichte. Trotz des hohen Interesses, das den 
Zeitungen als den Vertreterinnen der öffentlichen Meinung 
und als Spiegelbild der Zeiten, wie sie genannt worden sind, 
zukommt, ist das Studium ihrer Entwickelungsgeschichte noch 
sehr jung. Freilich hat die Presse erst im 19. Jahrhundert die 
hohe Bedeutung erlangt, die ihr den Ehrennamen der jüngsten 
Großmacht eintrug. So war es auch erst das 19. Jahrhundert, 
das eine wissenschaftliche Behandlung der Geschichte des 
Zeitungswesens brachte. 

Eobert P r u t z gebührt das Verdienst, mit seiner 
Geschichte des deutschen Journalismus (Hannover 1845) den 
Anfang der wissenschaftlichen Behandlung des umfangreichen 
Gebietes gemacht zu haben. Leider ist sein Werk nicht 
vollendet. Es war ihm in der weiten Allgemeinheit, wie er es 
begonnen hatte, über den Kopf gewachsen. Bald wurde es auch 
an Tiefe und Gründlichkeit überholt. Eine große Keihe sehr 
wertvoller Einzeluntersuchungen und auch größerer Zusammen- 
fassungen sind seitdem erschienen; es würde zu weit gehen, 
wenn man auch nur die hervorragendsten anführen wollte. 
Deswegen möge es genügen zu erwähnen, daß die neueste und 
wichtigste zusammenfassende Darstellung die Geschichte des 
deutschen Zeitungswesens ist, die Ludwig Salomon in drei 

1 



— 2 — 

Bänden von 1900 bis 1906 herausgegeben hat/) Sie behandelt 
die Zeit von den ersten Anfängen des deutschen Zeitungswesens 
bis zur Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches. Er schließt 
seine große Übersicht mit den Worten : „Das deutsche Zeitungs- 
wesen wuchs nach und nach, indem es sich nicht nur außer- 
ordentlich erweiterte, sondern auch an Tiefe und Vielseitigkeit 
gewann, zu einem hochbedeutsamen Faktor in unserem Kultur- 
leben empor. Aus dem schlichten Nachrichtenblatte des 
siebzehnten Jahrhunderts wurde die Zeitung zum breiten und 
farbenreichen Abbilde ihrer Zeit."^) 

So hochinteressant auch das weite Gebiet ist, so schwer 
ist es auch, aus der reichen Fülle der Erscheinungen das 
wichtigste herauszugreifen. Nach einem ersten Versuche, den 
acta diurna Cäsars, denen eine gewisse innere Ähnlichkeit mit 
den späteren Zeitungen nicht abzustreiten ist, einem Versuche, 
der bei der Universalität des römischen Lebens eigentlich 
selbstverständlich ist, hört man rund 1500 Jahre nichts mehr 
von derartigen Erscheinungen. Erst in dem großen, die Neu- 
zeit allmählich heraufführenden Werdeprozeß, der mit dem 
ersten Aufkommen des Laientums einsetzt und ungefähr mit 
dem westfälischen Frieden das Mittelalter abschließt, treten 
auch wieder, zuerst nur selten, dann häufiger zeitungsartige 
Erscheinungen auf. „Z e i t u n g e n", in ihrer ursprünglichen 
Bedeutung, Nachrichten, werden über wichtige Vor- 
kommnisse ausgegeben. Sie sind hervorgegangen aus 
Briefen, die jedoch nur für einen kleinen Kreis bestimmt 
waren. Diese Zeitungen, Zettel oder Nova, hatten vorzugs- 
weise politischen Inhalt. Sie wachsen sich aus zu den 
sogenannten Relationen und Flugblättern. Die 
Erfindung der Buchdruckerkunst ist es natürlich gewesen, die 
allein eine schnelle Vervielfältigung möglich machte, und für 



i) Ludwig Salomon, Geschichte des deutschen Zeitungswesens von 
den ersten Anfängen bis zur Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches, 
r— III. Oldenburg und Leipzig 1900— 190Ö. 

«) Salomon III, 674. 



— 3 — 

die schnelle Verbreitung sorgte die Einrichtung des Post- 
wesens. Das sind die beiden mächtigen Faktoren, die 
Zeitungen in unserem Sinne entstehen ließen. Freilich dauerte 
es noch ein ganzes Jahrhundert, ehe wir von wirklichen 
Zeitungen sprechen können. Die großen Verkehrszentren sind 
es gewesen, die zuerst Zeitungen im modernen Sinne in ihren 
Mauern entstehen sahen. Das brachte das Zusammenströmen 
der Nachrichten von allen Richtungen her an diesen Orten mit 
sich, deswegen waren sie auch die Hauptstationen der Postwege. 

Als älteste noch erhaltene gedruckte Zeitung ist die 
Straßburger Zeitung vom Jahre 1609 anzusehen. Sie 
befindet sich in der Heidelberger Universitätsbibliothek und 
ist dort im Jahre 1876 von J. O. Opel aufgefunden worden. 
Der ganze Jahrgang umfaßte 52 Nummern, es war also eine 
Zeitung, die wöchentlich einmal erschien. Der Herausgeber 
nennt sich selbst im Vorwort, er hieß Johann Carolus; wir 
erfahren auch aus dem Vorwort, daß der Verfasser bereits in 
den früheren Jahren eine solche Zeitung erscheinen ließ. Diese 
erste Zeitung kann mit Sicherheit bis zum Jahre 1649 verfolgt 
werden. Kurze Zeit darauf finden wir in F r a n k f u r t a. M. 
eine Zeitung, die im Jahre 1615 von Egenolph Emmel heraus- 
gegeben wurde. Schon im Jahre 1617 ersteht ihr in Frankfurt 
eine Konkurrenzzeitung, die der Postmeister Johann von den 
Birghden herausgab. Bei den gegenseitigen Streitigkeiten 
kam es bald zur Klage. In diesem Streite hat der Erzbischof 
von Mainz, der Eeichspostprotektor, an den Frankfurter 
Magistrat das Wort geschrieben: „Da die Avisen und 
Zeitungen jederzeit bei der Post gewesen etc.^*^) Auf dieses 
Wort stützten sich später die Postmeister, als sie neben dem 
Vertrieb auch den Verlag der Zeitungen als ein Eecht für sich 
in Anspruch nahmen. 

Die erste größere politische Zeitung, die täglich 
erschien, ist die im Jahre 1060 von Timotheus Eitzscli 



1) Salomon I, 67. 



1* 



— 4 — 

begründete Leipziger Zeitung. Die Städte, die abseits 
von den größeren Verkehrsstraßen lagen und deswegen für die 
Herausgabe eigener Zeitungen nicht in erster Linie in Betracht 
kamen, mußten sich die Nachrichten von den Ereignissen in 
der großen Welt auf mittelbare Weise zu verschaffen suchen. 
Sie hatten in der nächsten großen Verkehrsstadt einen Mann, 
der mit der Verbreitung der Nachrichten beschäftigt war, 
gegen Bezahlung mit in ihre Dienste genommen, und äieser 
mußte ihnen die Mitteilungen zugehen lassen; daneben und 
später nach der Ausbreitung des Zeitungswesens wurden aus- 
wärtige Zeitungen gehalten. 

So war es im 17. Jahrhundert auch in Halle der Fall. 
Julius Otto Opel, der über die bereits erwähnten ersten 
Zeitungserscheinungen in seinen „Anfängen der deutschen 
Zeitungspresse" ausführlich gehandelt hat, erzählt dort von 
Halle: „Die Stadt Halle nahm z. B. in ihren Etat des Jahres 
1625 eine Summe von 2 Schock 8 Groschen als vierteljährliches 
Honorar für den Avisenschreiber Hieronymus Teuthorn in 
Leipzig auf, zu welcher die Schöffen noch zwei Taler hinzu- 
fügten."^) Aus der späteren Zeit wissen wir, daß der Vertrieb 
der Leipziger Zeitung in Halle ziemlich bedeutend war. Ein 
eignes Zeitungsunternehmen hat die Stadt Halle 
bis zur Wende des 17. Jahrhunderts nicht gehabt. 

Wenn man noch mit einem Worte auf den Inhalt der 
politischen Zeitungen eingehen will, so genügt es, an „Zeitungs 
Lust und Nutz, von dem Spaten" zu erinnern. Dort wird in 
der Vorrede gesagt, daß die Zeitungen keine Possen seien, 
sondern daß sie einen redlichen Staatsmann in Ehren halten, 
wenn man ihn fragt: Wie der Kaiser, wie der König in 
Frankreich, in Spanien, England usw. heißen? „Wer die 
Zeitungen nicht weiß, ist nicht geschickt noch kann es werden. 



1) Jul. Otto Opel, Die Anfänge der deutsehen Zeitungspresse 
1609 — 1650, 27. Im Archiv für die Geschichte des deutschen Buchhandels, 
Leipzig 1879. (III.) 



— 5 — 

sich in Welt- und Staatssachen einzulassen. "*) Auch Johann 
Peter von Ludewig spricht im Vorwort zu seinem Intelligenz- 
blatt von dem Inhalt der Zeitungen, wenn er sagt, daß sich ein 
Kaufmann oder Handwerk smann darüber nicht den Kopf zu 
zerbrechen braucht, ob die österreichischen Niederlande befugt 
seien, in Ost- und Westindien einen neuen Seehandel 
anzufangen usw. Die, natürlich kritiklose, Wiedergabe von 
politischen Ereignissen und vor allem von Kriegshändeln war 
der beliebteste Stoff der Zeitungen in den ersten Zeiten ihres 
Bestehens. 



Mit der Wende des 17. Jahrhunderts trat für Halle ein 
vollständiger Umschwung der Verhältnisse ein. Es war das 
allerdings nicht unabhängige Zusammentreffen verschiedener 
Ereignisse, das die alte Salzhandelsstadt in einen weithin 
bedeutenden Mittelpunkt des geistigen Lebens nicht nur für 
das neue Königreich Preußen, sondern auch für einen großen 
Teil Deutschlands umwandelte. Die Universität und die 
Franckeschen Stiftungen waren die Momente, die auf die neue 
Ent Wickelung der Stadt von dem größten Einfluß waren, 
sie sind auch die Veranlassung zur Gründung der Zeitung 
gewesen. 

Wie August Hermann Francke durch die Errichtung der 
Filialbuchhandlung im September 1702 in Berlin dem 
Halleschen Waisenhause eine neue Einnahmequelle geschaffen 
hatte, so trat er im nächsten Jahre dem Gedanken, eine 
Zeitung herauszugeben, näher, hauptsächlich auch mit Rück- 
sicht auf die erhofften Einnahmen, die er natürlich gleich- 
falls dem Waisenhaus zuwenden wollte. Die Zeitungen waren 
damals, wenigstens in der von uns gedachten Form und 
in der von Francke geplanten Weise, rund 100 Jahre alt. 
Aber von einer allgemeinen Verbreitung war ebensowenig 



1) Salomon I, 82. 



— 6 — 

die Rede wie von einer besseren Kenntnis dieser neuen Ein- 
richtung. Die seit rund 40 Jahren in Leipzig erscheinende 
Zeitung wird aber wohl in Halle bekannt gewesen sein. Wenn 
Kramer sagt, es gab damals im Königreich Preußen noch keine 
einheimische Zeitung, so ist dies allerdings in dieser Allgemein- 
heit nicht zutreffend.^) In Berlin hatten vorübergehend schon 
im 17. Jahrhundert Zeitungen bestanden, aber sie waren eben 
nicht von Dauer gewesen. Ebenso ist man bis jetzt den lücken- 
losen Beweis schuldig geblieben, daß die Zeitung in Magdeburg 
immer seit ihrem ersten Erscheinen herausgegeben worden ist. 
Doch wenn die Hallesche Zeitung auch darauf keinen Anspruch 
erhebt, die älteste Zeitung Preußens zu sein, so steht sie doch 
sicher in der allerersten Reihe mit. Daß August Hermann 
Francke sich mit jenem Gedanken überhaupt trug und dann 
den Plan auch ausführte, wird ihm immer zu einem besonderen 
Verdienst angerechnet werden müssen, jedenfalls tritt die 
Universalität seines Geistes in ein neues Licht, und die 
Kenntnis von seiner Bedeutung für das deutsche Zeitungswesen 
muß viel weiter verbreitet werden, als sie es ist. Francke 
wandte sich mit einem Gesuche um die Erlaubnis, eine Zeitung 
herausgeben zu dürfen, an den König Friedrich I. in Berlin 
und bekam schon im Juli 1703 den günstigen Bescheid durch 
Verleihung des folgenden Privilegiums : 

Wir Friderich von Gottes Gnaden König in 
Preußen t. t, Thun kund und fügen hiemit zu wißen, 
Nachdeme Uns die Vorsteher des Weysenhauses zu 
Halle demütigst zu erkennen gegeben, wasgestalt Sie 
gesonnen wären, zum Besten des Gemeinen Wesens und 
beßerer Unterhaltung des Weysenhauses, durch 
Anlegung auswertiger correspondentz, die publique 
Zeitungen zu verbeßern, und in Ihrer Druckerey und 
Buchladen zu verlegen, mit angehängter Bitte, Wir 



1) Gustav Kramer, August Hermann Francke, ein Lebensbild II, 37. 
Halle I. II. 1880—1882. 



— 7 — 

wolten gedachtes Weysenhauß allergdst privilegiren, 
damit solche vom Weysenhause verlegte Zeitungen zu 
deßelben Nachtheil von Andern nicht nachgedrucket 
werden mögen; daß Wir solcher Bitte allergdst stat 
gegeben haben, Allermaßen Wir nicht allein gedachtem 
Weysenhause das Privilegium, solche Zeitungen zu 
drucken und zu verlegen, hiemit und Krafft dieses, 
aller gnädigst ertheilen, Sondern auch allen in Unsern 
Landen wohnenden Buchdruckern und Buchführern, 
wie auch andern Unsern Unterthanen allergnädigst und 
ernstlich anbefehlen. Sich darnach gehorsamst zu 
achten, und bey Vermeydung Unserer Ungnade und 
wilkürl icher harter Bestraffung, solche Zeitungen nicht 
nachzudrucken, noch deren Verlag und Verkauffung 
sonst auff einige Weise zu hindern, Sondern vielmehr 
zu befordern. Gebieten auch allen und Jeden 
Regierungen und Obristen Bedienten in Unseren 
Landen, über solch Privilegium zu halten, und das 
Weysenhauß dabey wieder männigliches Eintrag 
gebührend zu schützen. Urkundlich Geben Schönhausen 
den 27. Jul. 1703. 

Dieser königliche Schutzbrief^) vom 27. Juli 1703 erteilte 
Francke die Erlaubnis, eine Zeitung herauszugeben, aber es 
dauerte fast noch fünf Jahre, ehe Francke wirklich den Plan 
ausführen konnte. „Das Beste des Gemeinen Wesens und die 
bessere Unterhaltung des Waisenhauses" sind also die beiden 
Gesichtspunkte, die für die Regierung maßgebend waren, und 
die Erwähnung der Anlegung auswärtiger Korrespondenz zeigt, 
in welchem Umfang und auf welcher Grundlage Francke zu 
arbeiten gedachte. 

Es werden verschiedene Gründe gewesen sein, die der 
Ausführung des Planes zunächst noch im Wege standen. Schon 



1) Nach einer Abschrift aus dem Königlichen Geheimen Staatsarchiv 
in Berlin. Rep. 52. 12. 131. b. z. 



— 8 — 

Kramer sagt/) der damalige Postmeister in Halle glaubte 
durch die neue Zeitung die Vorteile gefährdet, die ihm der 
Vertrieb fremder Zeitungen verschaffte. Wir hatten ja schon 
vorhin gesehen, daß die Zeitungen aufs engste mit dem Post- 
wesen verbunden waren. Es war nicht nur im Reiche, sondern 
auch in Preußen die Ansicht der Post, daß die Herausgabe von 
Zeitungen ihr als alleiniges Vorrecht gehörte. Diese Ansicht 
war aus der Gewohnheit entstanden, und die Postmeister sahen 
in jedem Zeitungsverleger ihren natürlichen Feind, der ihnen 
ihre Einkünfte schmälern wollte. Sie erhoben auch fast 
überall Einspruch gegen neue Zeitungsunternehmungen und 
hatten auch meist den besten Erfolg damit. Natürlich mußte 
in unserem Falle der Widerstand des Postmeisters unberechtigt 
erscheinen, weil ja die Verleihung des Privilegiums ein selbst- 
verständliches Recht der Krone war. Francke spricht sich nach 
Schürmann^) wiederholt ganz allgemein über die Verzögerung 
in dem Zeitungsgeschäft aus; so sagt er an einer Stelle: 
„wegen allerhand unvermuthet in den Weg gekommener 
Verhinderungen" hätte die Herausgabe aufgeschoben werden 
müssen. Da aber Francke im Interesse des Waisenhauses und 
auch der Universität, der die neue Zeitung ebenfalls dienen 
sollte, sehr viel daran lag, den Plan möglichst schnell zur Aus- 
führung zu bringen, so sah er sich genötigt, vorläufig eine 
„geschriebene Zeitung" herauszugeben. Er richtete 
also im Jahre 1704 die „H allische Korrespondenz" 
ein, die als Vorläufer der Zeitung zu betrachten ist. 

Francke spricht in der vierten Fortsetzung der Nachricht 
vom Waysen-Hause, in den „Fußstapfen", selbst davon, welches 
die Veranlassungen zur Herausgabe der Korrespondenz waren. 
Sie gehen aus dem Programm der Korrespondenz hervor und 
sind weiter unten aus diesem genauer zu erkennen. Daß der 
Entwurf zu dieser Korrespondenz, ihr Programm, nicht 



1) Gustav Kramer, II, 37. 

«) August Schürmann, Zur Geschichte der Buchhandlung des Waisen- 
hauses etc. 20. Halle 1898. 



— 9 — 

persönlich von Francke herrührte, ist wohl nur insofern richtig, 
als die weitere Ausarbeitung einem Gehilfen Franckes auf- 
getragen war, die Grundgedanken aber sind doch zweifellos 
Franckes Vorschläge. Die Vermutung Schürmanns,^) daß es 
„von demjenigen, welcher als Zeitungsschreiber einzutreten 
gedachte, möglicherweise von dem candidatus iuris und 
späteren Professor Jakob Gabriel Wolf", herrührte, finde ich 
nicht gestützt. Nach Kramer war ja der Schreibmeister Gott- 
fried Eost mit der Korrespondenz beschäftigt und in der Zeit 
kurz vor Erscheinen der Zeitung ein gewisser Andreas Rock. 
Die im ersten Bande der Zeitungen befindliche handschriftliche 
Eintragung: „Vor diesen Zeitungen ist die Hallische schrift- 
liche Correspondentz vorhergegangen, und * dadurch sind die 
Zeitungen veranlaßt worden", mag ja ziemlich alt sein, genau 
ist sie nicht, weil ja die Herausgabe der Zeitungen schon 1703 
eine beschlossene Sache war und die Korrespondenz erst 1704, 
wenigstens in der hier gemeinten Form, erschien. 

Schürmann^) sagt über die Streitigkeiten zwischen dem 
Waisenhaus und dem damaligen Halleschen Postmeister 
D u n c k e r : „Wenn der Streit nicht schon vor dem Erscheinen 
des ersten Stückes begonnen haben sollte, so wurde er 
wenigstens nach dem 25. Juni 1708 sofort explosiv. Duncker 
redete sich immer mehr in Zorn und verschwor es gegen jeder- 
mann: man solle es nicht erleben, daß er auch nur ein Stück 
der Franckeschen Zeitungen ins Land lasse. In der Tat nötigte 
er Francke, seine Zeitungen nach auswärts in geschlossener 
Briefform, mit dem vollen Porto belastet, zu versenden. 
Unterm 29. September 1708 beschwerte sich Francke beim 
König, wie es den Eindruck machte, ohne Erfolg. Zuletzt warf 
sich Samuel Strjk, der berühmte Jurist, ins Mittel und 
versuchte einen Vergleich. Dieser Autorität gegenüber zeigte 
sich der Postmeister versöhnlicher, und obschon man nach 



1) Schtirmann, 21. 

2) Schürmann, 22. 



- 10 — 

mehrfachen Vorgängen einen Eückfall befürchtete, wurde der 
Vergleich dennoch Tatsache.". Schürmann spricht dann noch 
über da8 Verhältnis des ersten Redakteurs Wolf zu Duncker 
und zu den Mitarbeitern der Zeitung, leider gibt er aber seine 
Quellen nicht an. Daß die weithin sich erstreckenden Ver- 
bindungen des Waisenhauses ausgenutzt werden sollten, um 
allerhand Nachrichten zu erhalten und früher als andere 
Zeitungen bringen zu können, ist ja natürlich; wir werden im 
Laufe der Darstellung davon hören. Die Zeitung solP) sogar 
ein Gesuch an König Friedrich I. gerichtet haben, das dahin 
ging, die Gesandten sollten von ihren Berichten an den Hof 
gleichzeitig eine richtige Kopie an den Redakteur Wolf 
abschicken. Was der König geantwortet hat, ist nicht bekannt. 
Im Verkehr mit Duncker zeigte Wolf eine auf seinen Rang 
und seine akademische Bildung sich stützende Zurückhaltung, 
die für die Zeitung jedenfalls nicht von Nutzen war; denn 
Duncker war im Zeitungswesen erfahren, aber seine 
Annäherungsversuche waren von Wolf stolz zurückgewiesen 
worden. Es soll sich bald gezeigt haben, daß Wolf die 
Hoffnungen, wenigstens um 1717, nicht erfüllte, die man auf 
ihn gesetzt hatte. Der schon erwähnte Schreibmeister Gott- 
fried Rost spricht in jenem Jahre einmal von der lahmen 
Zeitung. Ich registriere diese Ansichten schon hier; aus der 
späteren Darstellung ergeben sich keine Anhaltepunkte für 
ihre Richtigkeit, denn die Jahrgänge aus den ersten 15 Jahren 
sind nicht alle erhalten. 

Mir will scheinen, daß die Schwierigkeiten, die der Post- 
meister dem neuen Unternehmen machte, nicht erst im Jahre 
1708 angefangen haben. Sie mögen zusammen mit dem Mangel 
an einer geeigneten Redaktionskraft das Erscheinen der 
Zeitung bis in das Jahr 1708 hinein verzögert haben. Es ist 
ein seltsamer Zufall, daß das erste Erscheinen der Zeitung am 
25. Juni 1708 zusammenfiel mit der Anwesenheit König 



1) Schürmann, 23. 



— 11 — 

Friedrichs I. in Halle, bei der es Francke gelang, den im 
Gefolge des Königs befindlichen Chef des betreffenden 
Departements für die Sache der Zeitung zu gewinnen. Aus 
einer von Krämer^) mitgeteilten „Kelation, was am 25. und 
26. Junii vorgegangen", ist hierüber zu entnehmen: 

„Am 25. Junii besuchte der Herr Professor Francke 
zuerst den Herrn Hofrat Grabau, recommendirete demselben 
die Sache von den Zeitungen, wurde auch von demselben 
vertröstet, daß, obgleich die Postmeister gegen die Zeitungen 
im Lande aus Gesuch eines von den fremden Zeitungen 
habenden Privat-Interesses sich zu setzen pflegeten, dieses dem 
Waisenhause erteilete Privilegium und der daher zu hoffende 
Nutzen demselben nicht müsse entzogen werden, und könne 
man den Postmeistern schon auf eine andere Weise etwas 
zuwenden. Der Herr Professor remonstrirte zugleich, daß 
eben derselbe, wo nicht noch größerer Nutzen denen Post- 
meistern von diesen Zeitungen zufallen würde." Von der 
Audienz bei dem Herrn von Hligen wird gesagt: „Die Sache 
von den Zeitungen, welche der Herr Professor meldete, ließ er 
sich wohl gefallen, und zweifelte gar nicht, daß sie nicht sollte 
zum Stande kommen, versprach darin alle Förderung. Der 
Herr Professor stellete vor, warum es bisher noch nicht 
geschehen, item, wie er gedenke eine Universal-Historie und 
notitiam. aus der ganzen Welt zusammen zu bringen ; welches 
sehr wohl apprehendiret wurde." 

Diese persönlichen Verwendungen Franckes werden bei 
dem Vergleich mit dem Postmeister mitgeholfen haben. Wie 
wir auch später sehen werden, sind die Zwistigkeiten jedenfalls 
noch im Jahre 1708 gänzlich beigelegt worden, denn vom Jahre 
1709 übernimmt das Grenzpostamt in Halle die Verbreitung 
der Halleschen Zeitung selbst. 



1) Gustav Kramer, Neue Beiträge zur Geschichte August Hermann 
Franckes, 122. Halle 1875. 



■>j 



Die Hallesche Zeitung von 1708—1768 

und ihr Vorläufer. 



Als direkten Vorgänger der Halleschen Zeitung hat man 
die Hallische Korrespondenz anzusehen, die vom April 1704 
bis zum Dezember 1710 vom Waisenhause herausgegeben 
worden ist. Der Hauptunterschied dieser Korrespondenz zur 
späteren Zeitung liegt darin, daß sie nicht gedruckt, sondern 
geschrieben war, und daß sie monatlich nur einmal erschien. 
Ihre Bedeutung für die Zeitung aber ist darin zu sehen, daß 
sie neben den schon damals nach Halle gelangenden 
gedruckten Zeitungen auch mit eine Lehrmeisterin des ersten 
Redakteurs gewesen sein wird. Sie hat die Zeitung dann selbst 
noch 2^ Jahre hindurch begleitet und sie in manchem ergänzt. 
Als aber die Zeitung vom Beginn des Jahres 1709 eine 
wöchentliche Beilage erhielt, die „Wöchentliche Relation", 
mag der Korrespondenz der Stoff knapp geworden sein. Mit 
dem Dezember 1710 ist sie dann das letzte Mal erschienen. 
Kramer spricht in seinem Lebensbilde August Hermann 
Franckes von ihr, dagegen scheint es Schürmann nicht bekannt 
gewesen zu sein, daß noch jetzt wenigstens ein Exemplar 
vorhanden ist, denn seine Angaben sind nicht genau. 

Das Archiv^) der Franckeschen Stiftungen bewahrt, 
soweit es mir bekannt ist, eine fast vollständige Sammlung 
aller Nummern dieser schriftlichen Korrespondenz auf. Sie ist 
sehr sauber und leicht lesbar geschrieben und in einen starken 



1) Archiv der Franckeschen Stiftungen D 63 c. 



— 14 — 

Band, wahrscheinlich schon im ersten Viertel des 18. Jahr- 
hunderts, zusammengebunden. Die Sammlung beginnt mit 
dem „Proiect zu einer nützlichen Correspondentz" , Dieses 
Projekt wird im wesentlichen auch das Programm der späteren 
Zeitung sein, deswegen gebe ich es hier zum Teil wieder: 

„Es haben bishero unterschiedliche gute Freunde von 
uns nicht allein verlanget, daß man ihnen von Zeit zu Zeit 
Nachricht ertheilen möchte von dem vielfältigen göttlichen 
Seegen, welcher sich so wol hieselbst bey der Vniversität^ 
Waysenhause und übrigen Anstalten, als auch anderwerts in 
der Kirche Gottes zu unserer Zeit hervorthut: sondern sie 
haben auch öfters allerley commissiones zu bestellen gehabt. 
Ob man nun gleich iederman nach der Liebe, womit man 
ihnen verbunden ist, gerne darinne gewillfahret hätte, 
absonderlich, da man nicht zu zweiffein hat, daß durch 
dergleichen correspondentz manche gute aufs neue erwecket, 
und zu beständigem Fortgang in ihrem Christenthum 
angefrischet werden kan: so haben solches dennoch die 
Umstände, darinne wir uns befinden, nicht zulassen wollen. 
Denn " 

Nun werden verschiedene Punkte aufgezählt, die der 
Herausgabe bisher hinderlich gewesen sind, dann folgen 
16 Vorschläge, von denen diese von Interesse sind: 

„1.) Solt eine gewisse Person darzu bestellet werden, die 
sonsten nichts zu thun habe, als daß sie diese Correspondentz 
dirigire und in Ordnung halte, die Nachrichtungen, welche 
communiciret werden sollen, colligirey die Brieffe beantworte, 
die aufgetragene Commissiones bestelle oder bestellen lasse. 

2.) Müssen ihm einige Qehülffen, die ihm in copiren die 
Hand bieten, zugegeben werden. 

10.) Anfänglich soll hieraus alle vier Wochen wenigstens 
einmal ordentlich an einen ieden Correspondenten geschrieben 
werden. 

12.) Dieweil aber zu dergleichen Correspondentz viele 
Unkosten erfordert werden, und diejenigen sonderlich, die 



— 15 — 

sich gäntzlich dazu brauchen lassen, ihren Unterhalt davon 
haben müssen : so erfordert die Nothwendigkeit, daß ein ieder, 
der sich ermelter Correspondentz gebrauchen will, in die 
Correspondentz-Cassa, so constituiret werden soll, quartaliter 
wenigstens 12 Gr., und zwar praenumerando einschicke. 
Dabey man aber das Vertrauen hat, daß ein ieder sich über 
dieses darnach richten werde, wieviel er der Correspondentz 
sich gebraucht. 

13.) Ausserdem sollen von iedem Bogen, welcher 
abschriftlich communiciret wird, 2 Gr. Schreiber Gebühr 
gezahlet werden. 

14.) Das Porto muß ein ieder auf sich nehmen, und dazu 
gegen künfftige Berechnung genugsam Geld einschicken." 
Die übrigen Punkte enthalten die Aufzählung dessen, 
was in der Korrespondenz mitgeteilt werden sollte, nämlich 
die Vorgänge und Ereignisse bei allen Fakultäten, im 
Waisenhaus, in der Stadt und sonst in- und außerhalb 
Deutschlands; göttliche Strafgerichte und Beispiele göttlicher 
Vorsorge und Errettung, erbauliche Relationen und Lebens- 
läufe, Angebote von Dienstpersonal etc. Nachdem noch die 
verschiedenen Vorteile aufgezählt worden sind, die man aus 
der Korrespondenz zu erhoffen hat, schließt das Projekt 
mit der Bitte um eine Mitteilung derjenigen, die unter den 
angeführten Bedingungen die Korrespondenz mithalten wollen. 
Ein Blick in die einzelnen Korrespondenzen, die aber 
nicht fortlaufend numeriert sind, zeigt, daß der angegebene 
Plan ausgeführt ist. Die Nummern umfassen 8 Quartblätter 
und scheinen in den letzten Tagen der Monate ausgegeben zu 
sein, worauf die fast durchgehenden Überschriften hindeuten: 

„Halle zu Ende des Monats " Unter den Vorgängen 

bei den Fakultäten werden angeführt: Vorlesungs- 
ankündigungen, Dissertationen und sonstige akademische 
Schriften. Interessant ist die Korrespondenz vom Juli 1705, 
die Aufschluß über das Verhältnis Franckes zu diesen monat- 
lichen Mitteilungen gibt. Diese Juli-Korrespondenz beginnt 



— 16 — 

mit einem Berichte Franckes über seine Keise nach Holland. 
Der Bericht ißt ein Brief an seine Gönner und Freunde. Er 
sagt dort bald im Anfang: „Obwol die Monatliche 
correspondentz nicht durch meine Feder und Hand, sondern 
durch die Hand eines und des anderen meiner Gehülffen 
geführt wird." Übrigens druckt Kramer diesen Brief 
vollständig ab.^) Des Erscheinens, der Zeitung wird in der 
Juni-Korrespondenz 1708 folgendermaßen gedacht: 

„Demnach am 25. Juni a. c. Hällische Zeitungen 
angefangen sind, so dienet davon Herren Korrespondenten 
solches zur Nachricht, und wird ein Exemplar davon hierbey 
gefüget. Es werden demkünfftig hie einige Materien, die bey 
hiesigen Anstalten einlauffen dem Concipienten dieser 
Zeitungen übergeben werden, also daß die Herren 
Correspondenten sich nach Belieben dieser gedruckten 
Zeitungen mit bedienen, und daraus manches ersehen können, 
so sonst in der Monatlichen Correspondence würde zu 
communiciren gewesen seyn, daß sie mitgehalten werden, 
dieweil in denen Zeitungen manches kurtz berührt werden 
dürffte, wovon in der Monatlichen Correspondence eine 
mehrere Nachricht die das, was in denen Zeitungen stehet, 
prosupponire gegeben werden kan." Es fehlt übrigens nicht 
an einem wiederholten Bezugnehmen der Korrespondenz auf 
die Zeitung. 

Die Hallische Korrespondenz nimmt schließlich im 
Dezember 1710 mit folgenden Worten von ihren Lesern 
Abschied : 

„In Betrachtung, daß bis anhero so gar wenig merck- 
würdige Nachrichten, die nicht so beschaffen, daß sie füglich 
in die gedruckte Zeitungen können gesetzet werden, einlaufen, 
und es dahero bey der monatlichen Correspondentz fast immer 
an communicdbler materie gebrechen will, auch über dieses 
unter aller damit habender Bemühung bey einigen eine 

1) Kramer, August Hermann Francke, 42. 



~ 17 - 

TTnziifriedenheit tüaniehmal verspürüt wird, als wird gedachte 
^nonatlicliÄ Corre^pondentz hiemit cassiret und aufgehoben, als 
-eine Sache, dieTan anderen nöthigen Verrrichtungen Hinde>rniß 
gilbet. So von einigen Herren Correspondenten Geld Toraui^ 
gegeben, soll ihnen solches gar gern restituiret werden; und 
HO hingegen noch jemand etwas schuldig ist, hat man die 
Zuversicht, es werde ungemahnet eingesandt werden. 

Dem Herrn befohlen.'^ 

' Aus der Korrespondenz selbst erfahren wir an keiner 
Stelle etwas über die Stärke ihrer Auflage, um mit dem 
heutigen Sprachgebrauch zu reden. Dagegen gibt Francke 
selbst und nach ihm auch Kramer und Schürmann an, daß die 
Hallische Korrespondenz in ihrer besten Zeit monatlich in 
40 Exemplaren verschickt wurde. Diese Zahl ist für die 
damaligen Verhältnisse und in Anbetracht des TJmstandes, daß 
es sich um eine handschriftliche Vervielfältigung handelte, 
nicht etwa klein. Zieht man den Wert des Geldes im 
Vergleich zur Jetztzeit in Betracht, so war der Preis viertel- 
jährlich mit 18 Gr. gar nicht so gering, zumal er sich ja auch 
durch das hinzu kommende Porto noch erhöhte. Die 
Sammlung im Archiv der Stiftungen ist mit Hilfe von 
versandten Exemplaren zusammengestellt. An einigen 
Nummern kann man noch genau erkennen, auf welche Weise 
sie zusammengefaltet und gesiegelt waren, andere tragen auf 
der ersten Seite unten links noch eine kurze Adresse, so 
mehrmals pro (auch für) Baron von Canstein. Im Jahre 1708, 
zur Zeit des Erscheinens der Zeitung, war der Eedakteur der 
Korrespondenz: Andreas Eock, wie aus dem Schluß der Juni- 
Nummer hervorgeht, in der er sich mit Krankheit für die 
unregelmäßige Zustellung entschuldigt. 



Das erste Erscheinen der Zeitung fiel in eine sehr 
kriegerische Zeit. Wie günstig der Stoff vom Kriegstheater 



— 18 - 

für die Leitung der Zeitung, wie willkommen er den Lesern 
war, ist schon weiter oben berührt worden. Und damals 
durchtobte schon seit mehr als 7 Jahren die Kriegsfurie fast 
ganz Europa. Im Westen und im Süden lagen die dortigen 
Großmächte im heißen Streit um die spanische Erbschaft. Aus 
dem „Eeich", aus Italien, aus Spanien, aus Frankreich und den 
Niederlanden wie von der See waren immer neue kriegerische 
Ereignisse zu melden oder über vergangene ausführlicher zu 
berichten. Dabei entbehrten diese Nachrichten auch eines 
spezifisch brandenburgisch-preußischen Interesses nicht. Denn 
in den Niederlanden lagen die preußischen Hilfsvölker unter 
Führung des Grafen Lottum zu Felde, sie gehörten zur Armee 
des Prinzen Eugen. Dort drängten auch die Verhältnisse 
wieder zu einer größeren kriegerischen Entscheidung, die 
schon 14 Tage nach dem ersten Erscheinen der Zeitung zu 
Gunsten der Verbündeten bei Oudenarde (a. Scheide) fiel. 
Weiter hatte das Kaiserhaus im eigenen Lande selbst gegen 
die aufständischen Ungarn unter Rägoczy zu kämpfen, und auch 
hier stand man vor der siegreichen Schlacht bei Trentschin. 
Im Norden und Osten Europas hatte der jugendliche, geniale 
Karl XII. von Schweden Dänemark, Rußland und Polen- 
Sachsen niedergeworfen und eben noch in der Nachbarschaft 
Halles den Frieden von Altranstädt diktiert. Er hatte sich 
dann wieder gegen seinen gefährlichsten Feind, den Zaren 
Peter L, gewendet und war auf Moskau marschiert. Eine 
neue, höchst interessante Wendung war hier im Osten dadurch 
eingetreten, daß Karl den abenteuerlichen Entschluß gefaßt 
hatte, der Einladung des Kosakenhetmans Mazeppa zu folgen, 
um den Kampf in der Ukraine fortzusetzen. 

Mitten in diese bewegte Zeit versetzt uns nun die erste 
Nummer der Halleschen Zeitung. Wir wollen bei dieser ersten 
Nummer einen Augenblick verweilen und sie uns an der Hand 
des beigegebenen Abdrucks^) ein wenig näher ansehen. 



i) Vgl. Beilage 1. 



— 19 — 

Ob das erste Erscheinen der Zeitung in der Stadt durch 
irgend eine Anzeige bekannt gemacht wurde, ist nicht fest- 
zustellen. Am Montag, den 25. Juni 1708, wurde die erste 
Nummer der „II ällischen Zeitungen" herausgegeben. 
Sie enthält selbst keinerlei Hinweis auf ihren Zweck, keine 
Angabe, wie oft die Zeitung erscheinen soll, selbstverständlich 
keine Andeutung über Kedaktion, Verlag und Druck. Der 
Kopf ist denkbar einfach. Aus dem Plural „Zeitungen" 
ist zu erkennen, daß das Wort noch in dem Sinne von Nach- 
richten gebraucht ist, das Adjektivum von Halle ist richtig, 
sogar noch mit dem Umlaut des a in ä, gebildet. Eine 
Nennung des Wochentages, an dem die betreffende Nummer 
erschien, fehlte in der ersten Zeit noch. Die einzelne Nummer 
besteht aus zwei Blättern in Quart, also aus vier Druck- 
seiten, die aber nicht gezählt sind; ebenso fehlt noch 
eine Numerierung der einzelnen Stücke, wie die älteste 
Bezeichnung der Nummern heißt» Die Seite ist bereits in 
zwei Spalten geteilt, die Zeilenzahl schwankt zwischen 40 
und 43. Eine einheitliche Anordnung des Stoffes ist noch 
nicht vorhanden. Die ersten Nachrichten handeln vom 
spanischen Erbfolgekriege, die Berichte aus den verschiedenen 
Städten sind durch Absätze getrennt. Darauf folgen, auch 
durch einen größeren Zwischenraum, der aber nur zufällig zu 
sein scheint, geschieden, Mitteilungen über Mißhelligkeiten in 
der Schweiz, die durch Eeligionsstreitigkeiten entstanden 
waren. Nachdem dann vom nordischen Kriege die Kede war, 
kehrt die erste Nummer wieder zum spanischen Kriege zurück. 
Hier finden sich noch einmal Nachrichten aus Paris, sogar mit 
dem gleichen Datum wie schon vorher. Dies läßt darauf 
schließen, daß die Berichte in der Reihenfolge, wie sie 
angekommen waren, auch zum Druck gegeben wurden. 
Sogar von einem Druckfehler, wie das Datum der vorletzten, 
der Franckfurter Nachricht zeigt, ist diese erste Nummer 
nicht frei. Das älteste gemeldete Ereignis ist bereits einen 
Monat, das jüngste eine Woche alt. Man muß aber annehmen, 

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— 22 — 

Sie druckte z. B. im September getreulich eine Mitteilung aus 
der Gegend von Altenburg ab, der zufolge ein Soldat wegen 
gotteslästerlicher Reden bei einem Gewitter plötzlich vom 
Blitze getrofiEen halb in die Erde versank und versteinert 
wurde. Doch versäumte der Redakteur nicht, wie auch in 
diesem Falle, sobald er genauer unterrichtet war, die Nachricht 
zu widerrufen „und zugleich den geneigten Leser zu versichern, 
daß derselbe sich solcher Aufrichtigkeit ferner zu versehen 
haben werde, wenn wider Vermuthen eine ungegründete 
Relation communiciret werden solte." 

Die Stärke der einzelnen Zeitungsnummer blieb immer 
dieselbe. War über irgend ein die Leser interessierendes 
Ereignis ein ausführlicherer Bericht eingelaufen, so griff man 
einfach zu dem Ausweg, die Nachricht in mehreren Fort- 
setzungen auf verschiedene Nummern zu verteilen, oder man 
druckte eine Beilage, die sich jedoch äußerlich nicht als solche 
einführte. So enthält die Nummer vom 3. November unter 
dem Strich die Mitteilung: „NB. Die zweyfache Capitulatiou 
mit der Stadt Ryssel, so mit heutiger Post eingelauffen, hat 
man wegen Kürtze der Zeit und Enge des Raumes dismal 
nicht communiciren können, sondern bis auf nächst 
kommenden Dienstag zurück behalten müssen." Vor der 
nächsten Nummer folgte dann der Abdruck der 8 Seiten 
langen Doppelverhandlung. 

Die Zeitung muß während des ersten Halbjahrs ihres 
Bestehens schon viele Freunde gefunden haben, denn für das 
Jahr 1709 war bereits eine Vergrößerung geplant. Die 
erste Mitteilung von dieser Veränderung enthält die Dienstags- 
nummer vom 27. November. Diese Benachrichtigung der 
Leser ist noch nach zwei anderen Seiten von besonderer 
Bedeutung. An die kurze übliche Expeditionsnotiz schließt 
sich folgende an: „Mit dem Anfang aber des instehenden 
Neuen Jahres soll geliebts Gott noch ein vierdtes Stück als ein 
wöchentlicher Extract dazu kommen, und wird alsdenn der 
hiesige Herr Post-Meister ein completes Exemplar an aus- 



— 23 — 

wärtige Post-Ämter quartaliter gegen praenumeration I. Ethl. 
übersenden, und auch hieselbst sie für 21 gr. aus dem Königl. 
Post-Amt abfolgen lassen." 

Die für das neue Jahr geplante Versendung der Zeitung 
durch die Post zeigt einmal, daß die früheren Streitigkeiten 
zwischen der Post und dem Verlage vollständig beseitigt 
waren. Für die Verbreitung der Zeitung aber bedeutet dieses 
vollzogene Einverständnis außerordentlich viel, denn die Ver- 
mittelung der Post ermäßigte für die Auswärtigen den Preis 
sehr wesentlich, weil ja früher für jedes Zeitungsexemplar das 
Briefporto bezahlt werden mußte. Der Preis der Zeitung für 
Halle 21 Groschen, für die Umgegend, soweit Beförderung 
mit der Post in Betracht kam, ein Keichstaler auf das ganze 
Vierteljahr bei wöchentlich 4maligem Erscheinen ist, besonders 
für die damalige Zeit, nicht zu hoch. 

Die obenerwähnte Mitteilung kehrt in den nächsten 
Nummern wieder, nur ist dann hinter „auswärtige Postämter" 
noch „und andere Orte" eingeschaltet, was natürlich auf die 
Umgegend von Halle zu beziehen ist, die zum Postbestellbezirk 
der Stadt gehörte. 

Allmählich, wenn auch nur selten, wird doch die Zeitung 
zu unseren heutigen Inseraten ähnlichen Mitteilungen und 
Anfragen von Privatpersonen benutzt. So macht z. B. noch 
im Dezember^) der Professor und spätere Universitätskanzler 
J. P. von Ludewig bekannt, daß er, angeregt durch einen 
größeren Münzenfund, eine Abhandlung über alte deutsche 
Münzen schreiben will, und er bittet zu diesem Zweck, ihm 
alte Stücke zur Ansicht einzusenden. Ein anderes MaP) sucht 
ein Merseburger Kapellmeister einen Verleger für seine 
Kirchenmusikstücke. 

Einen Teil ihrer Nachrichten aus dem Westen bezog die 
Redaktion aus Holland. Infolge der ungünstigen Witterung 



i) 1708. Dezember 4. 
2) 1708. Dezember 8. 



— 24 - 

im Winter kam nun die holländiöche Post häufig mit großen 
Verspätungen an. Eine dementsprecbende Mitteilung an die 
Leiser war natürlich notwendig, ja um nicht allzusehr in der 
Berichterstattung zurückzubleiben, entschloß sich die Zeitung 
zur Ausgabe eines „E xtraordinair-Blätche n^', von 
dem aber leider nichts erhalten geblieben ist. In der letzten 
Nummer, vom 29. Dezember 1708, wird noch einmal auf die 
Veränderung in der Ausgabe der Zeitung hingewiesen, sowie 
kurz der Charakter des 4. Stückes angegeben: „So wird auch 
mit diesem neuen »Tahre, wie sonst schon gemeldet worden, 
noch das 4te Stück hinzukommen, und in einer kurzen Relation 
der merckwürdigsten Sachen von jeder Woche bestehen, 
auch bey Gelegenheit mit Historischen, Geographischen, 
Genealogischen etc. Anmerkungen iUustriret werden.^^ 

Mit dem Beginn des Jahres 1709 treten die angekündigten 
Veränderungen ein. Zunächst erhielt der Kopf der Zeitung 
eine andere Form. Der Name lautet von jetzt ab : ,,Privilegirtc 
Hallische Zeitungen". Wochentags- und Datumbezeichnun^ 
bleiben natürlich, es tritt aber sowohl eine fortlaufende 
Numerierung der Zeitungen wie auch der Seiten hinzu. So 
umfaßt der ganze Jahrgang 1709 : 154 Nummern mit 
616 Seiten; so groß ist die Zahl jedoch nicht immer, der 
Jahrgang 1709 beginnt aber mit der ersten Nummer am 
1. Januar und schließt mit der letzten Nummer am 
31. Dezember. Je nach der Lage des Weihnachtsfestes inner- 
halb der Woche konnten ein oder zwei Nummetn ausfallen, 
auch Ostern und Pfingsten verringerten die volle Zahl. Das 
vierte Stück ist als ständige Wochenbeilage anzusehen, als 
solche wurde es besonders gezählt; es waren im Jahre 52 oder 
53 Nummern, jede, im Anfang, auch in einer Stärke von 
vier Seiten. Der Kopf lautete: „Kurtze Relation der 
merckwürdigsten und zur Conservation der neuen Historie 
hauptsächlich dienenden Sachen". Von den Zeitungsblättern 
unterscheidet sich die Eelation auch äußerlich schon dadurch, 
daß der Text nicht in zwei Spalten getrennt ist, sondern über 



— 25 — 

die ganze Seite läuft. Die wichtigsten Nachritjhten sind nach 
den verschiedenen Ländern geordnet nnd so unter eine geroein- 
same Überschrift gebracht. Während in den Zeitungen diö 
Fülle der Nachrichten schon ein Eingehen auf diesen oder 
jenen Punkt bei dem doch immerhin knappen Raum verbietet, 
hat der Redakteur hier in den Relationen willkommene 
Gelegenheit, sein eigenes Licht leuchten zu lassen. So folgen 
auf die zusammengestellten Nachrichten in kleinerem Druck 
häufig Erklärungen, die das Verständnis des Gemeldeten 
erleichtern sollen, namentlich aus der Geschichte, Geographie, 
dem Staatsrechte, der Genealogie etc. 

Die Ausgabe wurde bald im Anfang des Januar so 
geordnet, daß die Zeitungen Montags, Dienstags und 
Donnerstags, die Relation am Sonnabend erschienen. Auch 
in den Relationen, sie heißen übrigens schon von der zweiten 
Nummer ab „W öchentlich e", finden sich gelegentlich 
Bücheranzeigen, wie auch sowohl in den Relationen auf die 
Zeitungsnummern und in den Zeitungen auf die Relationen 
Bezug genommen wird. 

Im übrigen verändert sich an den Zeitungen und 
Relationen das ganze Jahr hindurch nichts, auch die Ausgabe 
bleibt dieselbe. Von den aus Halle selbst datierten Nach- 
richten sind doch nur sehr selten solche, die über Halle etwas 
■sagen, so wird z. B. gemeldet, daß die Professoren wegen 
Danckelmanns Tode Trauer angelegt haben. Unter den 
Anzeigen taucht im April zum ersten Mal ein Steckbrief auf, 
er scheint jedoch von der bestohlenen Herrschaft, nicht vom 
Gericht in die Zeitung gesetzt worden zu sein. Daneben 
werden auch Bücherauktionen bekannt gemacht. Waren kurz 
vor Ausgabe der Relation noch neue Nachrichten, besonders 
vom westlichen Kriegsschauplatz, eingelaufen, auf dem es 
wieder nach dem Zerschlagen der Friedensverhandlungen sehr 
lebhaft geworden war, so wurden diese Mitteilungen schon in 
der Relation bekannt gemacht, und zwar, um desto mehr 
aufzufallen, unter dem Strich. Bei Wechsel des Quartals 



— 26 — 

findet sich am Schluß der Zeitung eine kurze Angabe, über die 
Abonnementsbedingung, sowie eine Mahnung an die säumigen 
Zahler des verflossenen Vierteljahrs. 

Von den späteren Jahrgängen sind nur eine Reihe 
Nummern aus dem Jahre 1715 vorhanden, dagegen wieder 
fast vollständig die Jahre 1716 — 1718. Aus den vorhandenen 
Zeitungen und Relationen geht hervor, daß im Äußeren und 
auch in der Erscheinungsweise der Zeitung keine Veränderung 
vorgegangen ist. Des Todes Ludwigs XIV. wird zwar gedacht, 
auch von der Trauerfeier in Paris eingehender gesprochen, 
aber jede Kritik seiner Regierung und seines Verhaltens gegen 
Deutschland vermieden. Auch über die preußischen Kriegs- 
operationen in Pommern, sowie über den Türkenkrieg wird 
wieder und wieder gesprochen. Von der Gründung der 
Mississippi-Gesellschaft und dem Bankenschwindel des Schotten 
John Law in Paris erfahren wir nur sehr wenig ; das Interesse 
an diesen Unternehmungen mag bei uns auch erst besonders 
stark gewesen sein, als diese Gründung 1720 zusammenbrach 
und Tausende in Frankreich pekuniär zu Grunde richtete, 
aber der Jahrgang 1720 von der Zeitung ist leider nicht 
erhalten. 

Erst vom Jahre 1724 haben wir die Jahrgänge der 
Zeitung ununterbrochen bis 1780. 

Wann, läßt sich nicht mehr feststellen, vielleicht schon 
vor 1725, wurde eine Einrichtung getroffen, die auch die 
spätere Benutzung der Relationen und damit indirekt auch 
die der Zeitungen wesentlich erleichterte und ihnen den Wert 
eines Nachschlagewerkes verschaffte. Die Redaktion 
gab am Ende jeden Jahres ein genaues Register zu den 
erschienenen Relationen . heraus, die außerdem unter einem 
gemeinschaftlichen Titelblatt zusammengebunden werden 
konnten. Dieses „Register über die in denen Relationen des 
Jahres (1724) enthaltenen merckwürdigen Materien" in einer 
Stärke von 18 Seiten erleichterte die spätere Auffindung des 
Berichtes über irgendein Ereignis sehr, und da die Relationen 



— 27 — 

ja auch Tagesdaten hatten, war die Auffindung der Besprechung 
in der Zeitung nicht schwer. 

Nachdem die großen Kriege vom Anfang des Jahr- 
hunderts ihr Ende erreicht hatten, fiel natürlich dieser 
gewaltige Stoff fort, so daß die Leser mit anderem in der Welt 
Passierten, manchmal recht seltsamen Nachrichten unterhalten 
werden mußten. Übrigens gehörten zu den auch schon in 
früheren Jahren mit einer gewissen Eegelmäßigkeit wieder- 
kehrenden Nachrichten die Berichte von der Tätigkeit 
der Missionare in Indien, die ja für die im Waisenhaus 
erscheinende Zeitung auch von einem gewissen persönlichen 
Interesse waren. Auch für auswärtigen Hofklatsch mußte 
sich schon damals bei dem lesenden Publikum viel Interesse 
finden, darauf deutet ein mit breiter Ausführlichkeit in 
mehreren Nummern und im ganzen in 12 Spalten fortgesetzter 
ArtikeP) über eine Kindesunterschiebung in der englischen 
Königsfamilie hin. Der Vorgang selbst war schon im vor- 
letzten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts passiert, aber erst 
ietzt durch eine in England erschienene Flugschrift allgemein 
bekannt geworden. Daß aber in der Redaktion natürlich auch 
der Sinn für das Wohl der Bevölkerung und für die Hebung 
der Wissenschaft rege war, folgt aus anderen Mitteilungen, 
wie z. B. aus der,^) daß „auf dem Theatro Anatomico in Berlin 
zu mehrer Aufnahme des Studii Medici und Chirurgici Kurse 
veranstaltet werden, welches zu jedermanns Wissenschaft, 
sonderlich denen daran gelegen, hiemit bekannt gemacht 
wird." Wiederholter Abdruck^) eines Königlichen Patentes 
über Besiedelung wüster Stellen mit Angabe der Freiheiten, 
die sich dort ansiedelnde Handwerker genießen würden, ist 
natürlich auf Veranlassung der Regierung zurückzuführen. 
Daß die Zeitung auch auf dem Lande weiter verbreitet war^ 



») 1724: Nr. 1. Januar 3 ff. 
«) 1724: Nr. 3. Januar 6. 
») 1724: Nr. 5. Januar 11. 



— 28 — 

folgt auB Anzeigen^) wie: „Bey jetzigen sich eräugenden Vieh- 
Sterben, hat man nicht ermangeln sollen, dem Publico zu 
notificieren, daß man in hiesiger Königlich Preußischer Hof- 
und Universitäts-Apotheke „zum weißen Engel" ein durch viel- 
fältige Experientz probat gefundenes Viehpulver, so auch bei 
dieser Seuche schon viele gute Proben gethan, zum Verkauf 
feil habe, wovon das Pfund vor ein Bthlr. verkauft wird, und 
von dessen Gebrauch beim Verkauf völlige Nachricht wird 
gegeben werden." Unter den Anzeigen kehren Bücher- und 
Nachlaßauktionen ziemlich regelmäßig wieder, auch Ver- 
pachtungen werden ausgeschrieben, so z. B. die des Ratskellers. 
Es ist interessant, daß solche Anzeigen nicht selten sind, aber 
über die Insertionskosten sind wir nicht unterrichtet, sehr 
klein scheinen sie nicht gewesen zu sein, sonst hätte der Staat 
nicht sehr bald den Druck derartiger Inserate für sich in 
Anspruch genommen. 

Wie auch in gewissen Zeitungen der Gegenwart mit 
Regelmäßigkeit Nachrichten über steinalte Menschen in dieser 
oder jener Gegend wiederkehren, so findet man auch damals 
schon derartige Mitteilungen, ohne daß die Abnormität stutzig 
gemacht hätte, so hört man hier einmal von einem Manne, der 
185, dort von einem, der 175 Jahre alt ist. Auch eine Art See- 
schlange^) ist schon bekannt, so spricht eine Meldung aus 
Petersburg von einem Fisch, der die stattliche Länge von 50 Fuß 
gehabt haben soll. Viele Nummern der Zeitung und auch der 
Relationen aus den beiden letzten Monaten des Jahres 1724 
durchziehen fortlaufende Berichte über das gräßliche Blüt- 
gericht in der Stadt Thorn. Im Juli des Jahres war es in 
Thorn gelegentlich einer Prozession zu einem blutigen 
Zusammenstoß zwischen Evangelischen und Katholiken 
gekommen, bei dem schließlich das Jesuitenkolleg von der 
Volksmenge gestürmt worden war. Der Vorgang war für dai^ 



1) 1724: Nr. 7. Januar 17. 

2) 1724; Nr. 83. JuU 17. 



— 29 — 

pro testantisolie-; Halle natürlich von IntereBse, aber (Jie Redak- 
tion ging a^us. ihrer Unparteilichkeit, nicht heraus, Sie über- 
ließ- d ton Lesefn selb&t das Urteil, indem sie beide Dar- 
stellungen, . von . evangelischer und katholischer Seite, 
abdruckte/) Die verschiedenen Beschlüsse des eingesetzten 
Gerichtes, das nur aus katholischen Richtern bestand, wurden 
aufmerksam verfolgt, auch aller Bemühungen von evan- 
gelischer Seite gedacht, die einen Umstoß des unnatürlichen 
Urteils bezweckten. . Die Hinrichtung des ersten Bürger- 
meisters und neun anderer Bürger von Thorn wird ausführlich 
erzählt;^) der Bericht schließt mit den Worten: „und stehet zu 
erwarten, ob solche unerhörten Proceduren nicht einige Folgen 
nach sich ziehen werden." Es ist aber nicht möglich, fest- 
zustellen, ob dies eine Bemerkung der Redaktion ist. 

Des Todes ihres Gründers gedenkt die Zeitung in der 
Nummer 68 vom 12. Juni 1727 am Schluß des Blattes in 
folgender Nachricht aus Halle: „Am letzt verwichenen Sonn- 
tag Trinitatis abends gegen 10 Uhr hat Gott den Herrn 
August Hermann Francken Professorem Theologiae Ordin. auf 
der hiesigen Königlich Friedrichs-Universität, Pastorem zu 
St. Ulrich, des Gymnasii Scholar ckavi, wie auch Directorem des 
Paedagogii Eegii und der Anstalt des Waysenhauses zu 
Glaucha an Halle, im 65. Jahr seines Alters aus dieser Zeitlich- 
keit abgefordert, und wird dessen öffentliches Leich-Begängniß 
auf künftigen Dienstag, als den 17. dieses, gehalten werden." 



Die Einrichtung der Intelligenzblätter, von 
denen schon in der Einleitung gesprochen ist, wurde in dieser 
Zeit in Preußen geschaffen. Sie traten auch hier in Halle im 
Jahre 1729 ins Leben und wurden von keinem Geringeren als 
dem Kanzler der Universität, Professor und Historiographen 



1) 1724: Nr. 129. Oktober 31. 

2) 1724: Nr. 150. Dezember 19. 



— 30 — 

Johann Peter von Ludewig redigiert. Waldemar Kawerau^) 
widmet dieser Tätigkeit Ludewigs auf vier Seiten eine ein- 
gehende Besprechung, die er sogar mit folgenden Worten 
beginnt: „Wichtiger als der staatsrechtliche Publicist ist für 
eine Geschichte des Hallischen Litteraturlebens der Journalist 
V. Ludewig, der als Geheimrat und Kanzler der Universität es 
nicht verschmähte, als Eedakteur .... zu fungieren." 
Kawerau scheint mir die journalistische Tätigkeit Ludewigs 
und die Bedeutung des Intelligenzblattes für das Literatur- 
leben Halles bedeutend überschätzt zu haben. Es ist dies um 
so auffälliger, als er in dem genannten Werk die Hallischen 
Zeitungen überhaupt nicht erwähnt. Ihre Bedeutung für 
Halles Literaturleben dem Intelligenzblatt gegenüber bedarf 
hier keiner Hervorhebung. Auch waren die Beziehungen der 
Hallischen Zeitungen zur Universität nicht allein durch ihren 
Begründer Francke gleich eng wie bei dem Intelligenzblatt, 
gerade damals lag ja auch die Redaktion der Zeitung in den 
Händen eines Universitätsprofessors. 

Am 1. August 1729 erschien die erste Nummer der 
„Wöchentlichen Hallischen Frage- und Anzeigungs-Nach- 
richten", wie der Titel des Intelligenzblattes lautet. Die 
Hallischen Zeitungen nahmen von seiner Existenz zunächst gar 
keine Notiz. Auch Ludewig geht auf die Zeitung in Halle 
mit keinem Worte ein, wiewohl er in einem umständlichen Vor- 
wort^) von der Bedeutung der politischen Zeitungen und von 
deni Vorteil des Intelligenzblattes für die ehrsamen Bürger 
ausführlich spricht. Die Intelligenzzettel waren im wesent- 
lichen nichts anderes als ein Inseratenblatt. Die Zahl der 
Inserate war aber in den Hallischen Zeitungen auch vorher 
immer sehr gering gewesen, und nach dem Erscheinen des 
Intelligenzblattes hat sich dieser Zustand auch nicht verändert. 



1) Waldemar Kawerau, Culturbilder aus dem Zeitalter der Aufklärung. 
II. Band: Aus Halles Litteraturleben. Halle 1888. Seite 51 flf. 

2) J. P. von Ludewig, Unterricht von denen wöchentlicher Anzeigen . . . 
durch die so genannte Intelligenz-Zettel angeordnet etc. Halle 1729. 



— al- 
so daß von einer Konkurrenz auf diesem Gebiete eigentlich 
nicht die Eede sein kann. Es ist sogar noch nicht einmal 
sicher, ob die Hallischen Zeitungen nicht von dem sogenannten 
Intelligenzzwang befreit waren. Immerhin ist es denkbar, 
daß, dem maßgebenden Einfluß Ludewigs folgend, viele das 
Intelligenzblatt hielten und die Zeitungen fallen ließen, weil 
beide Blätter zusammen zu teuer waren; der Preis des 
Intelligenzblattes stellte sich im Vierteljahr bei 13 Nummern 
auf 13 Groschen. 

Aber doch auf einen Einfluß des Intelligenzblattes scheint 
man eine wichtige Veränderung im Kopf der Zeitungen zurück- 
führen zu müssen, der bis hierhin ohne bedeutungsvolle 
Änderung der gleiche geblieben war. Das Intelligenzblatt 
trug auf der ersten Seite ein Wappen mit dem preußischen, 
von der Krone geziertem Adler. Da die Hallischen Zeitungen 
privilegiert waren, so erschienen sie vom 1. Januar 1731 ab 
auch mit einem preußischen Adler im Wappen,^) das gleiche 
Zeichen nahmen auch die Kelationen an, diese hatten übrigens 
ihre Überschrift etwas verkürzt und hießen jetzt: „Hallische 
wöchentliche Relation der merckwürdigsten Sachen". 

Von Neuerungen in den Berichten der Zeitungen ist aus 
dem Jahre 1730 das erste Mal eine statistische Aufzählung^) zu 
nennen, die von den Geburten, Todesfällen, Trauungen in ganz 
Preußen aus den Jahren 1725 — 28 Kunde gibt. 

Die Nachrichten aus Berlin vom Königlichen Hause 
waren bisher schon immer sehr knapp gewesen. Eine deutliche 
Einwirkung der Zensur aber dürfte daraus zu erkennen sein, 
daß von den Zerwürfnissen in der Königlichen Familie, von 



1) Dieser Adler hatte große Ähnlichkeit mit dem des Intelligenz- 
blattes. Da die Wöchentlichen Anzeigen auch heute verhältnismäßig 
leichter zugänglich sind, ist hier von einer Abbildimg des Adlers der 
Hallischen Zeitungen abgesehen, zumal es sich überhaupt zunächst um 
einen vorübergehenden Schmuck handelt. 

2) 1730: Nr. 140. September 27. 



— 32 — 

der Flucht des Kronprinzen, von seiner Gefangenschaft, dem 
Tode Kattes usw. auch nicht ein Wort in den Zeitungen zu 
finden ist. Nur von dem Königlich Polnischen und Kurfürst- 
lich Sächsischen Kampeinent, von der ZusammenkuBtft der 
beiden Könige, Friedrich Wilhelm I. und August II., des 
Starken, wird aus Sachsen gemeldet. Interessant und für die 
x\üffa88ung von der Aufgabe der Zeitungen bezeichnend ist 
der Schluß der einen Mitteilung,^) die aber sächsischen 
Ursprungs ist : „Übrigens hält man es für überflüssig mehr zu 
melden, sondern überläßt den allhier in großer Zahl befind- 
lichen Fremden die Bemühung dem Publico davon Nachrichjt 
zu erteilen." Kurz ist auch nur der Bericht") über den sich an 
jene Reise anschließenden Aufenthalt Friedrich Wilhelms in 
Halle, über die Parade und die Feier der Universität. 

Wieder für das evangelische Halle von besonderem 
Interesse waren lange Berichte, die vielfach sehr ins Detail 
gingen, über den Durchzug der Salzburgischen Emigranten. 
Die vom Erzbischof Firmian von Salzburg vertriebenen 
Protestanten, es war dies jener letzte Akt der Gegen- 
reformation, folgten in Scharen der Einladung Friedrich 
Wilhelms I. zur Ansiedlung, hauptsächlich in Preußen. Auf 
ihrem Wege kamen solche Züge auch öfter durch Halle, und 
da hatte man willkommene Gelegenheit, auch auf Grund 
eigner Anschauung berichten zu können. Auch von der Ver- 
lobung des Kronprinzen Friedrich mit der Prinzessin Elisabeth 
Christine von Braunschweig, die am 10. März 1732 in Berlin 
stattfand, wird berichtet,^) aber es ist bezeichnend fib* die 
immerhin noch langsame Nachrichten-Übermittelung, daß 
dieses Ereignis erst in der Zeitung vom 18. März bekannt 
gemacht wird. Ich möchte den interessanten Umstand nicht 
für zufällig halten, daß Nachrichten über diese Verlobung in 
der Zeitung, soweit sie aus Wolfenbüttel kamen, ausführlicher 



») 1730: Xr. G5. Juni 6. 

«) 1730: Relation 33. August 26. 

«) 1732: Nr. 34. Mürz 18. Nr. 36. März 24. 



- 33 - 

waren als die direkten Berliner. Nachrichten aus dem Aus- 
lande waren eben häufig umfassender und besser unterrichtet 
als die einheimischen. Am Schluß des Jahres 1732 erwähnt^) 
die Zeitung auch das Intelligenzblatt: „Die von Königlicher 
Majestät in hiesiger Stadt befohlenen Anzeigen nehmen jetzt 
wieder ihren Anfang", und dann folgt eine ganz kurze Angabe 
des Inhalts des sogenannten wissenschaftlichen oder unter- 
haltenden Teils. 

Hinsichtlich des äußeren Kleides der Zeitung ist zu sagen, 
daß im Jahre 1733 Nummern mit und ohne Adler vorkommen, 
der Titel aber bleibt derselbe. Erst in etwas späterer Zeit 
taucht der Adler am Kopf in veränderter Form wieder auf. 
Aber eine andere wichtige Änderung, wieder eine Ver- 
mehrung des bereits Gebotenen, hatte die Redaktion im 
Laufe des Jahres 1734 ins Auge gefaßt, und dann auch am 
Ende des Jahres ausgeführt. Weil sie sich selbst ausführlieh 
an die Leser wendet und dabei ihre eignen Anschauungen über 
Wert und Bedeutung der Zeitung zum Ausdruck bringt, ist 
diese Äußerung^) schon ihrer Seltenheit wegen von besonderer 
Wichtigkeit : 

„Nachricht 

Für die Liebhaber derer Zeitungen, 

die allhier zu Halle ausgegeben werden. 

Bey Zeitungen kommt es hauptsächlich auf zwey Stücke 
an, so, wie der Zweck und das Verlangen derjenigen, die solche 
lesen, nicht von einerley Art ist. Viele lesen sie, nur ihre 
Neugierigkeit zu vergnügen, und es ist ihnen mehr darum zu 
thun, die besonderen Zufälle mit dem allerfrühesten daraus zu 
erfahren, als sich, vermittelst derselben, den Staat und 
Geschichte derer Eeiche in ihrem pragmatischen Zusammen- 
hange bekant zu machen. Ob nun wol die Zeitungen in dieser 
Absicht alleine nicht geschrieben werden ; so kan man sich doch 



1) 1732: Nr. 153. Dezember 30. 

2) Hallische Zeitungen 1734, Vorwort des kurzen Auszuges, Halle 1735. 

3 



— 34 — 

nicht entbrechen, dieser ihrem Verlangen, ßo viel es sich thun 
lassen will, zu willen zu seyn, zumal, da auch manchen daran 
gelegen ist, von ein- und andern Begebenheiten und Zufällen 
in Zeiten Kundschaft zu haben. Selbst ein noch ungewisses 
(ierüchte dienet oft manchem dazu, seine Sachen darnach 
besser einzurichten, und bedarf es hier keines weitläufigen 
Beweises, da unter andern die Kaufmannschaft, und das 
Steigen und Fallen der Actien, davon eine zulängliche Probe 
seyn kan. Zudem mögten auch diejenigen, die nur gerne etwas 
neues hören, beynahe den größesten Hauffen ausmachen, und 
es dahero bey manchen wol gar das Ansehen gewinnen, ein 
Zeitungs-Schreiber solle die meisten Stimmen gelten lassen, 
und nach derselben ihrem Verlangen seine Arbeit einrichten. 
Es hat aber gleichwol der andere, obwol vielleicht schwächere 
Theil von Zeitungs-Liebhabern, wo nicht mehr, doch ebenso viel 
Recht als die erstem, von einem Zeitungs-Schreiber zu fordern, 
daß derselbe auch seiner Absicht ein Genügen zu thun sich 
angelegen seyn lasse. Wir meynen diejenigen, so aus den 
Zeitungen die Geschichte ihrer Zeit, und die unterschiedliche 
Verfassung derer Keiche, nebst denen darinnen vorfallenden 
Veränderungen, auf obgedachte Weise nach und nach zu 
erlernen suchen. Ist die Anzahl derselben schon geringer, so 
hat doch auch ihr Zweck größeren Nutzen. Da man nun 
hiesigen Orts beyden Theilen, so viel als möglich, gerne Satis- 
faction geben wollen, so ist gleich anfangs bey Herausgebung 
der hiesigen Zeitungen die Einrichtung derselben also gemachet 
worden, daß, außer den drey gewöhnlichen Zeitungs-blättern, 
jedesmal zu Ende der Woche eine Relation der merckwürdigsten 
Sachen und Nachrichten, so in der Woche eingelaufen, aus- 
gegeben, und also das neueste, obwol jezuweilen auch noch 
ungewisse, denen Zeitungen, dasjenige aber, wovon man 
währender Zeit und bis auf den Sonnabend zulängliche Gewiß- 
heit erhalten, sonderlich aber wichtige und den Statum 
publicum betreffende, und in die Staats-Historie einschlagende 
Nachrichten, der Relation in der Absicht einverleibet worden, 



- 36 ~ 

damit diejenigen, so auf eine pragmatische Historie reflectiren, 
was zu ihrem Zweck dienet, desto leichter zusammen zu 
sammeln vermögten. Hieraus mag denn ein jeder leicht 
erkennen, daß diese Einrichtung sehr bequem, und beyderley 
Zeitungs-Liebhabern sehr vorträglich sey, indem solchergestalt 
sowol der Curiosität durch die drey erstem Zeitungs-Blätter, 
als auch denen Liebhabern der Historie durch die wöchentliche 
Relation, Satisfaction geschiehet. Und schöpfet man diesem- 
nach das gute Vertrauen, beyde Theile werden es der Billigkeit 
gemäß befinden, daß man, einen jeden zu vergnügen, nach 
JMöglichkeit bemühet sey: in welcher Zuversicht man denn 
auch künftig bey der einmal beliebten Einrichtung verbleiben, 
jedoch, weil man im menschlichen Leben die höchste Staffel 
der Vollkommenheit nicht zu erreichen vermag, solche aus der 
wahren und unintereßirten Begierde, dem Pvhlico zu dienen, 
noch nach Möglichkeit zu verbessern, bedacht seyn wird, ohne 
sich jedoch an solche Leute zu kehren, die, weil sie sich 
allzuklug und scharfsichtig zu seyn einbilden, und nur in ihre 
eigne Arbeit verliebt sind, bald dieses, bald jenes, an denen 
Zeitungen tadeln, aber gewiß auch ihren Unverstand vor 
Ohnparlheyischen damit sattsam an den Tag legen, wenn sie 
von denen Zeitungen eine solche ohnfehlbare Gewißheit und 
andere dergleichen Dinge fordern, die doch keinesweges in des 
Zeitungsschreibers Macht stehen, und den hingegen ver- 
nünftige Leute, die das, was relata refero heisset, verstehen, in 
solchen Fällen, wie billig, jederzeit entschuldiget halten. Man 
wird sich dahero auch nicht einmal die Mühe geben, auf der- 
gleichen unzeitige Critiquen etwas zu antworten, sondern 
selbige, wie man bisher gethan, also auch noch ferner mit 
Stillschweigen übergehen, und sich vergnügen, wenn man 
nur bey verständigen Leuten Approbation findet. Da 
übrigens die mit denen hiesigen Zeitungen ausgegebene 
wöchentliche Relationes bishero zwar besonders zusammen 
gedrucket, und zu Ende des Jahres mit einem Register versehen 
werden, also, daß diejenigen, die auf eine völlige Historie 

3* 



— 3(> — 

reflectiren, sich deren jederzeit mit gutem Nutzen bedienen 
können, und darinnen alles merkwürdige beysammen finden; 
80 wird man damit zwar auch ferner continuiren. Nachdem, 
aber gleichwol auch in die Zeitung manches merck- 
würdiges mit einfließet, und nicht allen und jeden 
Zeitungs-Liebhabern bequem fället, dasjenige, was das 
gantze Jahr hindurch merckwürdiges vorgefallen, aus so 
vielen Blättern zusammen zu suchen; denn auch hoffent- 
lich denen mehresten angenehm seyn mögte, wenn ihnen 
die merckwürdigsten Begebenheiten jedes Jahr in einem 
kurtzen und nervösen Auszuge vorgelegt werden: als hat man 
mit dergleichen Extract von dem nunmehro beschlossenen 
1734sten Jahre den Anfang machen wollen, dergleichen man 
denn auch künftig denen zusammen gedruckten wöchentlichen 
Relationen beyzusetzen gedencket, und nicht zweifelt, es werde 
diese Arbeit denen Liebhabern der hiesigen Zeitungen nicht 
unangenehm seyn, denen zu Liebe und zu Gefallen man sich 
auch ferner angelegen seyn lassen wird, alles dasjenige, was 
dieselben vergnügen mögte, nach Vermögen zu beobachten. 
Demnach folget dann hierbey 

Ein kurtzer und in historischem Zusammenhange 
Abgefasseter Auszug derer in abgewichenen 1734. Jahre 
vorgefallenen wichtigsten und merckwürdigen Begebenheiten." 

Interessant ist die Zweiteilung, die die Redaktion mit 
ihren Lesern vornimmt. Sie erkennt den doppelten Wert der 
Zeitungen an, wenn auch der Einfluß der schnellen 
Nachrichtenverbreitung auf das Steigen und Fallen der Preise 
im Handel noch nicht allzu groß gewesen sein wird, ihrer 
Bedeutung für die Geschichte aber legt sie doch einen größeren 
Wert bei. Die Redaktion steht also schon damals auf dem 
bemerkenswerten Standpunkt, daß die Zeitungen sehr wichtige 
historische Quellen sind, eine Ansicht,^) die auch die heutige 



1) Vgl. von Ranke, im ersten Band seiner Historisch - politischen 
Zeitschrift. 1832. 



— 37 — 

Geschichtswissenschaft noch im vollen Umfange vertritt. Wir 
sehen weiter, daß auch schon damals Nörgler und unberufene 
Kritiker getreue Begleiter der Zeitungen waren, über deren 
Tun man mit Stillschweigen zur Tagesordnung geht. In dem 
Auszug wird übrigens in 31 Paragraphen der wichtigsten 
Ereignisse im Jahre 1734 gedacht. Es sind kleinere oder 
größere Darstellungen im Zusammenhange über Deutschland 
und die einzelnen Keichsstände, über die anderen Staaten 
Europas und schließlich über die anderen Erdteile, eingeleitet 
durch eine Betrachtung über das europäische Gleichgewicht. 
Alle Abschnitte sind mit zahlreichen Anmerkungen versehen, 
die auf die Zeitungen oder Relationen hinweisen. 

Eeichlichen Stoff boten ja die im Jahre 1734 wieder- 
ausgebrochenen Feindseligkeiten zwischen Österreich und 
Frankreich, in denen diese beiden Staaten, jeder von Bundes- 
genossen unterstützt, die Erbfolge in Polen durch Waffen- 
gewalt zu regeln versuchten. Viel Interessantes brachte ja 
dieser Feldzug nicht, der Kaiserliche Führer, der Prinz Eugen, 
war alt geworden, daher war auch von großen Schlachten keine 
Rede. Das für Preußen hierbei Wichtigste war ja die Teil- 
nahme des Kronprinzen an dem Feldzuge, aber diese Tatsache 
ist wieder nicht erwähnt. Dagegen wird in besonderen 
Beilagen das Kaiserliche Kriegsmanifest abgedruckt und auch 
in mehreren Blättern wieder volles Interesse den Verhältnissen 
der Salzburger Emigranten zugewendet. Man weiß da sogar 
von dem Zuge größerer Abteilungen nach Amerika genauer 
zu berichten. Die neue Einrichtung, am Ende eines Jahres 
einen Auszug zu geben, hat sich nur drei Jahre hindurch 
gehalten, dann ist sie wieder verschwunden. 

Etwas sehr an den Verlag der Zeitung „Das Waisenhaus" 
erinnert eine redaktionelle Bemerkung^) in einer Relation 
aus dem Jahre 1737. Hier wird gelegentlich einer Nachricht 
aus Großbritannien, die davon spricht, daß in Paris zur 



1) 1737: Rel. 21. Mai 26. 



— 38 — 

Erhaltung eines Findlingshauaes der vierte Teil der Einkünfte 
von den Opern und Komödien genommen würde, unter dem 
Strich folgendes gesagt: „Und wenn alle vier Teile dazu 
angewendet würden, so wäre der Zweck noch leichter zu 
erhalten. Es muß einem ehrlichen Armenpfleger wohl sehr 
wunderlich düncken, daß er bei seinem löblichen Vorhaben 
mit den Komödianten vom Kaube leben und darauf hoffen soll, 
wieviel er von der Vanität der Menschen hoffen würde." 
Bis zum Jahre 1740 hat sich dann in der Zeitungs- 
einrichtung nichts verändert. Ich habe schon gelegentlich 
darauf hingewiesen, daß in den allzu spärlichen Nachrichten 
aus Berlin und über das Königliche Haus doch wohl ein 
Einfluß der Zensur zu bemerken ist; man wird in dieser 
Annahme bestärkt, wenn deutlich zu erkennen ist, daß mit 
dem Kegierungsantritt Friedrichs II. von Preußen hierin eine 
Änderung eintritt. Läßt sich die Hofhaltung des jungen 
Königs an Olanz und Pracht nicht mit der spartanischen 
Einfachheit am Hofe seines Vaters vergleichen, und war aus 
diesem Grunde vielleicht schon mehr Stoff zur Verfügung, so 
liegt doch z. B. dieselbe Veranlassung nicht vor, wenn wieder 
und wieder über die Beisen, Revuen und vor allem über die 
militärischen Beförderungen berichtet wird; denn auch 
Friedrich Wilhelm war viel auf Inspektionsreisen, und auch 
unter ihm kam ein beständiger Wechsel in den Offizierstellen 
vor. Es war ja natürlich für jeden Preußen von besonderem 
Interesse, zu erfahren, was der König tat und wo er sich 
befand, waren doch die Entschlüsse dieses Herrschers für ganz 
Europa von entscheidendem Einfluß. Aber ich möchte die 
größere Teilnahme der Zeitung am Tun des Königs und am 
Hofleben nicht nur diesen äußeren Umständen zuschreiben, 
mir scheint sie eine natürliche Folge des Verhältnisses 
Friedrichs zur damaligen Tagespresse zu sein. Eief der König 
doch selbst eine eigene französische Zeitung ins Leben, und 
stellte er sich doch selber ihr als Mitarbeiter zur Verfügung. 
Er gewährte den Zeitungen, wenn auch nicht gerade im 



— 39 — 

politischen Teil, größere Bewegungsfreiheit. Freilich erhob 
der Minister von Podewils Vorstellungen dagegen, Friedrich 
beschwichtigte sie aber mit seinem klassischen Ausspruch: 
„Gazetten, wenn' sie interessant sein sollen, dürfen nicht 
geniret werden." Daß den Worten des großen Friedrich 
auch die Tat folgte, ist bekannt, und in diesem Falle 
scheint mir auch die Lebhaftigkeit der Hallischen Zeitung eine 
Bestätigung zu sein. 

Die erste Nachricht^) vom Tode Friedrich Wilhelms I. 
steht auch erst wieder acht Tage nachher in der Zeitung. Am 
Ende des Juni folgen dann noch ausführlichere Berichte, 
besonders über das Leichenbegängnis des Königs. Schon im 
Herbst hatte die Zeitung Gelegenheit, ausführlicher allerdings 
in einer Relation,^) auf eine Handlung des jungen Königs 
einzugehen, wie man sie im Deutschen Reiche nicht gewöhnt 
war. Mit Staunen, aber auch mit Bewunderung erfüllte alle 
Welt die Art und Weise, wie Friedrich seine aus der 
oranischen Erbschaft stammenden Ansprüche auf Herstall an 
der Maas dem Bischof von Lüttich gegenüber durchsetzte. 
Die Angelegenheit wurde dann am 20. Oktober durch einen 
Vertrag erledigt, also an demselben Tage, an dem Karl VI. 
starb. Ob die Wichtigkeit dieses Ereignisses, dessen Kunde 
Deutschland schnell durchlief und bereits am 25. in Halle 
bekannt war, wirklich voll erkannt wurde? Der Redaktion 
mag wohl mehr bekannt gewesen sein, oder sie mag mehr 
geahnt haben, wenn sie auch ihre Ansichten natürlich nicht 
wiedergeben durfte. Doch diese Mitteilung,') sie wird aus 
Halle selbst gemeldet, spricht am Schluß davon, „daß die Tore 
Wiens geschlossen und keiner mehr herausgelassen worden." 
Auch spricht sie an einer anderen Stelle*) von der großen 
Unruhe, in die fast ganz Europa durch den Tod des Kaisers 



1) 1740: Nr. 66. Juni 8. 

«) 1740: Rel. 43. Oktober 22. 

») 1740: Nr. 137. Oktober 27. 

*) 1740: Rel. 44. Oktober 29. 



— 40 — 

versetzt wird. Im Dezember werden die Nachrichten über 
Truppenbewegungen namentlich in Frankreich immer zahl- 
reicher, auch Berichte aus Berlin über Revuen und Märsehe 
der Truppen werden abgedruckt, bis dann die Zeitung imstande 
ist, am 20. Dezember ihre T^ser über den Einmarsch der 
preußischen Truppen in Schlesien zu unterrichten. Je nachdem 
sie einliefen, folgen dann Mitteilungen über den Stand der 
Operationen in dem feindlichen Lande. 

Mit dem Beginn des Krieges nehmen auch Bekannt- 
machungen der Militärbehörde, die für die bürgerliche 
Bevölkerung von Wichtigkeit waren, in der Zeitung ihren 
Anfang. So bringt schon die zweite Nummer vom Jahre 1741 
König Friedrichs: Plakat wegen Verhütung der Desertion. 
Daß die Nachrichtenübermittelung jetzt gelegentlich eine 
schnellere war, ist ja bei dem persönlichen Interesse des ganzen 
Volkes an dem Ergehen des Heeres und des Königs leicht 
erklärlich, um so mehr, als die meisten wohl noch mit Bangen 
in die Zukunft schauten und größere kriegerische Zusammen- 
stöße mit dem österreichischen Heere, das doch an Eugen von 
Savoyen den ersten Lehrmeister Europas gehabt hatte, 
unmittelbar bevorstanden. So konnte die Zeitung die 
Nachrieht von der Erstürmung Glogaus schon nach 5 Tagen 
ihren Lesern mitteilen.^) Zur ersten Siegesnachricht^) von 
Mollwitz brauchte sie allerdings wieder eine volle Woche. Wie 
sorgfältig die Redaktion selbst die eingelaufenen Berichte 
prüfte, und daher in den Zeitungen nur wirklich Verbürgtes 
geben wollte, geht klar aus einer Mitteilung^) Ende April 1741 
hervor, wo sie sagt: „Es sind zwar verschiedene Berichte und 
Listen von der Schlacht und den gefallenen Offizieren 
eingelaufen, da sie aber widersprechend sind, so kann man sie 
vorläufig noch nicht beibringen, bis man dem Leser eine 
zuverlässige Eelation communiciren kann." Sehr interessant 



i) 1741: Nr. 32. März 14. 

2) 1741: Nr. 46. April 18. 

3) 1741: Nr. 47. April 20. 



— 41 — 

ist auch die scharfe Verurteilung, die die österreichischen 
Meldungen wegen falscher und absichtlich entstellter 
Darstellungen erfahren. So steht hinter einer Nachricht^) 
aus Wien, ebenfalls vom Ende April, folgendes in Klammern: 
„Die übrigen eckelhaften Prahlereyen, so in den ordentlichen 
Nachrichten aus Wien, von den großen Progressen der 
österreichischen Armee bisher vorgekommen, daß die Preußen 
nicht auf militairische Art retirirt etc., übergehen wir mit 
Fleiß, indem die Weiteranführung derselben dem Leser nur 
zur Last, und denen, die vor erhaltenem Siege so übereilend 
Viktoria rufen, zur desto größeren Prostitution gereichen 
würde, aber auch in den nächsfolgenden Briefen, wenn erst 
die Journee bey Brieg zu Wien bekannt wird, der hohe Thon 
um ein ziemliches fallen möchte." Neben den Berichten über 
die Fortschritte der preußischen Waffen fehlen natürlich auch 
die über die anderen, gegen Österreich zu Felde gezogenen, 
Mächte nicht. 

Daneben versäumt die Zeitung nicht, über anderes zu 
berichten, was auch, ohne der großen Politik anzugehören, 
interessierte Leser genug fand. So lesen wir in einer 
Relation^) aus dem Mai 1741 von den Festlichkeiten in 
Österreich aus Anlaß der Geburt des Thronfolgers, Josephs IL : 
„Ob wir gleich gar wohl begriffen haben, daß es einem 
verständigen Leser sehr abgeschmackt vorkommen müsse, 
wenn man ihn in den Zeitungen einmal über das andere 
mit umständlichen Beschreibungen von den gewöhnlichen 
Päpstischen Kirchen-Prozeßionen und anderen dergleichen 
Aufzügen abspeiset: so wird es uns doch hoffentlich einiger- 
maßen zu gute gehalten werden, wenn wir auch einmal der- 
gleichen von einer jenen nicht unähnlichen Jüdischen 
Cavalcade, als ein Gericht, das nicht alle Tage vorkommt 
(wenn es auch gleich sonst nicht sonderlich schmeckte) mit 



1) 1741: Nr. 48. April 24. 
«) 1741: Rel. 21. Mai 27. 



— 42 — 

auftischen. Es ist eine Belation von den Freuden-Bezeugungen 
der Juden in Prag bey Gelegenheit der Niederkunft und des 
Kirch-Ganges der Königin von Ungarn." Nun folgt eine ein- 
gehende Beschreibung besonders des Aufzuges. Die Erzählung 
schließt: „Sie haben übrigens alles in schönster Ordnung voll- 
bracht und nicht wenig Kosten angewendet. Abends hatten 
sie die ganze Judenstadt mit Fackeln, Lichtern, Lampen und 
schönen Sinnbildern illuminiret, dabey sonderlich das Rath- 
haus und der bis an den Knopf illuminirte Turm ein schönes 
Ansehen machte etc. Also hat das Volck bey der Gelegenheit 
dem Herrn seinem Gott gedancket. Es sieht doch wol meist 
ebenso andächtig, als bey einigen Arten der Christen. Man 
betet und gauckelt in einem Othem." Diese spöttische 
Beurteilung der Juden entsprach ja der damaligen Zeit und 
kann nicht befremden, dagegen ist die Verurteilung 
katholischer Prozessionen im Anfang und besonders auch am 
Schluß sehr bezeichnend. 

Als eine immer wiederkehrende Anzeige unter den 
Inseraten finden sich Lotterieankündiguugen, bei denen auch 
meist mit dem Preise der Lose und der Höhe der Gewinne 
angegeben wird, wo die Lose zu kaufen sind. 

Das zweite Kriegsjahr brachte dann auch in regelmäßigen 
Mitteilungen den Verlauf des Feldzuges. Der Sieg bei 
Czaslau wird aber auch erst eine Woche nachher gemeldet,^) 
und eine der späteren Nummern^) der Zeitung ist ganz aus- 
schließlich der Schilderung dieses entscheidenden Sieges 
gewidmet, bei der auch eine Schlachtordnung nicht fehlte. Der 
Bericht*) über den Friedensschluß endigt mit einem fett- 
gedruckten „ Vivat der König !", was wohl als ein Ausfluß der 
patriotisch gehobenen Stimmung der Redaktion angesehen 
werden darf. Dem beaufsichtigenden Metteur der Zeitung 



^^^^^^BiAa 



1) 1742: Nr. 59. Mai 24. 
8) 1742: Nr. 62. Mai 31. 
s) 1742: Nr." 75. Juli 3. 



— 43 — 

kann man angestrengte Aufmerksamkeit bei der Drucklegung 
nicht gerade immer nachsagen, so kommt es z. B. in diesem 
Jahre öfter vor, daß die Aufeinanderfolge der Zeitungs- 
nummern eine falsche ist und in der durch das ganze Jahr fort- 
laufenden Zählung der Seitenzahlen gleichfalls Fehler vor- 
kommen. So sind die Zeitungsnummern 56, 57 und 65 doppelt 
gezählt und die Zählung der Seitenzahlen geht ieinigemal 
sprungweise vor. Selbstverständlich kommt dann am Ende des 
Jahres der Fehler in der Zählung bei dem Vergleich zu anderen 
Jahrgängen zum Vorschein. Die Leser mögen damals einen 
derartigen Irrtum nicht so übel genommen haben, vielleicht 
sich überhaupt nicht darüber beschwert haben, denn es findet 
sich keinerlei entschuldigende Erklärung in den Zeitungen, 
während sonst häufig auch leicht richtigzustellende Druck- 
fehler angezeigt werden. In diesem Jahre erscheint das erste 
Mal eine Anzeige mit der Überschrift Avertissement/) ein 
Ausdruck, der sich im Zeitungsdeutsch sehr lange gehalten hat. 
Auch die bereits früher erwähnten Hinweise auf die wissen- 
schaftlichen Abhandlungen in dem Intelligenzblatt wieder- 
holen sich. Die Relationen richten für die früher zerstreut 
gedruckten Anzeigen von Geburten oder Todesfällen in den 
fürstlichen und anderen hochgestellten Kreisen eine eigne 
Rubrik unter dem Namen Genealogica ein. 



Das Jahr 1742 ist für die Beurteilung der Arbeit in 
der Redaktion und der Beschaffung des Nachrichtenmaterials 
von besonderer Bedeutung. In den Zeitungen findet sich 
zwar nichts darüber, aber der Zufall hat uns ein kleines 
Blatt erhalten, das einmal für das deutsche Zeitungswesen 
überhaupt, von Interesse ist, weil es die auch in der Einleitung 
berührte Beschaffung der Nachrichten illustriert, dann aber 
ganz besonders zeigt, wie eng das Verhältnis der Zeitung zu 



1) 1742^ Nr. 101. September 3. 



— 44 — 

den Anstalten des Waisenhauses gewesen sein muß. Das Blatt^) 
besteht aus 4 Oktavseiten, von denen die Vorder- und die 
Rückseite mit der gleichen Mitteilung bedruckt ist. Sie trägt 
die Überschrift : 

Avertissement. 

Es werden diejenigen, deren Kinder und Anverwandte 
sich im Paedagogio Regio alhie befinden, der Gebühr nach 
dienst- und freundlich ersuchet: wenn an ihren Orten und 
deren Nachbarschaft etwas merckwürdiges vorfällt oder dahin 
glaubwürdig referiret worden, es sey von was für Beschaffen- 
heit es wolle, den hiesigen Schulanstalten die Gefälligkeit zu 
erzeigen und solches, da Sie an ihre Kinder und Anverwandte 
schreiben, auf einem besonderen Zettel mitbeyzulegen ; damit 
es den bey dem Waysenhause verlegten Zeitungen mit- 
einverleibet werden könne. Es gereichet solches nicht nur 
zum gemeinen, sondern auch zu ihrer eignen Kinder und 
Anverwandten Besten: als welche diese gedruckte Zeitungen 
auch zu lesen bekommen. Doch bittet man, daß nichts anders 
berichtet werde, als wovon man zuverlässige Gewißheit hat. 
Dagegen aber auch ein ieder versichert seyn kann, daß man bey 
der Publica tion solcher communicirter Nachrichten alle 
nöthige Behutsamkeit brauchen: auch auf Erfordern so wenig 
die Person, die es communiciret ; als den Ort, von welchem es 
gemeldet worden, bekant machen werde. Wie man denn auch 
solche gütige Willfahrung bey aller Gelegenheit gegen einem 
ieden der Gebühr nach zu erwiedern geflissen seyn wird. 

Halle, den 4. Aug. 1742. 

Dieses Kundschreiben ist außerordentlich interessant. 
Es wird sich hier wesentlich um solche Nachrichten handeln, 
die man heute mit „aus der Provinz" und „Vermischtes" 
bezeichnet. Die Bitte an die Angehörigen der Besucher des 
Pädagogiums hatte ja eine sehr praktische Seitie, man konnte 
so Nachrichten bekommen, ohne dafür besondere Unkosten zu 



1; Aus dem Archiv der Franckeschen Stiftungen (ohne Signatur). 



— 45 — 

haben. Die bestimmte Versicherung, den Gewährsmann für 
irgendeine Nachricht nicht zu nennen, war ja schon deswegen 
notwendig, um eventuelle Weiterungen zu vermeiden. Die 
Bemerkung, daß die Übermittelung solcher Nachrichten auch 
zum Besten der Besucher des Pädagogiums diene, ist doch wohl 
etwas sehr absichtlich ; aber für das Leben im Pädagogium ist 
es nicht unwichtig, daß dort die Hallischen Zeitungen auslagen. 



Der Fortgang des österreichischen Erbfolgekrieges wurde 
genau verfolgt, lebhafter wurden die Berichte wieder, als 
Friedrich II. zum Schutze Schlesiens zum zweiten Male zu den 
Waffen griff. Er hatte zur Genüge erklären lassen, daß er sich 
lediglich als Reichsfürst zum Schutze des bedrängten Kaisers, 
Karls VII., gezwungen sah, wieder in den Kampf einzutreten. 
Den Zeitungen mochte die Beobachtung dieses Standpunkts 
vorgeschrieben sein, denn auch die Hallischen Zeitungen 
sprechen immer nur von der preußischen Hilfsarmee des 
Kaisers. Den wichtigen, zum Teil heldenhaften Leistungen 
des preußischen Heeres, wie z. B. bei Hohenfriedeberg, wurden 
ausführliche Berichte gewidmet; die Schilderung der 
Schlachten durch Abdruck von Briefen an diesem oder jenem 
Kampfe selbst Beteiligter lebendig gestaltet, auch fehlte selten 
die Wiedergabe der Schlachtordnungen. Listen von Gefallenen, 
Verwundeten und Gefangenen wurden gleichfalls verwendet. 
Die vielfachen Schlachtenberichte hatten natürlich bewirkt, 
daß gelegentlich sonstige Mitteilungen zurückgestellt werden 
mußten; so bringt eine Relation aus dem Dezember 1744 eine 
ganze Reihe genealogischer Notizen, die schon weiter zurück- 
lagen. Am Schluß der letzten Relation dieses Jahres befindet 
sich auch folgende Bemerkung, die eine Abstellung derartiger 
Verspätungen in Aussicht stellte: „Künftighin wird man 
jedesmal nur die aller notablesten Genealogica gleich in die 
Gazetten selbst mit inseriren; die specialora aber denen, welche 
cxpress Metier davon machen, überlassen." Die letzten Worte 



— 46 - 

mengen wohl auf das Intelligenzblatt abzielen, das ja derartige 
Mitteilungen abdruckte, oder auch auf andere kalenderartige 
Unternehmungen. In den Relationen treten allmählich immer 
andere Gruppierungen mit neuen Überschriften hervor: 
Becentissima, Vermischte Neuheiten, Rückständige vermischte 
Neuheiten, und bald auch noch andere. In dieser Zeit kommt 
es auch in Aufnahme, über die Feiern zu Königs Geburtstag zu 
berichten. In den Hallischen Zeitungen finden sich fast regel- 
mäßig die entsprechenden Mitteilungen aus Berlin und aus 
Halle selbst. 



Die Zahl der Zeitungsnummern und der Relationen war 
bisher im großen und ganzen die gleiche geblieben. Selten 
waren Zeitungsnummern herausgekommen, die einmal mehr 
als 4 Seiten enthielten. War der Stoff zu umfangreich, so hatte 
man einfach zu einer Sonderausgabe gegriffen. Da trat im 
Jahre 1748 eine wesentliche Veränderung ein. Die Relationen, 
die seit fast 40 Jahren als sogenanntes viertes Stück die 
Zeitungen wie eine Art Wochenbeilage begleitet hatten, fielen 
in der Mitte dieses Jahres fort. Dafür trat aber in derselben 
Zeit an die Stelle dieser Relation eine neue Zeitungs- 
nummer, so daß vom Juni 1748 die Zeitung w ö c h e n t - 
lichin4 Nummern erscheint, und zwar Montags, Diens- 
tags, Donnerstags, Sonnabends. Die letzte Relation^) erschien 
am 8. Juni, die erste, wirkliche vierte Zeitungsnummer^) am 
Sonnabend, den 15. Juni. Von dieser Veränderung gibt den 
Lesern ein Avertissement Kunde, das am Schluß dieser 
Sonnabendnummer steht: „Es ist beliebt worden, anstatt der 
Zeitungs-ÄeZa^ion^ welche bishierher jedesmal Sonnabends 
ausgegeben und worinnen die in den vorhergehenden Blättern 
befindlichen Nachrichten in einem Zusammenhang wiederholet 
worden, ein besonderes 4. Wochenstück auszufertigen: 



1) 1748: Rel. 23. Juni 8. 
«) 1748: Nr. 71. Juni 15. 



- 47 — 

Darinnen die neuesten Begebenheiten ebenso wie in den drei 
anderen Stücken kurz und mit Weglassung solcher Umstände, 
damit dem Publico nicht eigentlich gedienet ist, vorgetragen, 
daneben publique Staatsschriften ingleichen Befehle und 
Anordnungen entweder ganz oder Extraetswei&e eingeschaltet, 
zudem sämmtliche zur Genealogie und einige zur Litteratur 
gehörige Nachrichten absonderlich eingefügt werden sollen. 

Solche Nachrichten werden dann unter gemeinsame 
Überschriften gebracht : Oenealogica, Litteraria und zwar wird 
dann hierfür, wie es bei den Relationen immer der Fall war, 
die Teilung der Seite in zwei Spalten fallen gelassen. Unter 
der Litteraria werden auch jetzt zum ersten Male die Preis- 
aufgaben der Königlichen Akademie der Künste und 
Wissenschaften in Berlin abgedruckt. Die Mitteilungen von 
der Universität beschränken sich nicht nur auf Halle, sie 
bringen auch Nachrichten von auswärtigen Hochschulen. 
Kleinere Veränderungen im Äußeren der Zeitung zeigen sich 
im Kopf. Die frühere Zählung der Nummern mit römischen 
Ziffern, die doch recht schwerfällig sind, wird jetzt durch 
arabische ersetzt, auch zeigt sich der Name der Zeitung 
gelegentlich mit Laubwerk umrahmt. Durch die Neu- 
einführung der Sonnabendnummer erhöhte sich die Zahl der 
Zeitungen für dieses Jahr auf 184 Nummern. 

Das folgende Jahr 1749 ist für die Zeitung deswegen von 
besonderer Bedeutung, weil die mancherlei eingetretenen Ver- 
änderungen des Vorjahres zuerst ganz durchgeführt wurden, 
wir auch einigemal Meinungen der Eedaktion über ihre 
Absichten gedruckt finden, und schließlich die Zeitung mit der 
ersten Nummer des neuen Jahres sich wieder in einem neuen 
Titelkleide zeigt, das sie dann nicht mehr abgelegt hat, so 
lange sie in dieser Form noch weiter erschien. Wie die 
Abbildung^) zeigt, krönt das Titelblatt von jetzt ab wieder ein 
großer Adler mit weitgespannten Flügeln, allerdings ohne 



1) Vgl. die zweite Beilage. 



— 48 — 

Wappen. In seinen Fängen trägt er an einer Stange ein 
Fahnentucli, auf dem der alte Titel steht : Hallische Zeitungen, 
darunter: Mit Königlicher Freyheit. 

Die Wiedergabe des früheren „Privilegirte" durch die 
Worte „mit Königlicher Freiheit" ist nicht uninteressant, man 
könnte auf den Gedanken kommen, es sei dies ein Zeichen des 
Strebens der Redaktion nach Verdeutschung der Fremdwörter, 
Gedanken, die der damaligen Zeit gar nicht so sehr fremd 
waren. Eine Stütze für diese Annahme könnte man darin 
sehen, daß in späteren Nummern dieses Jahrganges auch die 
früher üblichen lateinischen tTberschriften durch deutsche 
ersetzt werden, an Stelle der Genealogica usw. treten: 
Genealogische Nachrichten, Gelehrte Nachrichten usw. 

Aus der ersten Nummer des Jahres 1749 verdient noch 
folgende Zuschrift der Redaktion an die Leser erwähnt zu 
werden: sie steht am Ende der Zeitung nur mit der Über- 
schrift: Halle. 

„Gleichwie wir allen denen, die unsere Bemühungen in 
Sammlung und Mittheilung der öffentlichen merckwürdigsten 
Weltgeschichte und zur Historie der Gelehrsamkeit gehörigen 
Begebenheiten, theils mittelst Einsendung geschriebener und 
gedruckter Nachrichten geneigt befördert, theils einer 
günstigen Aufnahme gewürdigt haben, unter Anwünschung 
der unschätzbaren Gnade des drejeinigen Gottes zu dem 
gestern eingetretenen neuen Jahre verbindlichen Dank hiermit 
öffentlich darlegen: Also haben wir ihnen zugleich nicht ver- 
halten wollen, daß wir unter göttlichem Beystande künftig 
fortfahren werden, diejenigen Nachrichten sorgfältig zu 
sammeln, und, mit Übergebung aller Weitläuftigkeit, treulieh 
bekannt zu machen, die wir der Aufmerksamkeit der Leser 
würdig achten. Was die zur Gelehrten Geschichte dienende 
Neuigkeiten anbetrifft, so wollen wir uns dahin befleissigen, 
daß wir nebst kurzer Recensirung derer an uns einlauffenden 
und anderer Bücher und Schrifften, vornehmlich die, auf 
teutschen sowol als auswärtigen Akademien vorgehende Ver- 



— 49 — 

ändeningen mit den öffentlichen Lehrern, ingleichen die neu 
herauskommende akademische Abhandlungen und andere 
gelehrte Nachrichten, von Zeit zu Zeit anzeigen; immassen 
wir versichert sind, daß vielen von unseren Lesern eine 
Gefälligkeit hierunter geschehe; zu welchem Ende wir was 
denn nicht nur von unseren bisherigen Förderern, sondern 
auch von andern, denen gegenwärtiges zu banden kommen 
möchte, geneigten Vorschub zu diesem gemeinnützigen 
Absehen, geziemend erbitten. Und weil uns verschiedene, die 
diese Blätter mit halten, zu erkennen gegeben haben, daß da 
sie selbige beyzulegen gewohnet wären, sie gerne sehen würden, 
wenn sie mittelst Titulblattes, kurzer Wiederholung und 
Registers, nach Verlauff des Jahres brauchbarer gemacht 
würden, so wollen wir zu seiner Zeit darauf bedacht seyn, daß 
ihnen mit Erfüllung ihres Verlangens gewillfahret werden 
möge. 

Ob die Redaktion die in den letzten Worten in Aussicht 
gestellte „kurze Wiederholung mit Register" am Schluß des 
Jahres, wie es auch schon früher üblich war, herausgegeben 
hat, läßt sich nicht feststellen; es ist keine solche Wieder- 
holung erhalten geblieben, es wird auch keinmal auf sie später 
zurückgegriffen, so daß es bei der bloßen Absicht geblieben 
sein kann. Von besonderem Interesse aber ist die Mitteilung 
in der Mitte des Anschreibens, die sich auf die Rezensierung 
neuer Bücher und Schriften bezieht. Diese mit dem neuen 
Jahrgang eingeführte Neuerung hat sich dann immer gehalten, 
ich werde hier einige Proben derRezensionen geben. 
Gelegentlich der Besprechung^) der Einladungsschrift und 
der Festrede des Dr. E. M. Ohladenius zur Feier des 
hundertjährigen Gedenktages des Westphälischen Friedens 
(1748. X. 24.) auf der Universität Wittenberg lesen wir: 
„Wir finden in beyden Schrifften eben die Gelehrsamkeit, die 
der Herr Professor schon in mehreren und anderen 



1) 1749: Nr. 2. Januar 4. 



- - oO — 

sattsam bewiesen hat, und halten davor, daß, wenn es bey 
den vorliegenden Schrifften wiederum auf einen Preiß 
angekommen wäre, ihm die Stimmen wohl abermahl zugefallen 
seyn würden. Nur dieses einzige erinnern wir, daß wir in dem 
(lebrauehe des \Vort(*s Superi von dem Herrn Professor 
dissentiren." Und in der folgenden Nummer:*) „Johann 
l'Viedrieh Schreibers vernünftige und bescheydene Gegen- 
antwort auf die Antwort etc , darinnen er ihm seine 

gemachten Zweiffei von Weidenrosen und versteinerten 
Gryphiten auflösen wollen etc. Wir gedachten darinnen ein 
zur Naturwissenschaft gehöriges Stück abgehandelt zu sehen; 
allein wir haben eine Zänkerey gefunden. Vielleicht bereut 
es noch Herr Pastor Schreiber, daß er die theuere Zeit, die ja 
wohl iedermann auszukauffen Ursache hat, nicht zu etwas 
nöthigern und nützlichem, nach Erheischung seines wichtigen 
Beruffes, angewendet; und vielleicht lernet sich noch sein 
Gegner solcher lieblosen und ärgerlichen Anmerkungen, womit 
er das Papier besudelt, und das eigne Gewissen mehr, als des 
Herrn Pastor Schreibers Nahmen, beflecket hat, schämen." 
Man sieht, wie deutlich der rezensierende Redakteur der 
Hallischen Zeitungen werden konnte. 

In einer der nächsten Nummern") macht die Redaktion 
folgende Bemerkung: „Da die jährlichen Nachrichten von der 
Geburt und dem Absterben der Menschen, zumahl an grossen 
Orten, gar verschiedentlichen Nutzen haben, immassen wir 
uns dießfalls nur auf des Herrn Canzlers von Ludewig 
Unterricht von den wöchentlichen Anzeigen, allhier berufen 
wollen, so sollte uns billig in den öffentlichen Blättern mehrere 
und vollständigere Anzeige hiervon gemachet werden. Wir 
theilen indessen nur so viel mit, als uns davon zu banden 
geliefert wird.*^ Von den Gelehrten Nachrichten ist besonders 



1) 1749: Nr. 3. Januar 6. 
«) 1749: Nr. 6. Januar 9. 



— 51 — 

die über Klopstocks Messias hervorzuheben.^) Wir 
lesen dort: „Unsere und gegenwärtiger Blätter eigentliche 
Absicht erlaubet nicht, das Eingeweide dieses Gedichtes 
gleichsam umzuwenden, und davon einen ausführlichen 
Bericht abzustatten. Wir haben nur seine Gestalt, wie im 
Vorbey gehen und von aussen, angesehen. Es wird uns aber 
iedermann Beyfall geben, daß der Herr Verfasser keinen 
edlern Vorwurf wehlen, und seinen poetischen Geist mit 
nichts höhern beschäftigen können, als das große Werck der 
Erlösung menschlichen Geschlechts zu besingen; besonders in 
unsern Tagen, da sich viele, o schändlicher Undanck! eine 
Ehre daraus machen, Zunge und Feder aufs giftigste, und, 
wie sie dencken, aufs witzigste, wieder Jesum zu schärfen, oder 
ihren Dichterwitz aufs eitele, unnütze und sündliche mit 
Fleiß zu verschwenden." Gegen den Vorwurf eines Professors 
Meyer, der „daneben mit einem angebrachten ziemlichen 
Verweisse, allen verdencket, die teutsche Zeitungen und 
Journale ausgeben, daß sich in ihren Blättern ein durch- 
gängiges Stillschweigen davon finden Hesse", verteidigt sich die 
Redaktion mit den Worten: „Ob hiernächst der Mangel an 
gutem Geschmacke, welchen der Herr Professor den Teutschen 
anbey zweiffelhaftig macht, den größeren Eclat dieses Gedichts 
verhindere, überlassen wir andern zu beurtheilen. Das 
Sprichwort de gustibus non est disputandum möchte wohl 
auch bei den poetischen Delikatessen wahr bleiben." — 

Auf die Wahrheit der von den auswärtigen Korre- 
spondenten mitgeteilten Nachrichten mußte sich die Eedaktion 
verlassen, da ihr ja eine Kontrolle nicht zur Verfügung stand 
und die Berichterstatter selbst mit Absicht falsch unterrichtet 
werden konnten; deshalb mußten gelegentlich auch Eichtig- 
stellungen") gebracht werden, wie z. B. : „Die im 75sten Stücke 
dieser Zeitungen unter dem Articul von Eegenspurg 



1) 1749: Nr. 75. Mai 13. 
«) 1749: Nr. 86. Juni 3. 



4* 



— 52 — 

befindliche Nachricht .... hat keinen redlichen Keferenten 
zum Urheb(»r gehabt, und es wird ihr von besagtem Minister 
in allen Stücken wiedersproehen. Die Wahrheit und der 
Credit, welchen öffentliche Zeitungen von aufrichtiger Anzeige 
des wahren und falschen haben müssen, erfordern dieses 
zu melden." 

Auch den Meinungsäußerungen der Leser^) stand die 
Zeitung schon zur Verfügung, so findet man folgendes 
„Eingesandt": „Folgender Aufsatz ist uns von einem aus- 
wärtigen Orte zugesendet worden, mit dem freundlichen 
Ersuchen, im Namen des hohen Verfassers, selbigen unsern 
Blättern einzuverleiben: Man hat mit rechter Bestürzung 
gelesen, wie in gewissen Zeitungen über die bisherige Plage 
der Heuschrecken gespottet worden. Es muß allen ver- 
nünftigen Lesern zum höchsten mißfallen, wenn ein Zeitungs- 
verfasser an statt neuer und merckwürdiger Begebenheiten 
seinen Lesern etwas lustiges vormachen, und mehr einen 
Schwätzer und Zeitvertreiber, als einen aufrichtigen Geschicht- 
schreiber abgeben will. Vernünftige Leser solcher Blätter 
begehren weiter nichts zu wissen, als was an diesem oder jenem 
Orte in der Welt vorgehet, oder vorgehen soll. Was weiter 
daraus folgen könne, oder werde, können sie schon selbst, ohne 
Anweisung solcher Geschichtsammler, prüfen und beurtheilen. 
Es ist demnach sehr abgeschmackt, Leute, die nach etwas 
neuen fragen, mit Tendeleyen und unnützen Possen, so den 
Pöbel divertiren, abzuspeisen .... Man wird sich indessen 
für dem Gifte solcher Blätter hüten, und man heget zu allen 
denen, welche der Sache vernünftig nachdencken und sie 
christlich überlegen wollen, die Hoffnung, daß sie solches auch 
ihres Orts für nöthig erachten werden." 

Den Fortschritten der Naturgeschichte und physikalischen 
Beobachtungen trug die Zeitung je nach dem vorliegenden 
Material gern Rechnung, wie sie z. B. einen ausführlicheren 



1) 1749: Nr. 98. Juni 24. 



- 53 - 

Bericht über die Beobachtungen eines Mitgliedes der Berliner 
Akademie über Eegenmessungen mit dem Hyetometer bringt 
und auch eine Tabelle vom letzten Monat mit abdruckt.^) Auch 
sonst wird über merkwürdige Naturerscheinungen berichtet, 
bei längeren Ausführungen ev. in einem Beiblatt. So steht 
am Schluß der ersten Julinummer:*) „Damit das billige Ver- 
langen des Publici nach denen uns zu Händen gekommenen 
ausführlichen Berichten von dem am 21. Juni zu Breßlau 
vorgefallenen Unglücke, zeitig gestillet, uns aber, durch deren 
Einrückung in unsere Blätter, der Eaum zu Beibringung 
anderer anmerckungswürdiger Neuigkeiten nicht entzogen 
werden möge; so haben wir sothane Berichte in einer Beylage 
svh A. hierbey mittheilen wollen." Die Überschrift ist sehr 
einfach: Beylage zu N. 102. 

Auch mit Begründung ihrer Ansichten und dem Nach- 
weis wirklicher, wissenschaftlicher Kenntnisse diente die 
Redaktion auf Verlangen ihren Lesern, wie eine Julinummer 
desselben Jahres zeigt,^) die dadurch auf das doppelte ihres 
gewöhnlichen Umfangs anwuchs: „Es haben uns einige 
Gönner und Freunde, denen wir Hochachtung und Liebe 
schuldig sind, veranlasset, theils öffentlich anzuzeigen, aus 
was für Quellen wir die in unseren Zeitungen suh Nr. Y5 unter 
den Gelehrten Nachrichten berührte auf der ersten allgemeinen 
Kirchen Versammlung zu Nicäa vorgefallene Begebenheit 
geschöpfet? theils unsere Erklärung hinzuzufügen, ob wir nicht 
diese Geschichte für eine Fabel halten müssen, weil Eusebius 
ihrer nicht gedacht habe? Wir thun solches zwar nicht ohne 
Befremdung, weil wir die Geschichte für eine der bekanntesten 
halten, die einer, der die Kirchenhistorie studiert hat, wohl 
wissen muß; jedoch auch mit desto größerer Freude, weil wir 
an der Geschichte selbst ein wahres Vergnügen gefunden 



1) 1749: Nr. 100. Juni 28. 
«) 1749: Nr. 102. Juli 1. 
») 1749: Nr. 108. Juli 12. 



— 64 — 

liabi*!!. Wir v(»rwoist»n also unsere Gönner und Freunde 
auf .... (folgte eine Anzahl besprochener Quellen). 
Sollten wir also Schlüssen : Eusebius, der auf dem Concilio zu 
Xieäa gegc»n\värtig gewesen ist, gedeneket in seiner historia 
**cchsia8iica di<»s<»r (lesehiehte nicht, ergo ist es eine Fabel; so 
niJk'hte man uns wohl fürwerffen, wir könnten weder dencken 
noch Schlüssen. Wir wissen ja, daß die ansehnlichsten 
(ielehrten darüber sehr gestritten, ob Eusebius seine Kirchen- 
geschichte vor oder nach dem Concilio Nicasno verfertigt habe, 
und daß diese Sache noch sehr zweiffelhaft sev. Äcriter inter 
.ST viri docti rontendunt, sagt der berühmte Buddeus. Ist sie 
nun vor b<»sagtem C^oncilio zustande gekommen, wie kann man 
denn die Geschichte darinnen finden, oder daraus zur Fabel 
machen? Solte er sie aber nachher absolviret haben, so sage 
man uns: ists auch sicher gcnung vom Still eschweigeu eines 
Schriftstellers schlechterdings auf die Unrichtigkeit einer 
lieg(*benheit zu Schlüssen? Wir überlassen übrigens unsern 
Lesern die 1^'reyhcit, hiervon zu urtheilen, was sie wollen. 
Wir schämc^n uns nicht, in Sachen, davon wir überzeuget sind, 
Wiederspruch zu dulden; wir schämen uns aber andern, um 
Rechtfertigung unserer Meinung willen, unhöflich zu 
wiedersprechen." 

Man sieht, der damalige Redakteur ist mit der 
historischen Methode, den Grundlehren der historischen Kritik 
wohl vertraut, derartige Ausführungen mußten den Wert der 
Zeitung außerordentlich heben, und ihre Rubrik Gelehrte 
Nachrichten mochte in wussenschaf tlichen Kreisen 
besondere Anerkennung finden. Diese Ansicht ward 
dadurch gestützt, daß auch Leser der Zeitungen in Zuschriften 
ihre Ansichten weiter zu verbreiten wünschten. So wird ein 
„Schreiben an den V. d. Z." (Verfasser der Zeitungen) 
abgedruckt,^) in dem ein Leser über die Bedeutung des von der 
päpstlichen Kanzlei gebrauchten Titels fidelissimus rex spricht. 

1) 1749: Nr. 124. August 9. 



— 55 — 

Daneben wird natürlich die Bedeutung der Zeitung fürs 
praktische Leben nicht vergessen. Der Verkauf land- 
wirtschaftlicher und industrieller Produkte wird angezeigt, 
der Verbreitung der aufkommenden Seidenfabrikation dient 
eine umständliche Tabelle der Erträge einer Maulbeerbaum- 
plantage in einem Zeitraum von 30 Jahren. Zu Gunsten des 
unterhaltenden Teils finden sich schon, allerdings noch 
sehr vereinzelt, poetische Erzeugnisse abgedruckt. Zu den 
schon vorhandenen besonderen Abteilungen der Zeitung sind 
im Laufe dieses Jahres noch einige neue hinzugekommen, 
so daß man nun findet: Genealogische Nachrichten, 
Gelehrte Nachrichten, Kunstgeschichte, Naturgeschichte, Neue 
Schriften und Neue Landesverordnungen. Unter dieser Rubrik 
finden sich hauptsächlich Gesetze und Bestimmungen deutscher 
und ausländischer Staaten. Da der Jahrgang 1749 der erste 
ist, in dem die Zeitung gleich vom Beginn an wöchentlich 
viermal erscheint, so beträgt die Anzahl der Zeitungsnummern 
im ganzen Jahre von jetzt ab 205, mit ganz geringen Aus- 
nahmen, die durch das Zusammenfallen der Zeitungsausgabe- 
tage mit Feiertagen zu erklären sind. Die größeren Ver- 
änderungen und Erweiterungen der Zeitung von der Mitte des 
Jahres 1748 ab und besonders im Jahre 1749 lassen leicht auf 
eine Veränderung in der Leitung der Zeitung schließen. Wir 
werden am Ende dieses Abschnittes sehen, daß tatsächlich 1748 
ein Wechsel in der Redaktion eingetreten war. 

Die Ruhe der folgenden Jahre brachte der Zeitung eine 
gleichmäßige Weiterentwickelung. Sie berichtete getreulich 
über alles, was ihr der Mitteilung wert erschien. Die 
Augusteischen Jahre des großen Königs gaben ihr wiederholt 
Gelegenheit, über die glänzenden Hoffeste in Berlin zu 
berichten, namentlich wenn auswärtige Fürstlichkeiten zum 
Besuche da waren, wie z. B. im Frühling 1750 die Bayreuther. 
Freilich von dem inneren Leben in Potsdam wurde wenigstens 
durch die Zeitungen nicht viel bekannt und über Differenzen 
in den hohen Kreisen durfte einfach nicht geschrieben werden. 



- 1)6 - 

Die fa8t dreijährige Anwesenheit Voltaires in Potsdam und. 
Berlin ist nur sehr dürftig erwähnt.*) Er war am 10. Juli in 
Potsdam angekommen und zehn Tage später spricht die 
Zeitung bei Nachrichten aus Berlin davon: „Den lOten dieses 
ist der Königlich französische Cammerjuncker und Geschichts- 
schreiber, Herr von Voltaire, aus Paris bei Sr. Majestät dem 
Könige zu Potsdam angelanget." Von den durch Voltaires 
Charakter herbeigeführten Streitigkeiten in der Akademie, 
von seinem Zwist mit Maupertuis und der Verbrennung des 
Akakia erfährt man kein Wort. Auch der polnische Abschied 
Voltaires im März 1753 wird mit keiner Silbe erwähnt. Man 
sieht, trotz seiner Neigung für die Presse ließ Friedrich 
derartiges doch nicht durch die Zeitungen breit treten. 

Die vernichtenden Erdbeben, die im Anfang November 
1755 das ganze südliche Europa und die Westküste hinauf bis 
nach Dänemark heimsuchten und denen die Hauptstadt 
Portugals am 1. November zum Opfer fiel, spiegelten sich auch 
in den Hallischen Zeitungen genau wieder. Die Berichte über 
Lissabon selbst sind dadurch von Interesse, weil sie ein Bild 
von der immerhin doch erst recht langsamen Berichtersattung 
der damaligen Zeit geben. Die Nummern vom 10. November 
ab wissen von den Verheerungen des Erdbebens aus 
Amsterdam, Harlem, Glückstadt, dann aus Italien und 
Frankreich zu erzählen. Aber erst einen Monat nach dem 
grausigen Schicksal Lissabons bringt die Zeitung Nachrichten^) 
über Spanien und Portugal, allerdings gleich in ausführlicher 
Länge. Diese Berichte werden den ganzen Monat hindurch 
noch ergänzt, ja die zweite Nummer des Jahres 1756 bringt 
noch allein einen Bericht von 15 Spalten Länge. Diese 
Zeitungsnummer ist mit ihren 8 Seiten eine der umfang- 
reichsten aus der ältesten Zeit. Gelegentlich dieser Berichte 
finden sich auch feuilletonistische Bemerkungen über Land 



i) 1750: Nr. 114. Juli 21. 

«) 1755: Nr. 191. Dezember 4. 



— 57 — 

und Leute von Portugal. In der letzten Nummer') von 1755 
wrerden auch zwei Gedichte über den Untergang Lissabons 
abgedruckt und dabei gesagt: „Auf den Euin der Stadt 
Lissabon kam erst ein ziemlich heidnisch klingendes, kurzes 
Gedicht zum Vorschein, welchem aber bald ein christliches 
entgegengesetzt ward. Beide haben hier nebeneinander 
angeführt werden sollen." Charakteristisch ist, daß das 
„heidnische" Gedicht von Äolus, dem Gott der Winde, und 
Vulkan, dem Gott des Feuers, spricht, in dem „christlichen" 
Gedicht wird die Erwähnung dieser alten Gottheiten zurück- 
gewiesen und der Untergang der Stadt als eine Strafe 
Gottes hingestellt. 



Der Jahrgang 1755 enthält auch Mitteilungen über den 
Krieg zwischen Frankreich und England, der aus Grenz- 
streitigkeiten beider Staaten in Amerika hervorgegangen war 
und auf die Gestaltung der politischen Lage Europas für 
den nun beginnenden Siebenjährigen Krieg von großem 
Einfluß wurde. 

Das gewaltige Kingen dieser sieben 
Jahre, in denen der große Friedrich sein kleines Preußen 
gegen eine Welt in Waffen siegreich verteidigte und sein Land 
von einem deutschen Territorialstaat zu einer europäischen 
Großmacht ersten Ranges erhob, beherrscht natürlich auch die 
Hallischen Zeitungen von nun an fast vollständig. Das 
Interesse der Leser für alle Vorgänge des Krieges war gleich 
groß, und die Zeitung versorgte sie mit überreichem Material 
von offiziellen Berichten und Kundgebungen bis zu 
privaten Briefen über Einzelheiten. Zur Zeit der Haupt- 
entscheidungen wuchs die Nachrichtenfülle gewaltig, dabei 
hatte die Redaktion immer das Bestreben, möglichst nur ver- 
bürgte Nachrichten zu bringen. Daß aber bei den Unglücks- 
fällen des Krieges doch ein gewisses Eingreifen der Behörden 



1) 1766: Nr. 206. Dezember 30. 



— 58 - 

auf dif liiTicIitiTf-tattuiig nicht zu vorkcniieii ist, werdeu war 
lK»i (u»h»g(»nhc»it wheu. Aber die Geschichte der Hallischen 
Zeitungen ist nicht nur auf diese Weist» mit dem siebenjährigen 
Kriege» verhun<h»n. Kr übte zweimal einen entscheiden- 
d e n K i n f 1 u B auf ihr Geschicke aus, indem er sie zwang, ihr 
K r s c h e i n e n, wenn a\ich nur auf kurze Zeit, zu unter- 
brechen, das erste Mal 175J) und dann 1760. In beiden 
I allen war die Stadt Halle in den Ik»sitz der Feinde gekommen, 
die das Erwheinen der Zeitung vermutlich verboten hatten, 
auch wird während der feindlichen Okkupation der Verkehr 
abg(»schnitten gew(»sen und also auch die auswärtige Post nicht 
angekomm(»n sein. — 

Von den feinen Fäden der Diplomatie hatte man ja in 
w(Mteren Kreisen doch keine Ahnung, daher blieb auch die 
Ii(»richterstattung vor dem Ausbruch kriegerischer Ver- 
wickelungen immer sehr mager, der stärkste Gegensatz zum 
heutigen Standpunkt, nach dem der Ausbruch solcher Wirren 
durch die Presse beschleunigt wird. So ließ sich das Jahr 1756 
noch ganz ruhig an. Beinahe erst in der Mitte des Februar 
kann die Zeitung von dem Abschluß der Neutralitäts- 
Convention zwisch(»n England und Preußen vom 16. Januar 
Nachricht bringen.^) Dieser Vertrag mochte bange Gemüter 
beruhig(»n und einen neuen Krieg auf dem Festlande wieder 
in weite Ferne rücken, bis zur Mitte des Jahres folgen auch 
keinerlei beunruhigende Nachrichten, die auf kriegerische 
Verwickelungen hindeuten. Das Interesse für Englands See- 
macht, das durch den Krieg in Amerika noch gesteigert war, 
ließ eine Übersicht über die englischen Streitkräfte zur See 
willkommen erscheinen; so druckt die Zeitung aus London 
einen Oeneral-M ontant der englischen Flotte ab,^) demzufolge 
sie aus 278 Schiffen mit 11 656 Kanonen und einer Bemannung 
von 82 810 bestand. Man sielit, wie die Zeitung auch durch 



i) 1756: Nr. 24. Februar 10. 
«) 1756: Nr. 34. Februar 28. 



— 69 — 

derartige Angaben bemüht war, ihren Lesern das Verständnis 
für die Vorgänge auf der See zu erleichtern. Am Ende des 
Juli kamen aber dann immer häufigere Nachrichten von 
Truppenbewegungen in Böhmen, Ausbesserung der Festungen, 
Anlage von Verpflegungsmagazinen; auch von jenseit des 
Rheins liefen über ähnliche Vorgänge im französischen Heere 
Berichte ein. Wie beruhigend mußte schließlich wieder eine 
Nachriclit^) aus Dresden noch in der Mitte des August wirken, 
daß „man bei der Neutralität des Hofes hier nichts von 
kriegerischen Eüstungen sieht." Zwei Wochen später war der 
Krieg ausgebrochen. Die Ereignisse waren eben schneller als 
die Nachrichten über sie. Aus Preußen selbst hatte die 
Zeitung nichts von Bedeutung zu melden gehabt, 
Inspizierungen der Truppen waren ja nichts seltenes. Die erste 
offizielle Nachricht über den Krieg bringt die Zeitung erst 
10 Tage nach seinem Beginn, indem sie am 7. September eine 
Mitteilung^) abdruckt: ,,Declaration derjenigen Gründe, 
welche Se. Königliche Majestät in Preußen bewogen, mit derer 
Armee in Sr. Königlichen Majestät von Fohlen und churfürst- 
liehen Durchlaucht zu Sachsen Erblande einzurücken." Nun 
folgen bald die langen Erklärungen') Maria Theresias und 
König Friedrichs Antwort darauf. Hand in Hand mit den 
Gefahren wuchs auch das Interesse an der Entwickelung der 
Dinge, ihm mußte notwendig auch die Zeitung Rechnung 
tragen, und so finden wir auch eine beschleunigte Bericht- 
erstattung über die Siege. Hatte es sonst, wie man sah, doch 
immerhin 8 Tage gedauert, ehe die wichtigsten Ereignisse mit- 
geteilt wurden, das war auch noch in den beiden ersten 
schlesischen Kriegen der Fall gewesen, so finden wir jetzt schon 
am vierten Tage nach der ersten Schlacht bei Lobositz die 
Siegesnachricht*) in der Zeitung. Die Nachrichten aus 



1) 1756: Nr. 128. August 14. 

2) 1756: Nr. 142. September 7. 
») 1756: Nr. 144. September 11. 
4) 1756: Nr. 158. Oktober 5. 



~ 60 — 

IJöhrnen konnten ja auch in der Tat schneller einlaufen, weil 
Sachsen, da» sich fast während des ganzen Krieges im 
unb(»8trittonen Ik»sitz de« Königs befand, als eigenes Land 
angesehen werden konnte. 

Es ist natürlich nicht möglich, im Rahmen dieser Dar- 
stellung auf alle Einzelheiten des Krieges einzugehen, aber bei 
den ersten Jahren müssen wir doch ein wenig länger verweilen. 
Eine ganz natürliche Folge der allgemeinen Begeisterung für 
den König war es auch, daß die Zeitung nun auch deutsche und 
lateinische Gedichte je nach Gelegenheit zur Verherrlichung 
Friedrichs und seiner Siege abdruckte. Selbstverständlich 
verlor die Redaktion aber bei der Fülle der Nachrichten von 
den welthistorischen Vorgängen auf dem Kriegsschauplatz 
nicht das Verständnis für die lokale Bedeutung ihres 
Blattes. Sie beginnt im Anfang des Jahres 1757 mit dem 
Abdruck von wöchentlich wiederkehrenden Wetter- 
b:»obachtungen. Ein Hallischer Gelehrter hatte, veranlaßt 
durch die strenge Kälte des Winters, Barometer- und 
Thermometermessungen angestellt und sie durch kleine 
Tabellen übersichtlich gemacht, das mußte natürlich den 
Losern mitgeteilt werden.*) „Wir wollen Beobachtungen, die 
sorgfältig angestellt von einem Gelehrten, durch unsere 
Blätter bekannt machen und wöchentlich damit fortfahren." 

Bis zum Frühjahr herrschte auf dem Kampfplatz Ruhe, 
so auch in der Zeitung; von dem genialen Plan des Königs 
für den Feldzug drang nichts in die Öffentlichkeit. Sehr 
bemerkenswert ist nun die Art und Weise, wie sich die beiden 
großen Ereignisse des Mai und Juni in der Zeitung wider- 
spiegeln. Kunde^) von dem Siege bei Prag, der eigentlich 
volkstümlichen Schlacht, um mit Koser zu sprechen, bringt die 
Zeitung schon nach 3 Tagen, in der Nummer vom 9. Mai, eine 
bemerkenswert schnelle Nachricht. Ganz anders ist 



1) 1767: Nr. 6. Januar 10. 
«) 1757: Nr. 73. Mai 9. 



— 61 — 

das Yerhalten der Zeitung bei der ersten Niederlage Friedrichs 
bei Kolin. Daß Mitteilungen über dieses schwere Unglück 
niclit schon vorher nach Halle gelangt sein sollten, bevor die 
Zeitung davon spricht, halte ich für ausgeschlossen. Die erste 
Meldung^) hierüber bringt sie mit anderen Nachrichten aus 
Berlin am 28. Juni, also erst volle 10 Tage nach der Schlacht. 
Es wird von einem Zusammenstoß bei Kolin gesprochen und 
dann fortgefahren: „dahero Se. Königliche Majestät mit der 
Armee in guter Ordnung nach Niemburg gewendet." Der 
Feind wäre nicht gefolgt. „Die feindliche Infanterie wäre 
nicht einmal die Hälfte des Berges herabgekommen, woraus 
zu urteilen, daß die Österreicher einen starken Verlust erlitten 
haben müssen. Von unserm Verlust kann man noch nichts 
zuverlässiges melden. Se. Königliche Majestät hat indessen 
für gut befunden, die Blockade von Prag aufzuheben, um ihre 
Armee zusammen zu ziehen." Man wird zugeben, daß die 
Nachricht an vorsichtiger Ausdrucksweise nichts zu wünschen 
übrig läßt. Ob allerdings die Bedeutung der Schlacht für den 
weiteren Feldzug damals überhaupt schon richtig gewürdigt 
werden konnte, ist fraglich, immerhin mußte doch auch die 
Mitteilung von der Aufhebung der Belagerung Prags die 
Fernerstehenden über den Umfang des Unglücks aufklären. 
Es wird richtig sein, wenn man annimmt, daß genauere Nach- 
richten einfach durch die Zeitung nicht mitgeteilt werden 
durften, weil es die Zensur, die Behörden nicht erlaubten; 
man wollte eben Schwarzseherei nicht aufkommen lassen. 
Möglich, daß man auch damals schon bei solchen Ereignissen 
Ruhe für die erste Bürgerpflicht hielt. Im Gegensatz zu diesen 
einheimischen Meldungen mußte ja aber eine Nachricht') aus 
Wien vom Anfang Juli jeden Zweifel an der Bedeutung des 
österreichischen Sieges beseitigen, wenn diese sagt, daß Maria 
Theresia wegen der bei Planian (Kolin) vorgefallenen Aktion 



i) 1757: Nr. 101. Juni 28. 
2) 1757: Nr. 107. Juli 9. 



— 62 — 

(»ineu Militär-Verdienstorden gestiftet hat. Auch eine wenige 
Tage später abgedruektt» genaue Relation^) über die Vorgänge 
von Prag bis Kolin bringt keine klare Darstellung des 
Unglücks. In dieser Zeit finde ich auch zum ersten Male eine 
Kritik an einer fremden Zeitung, an der Gazette de Cologne. 
Diese in franzcmischer Sprache erscheinende Zeitung in Cöln 
war, so zu sagen, das Hauptorgan der antipreußischen Partei, 
sie war in Wien und Paris besonders angesehen.*) In der 
französischen Zeitung von Cöln N. LXXII. befand sich, wie 
die Hallische Zeitung mitteilt,') folgender Artikel : „Cöln, den 
8. September: Der Prinz von Soubise ist mit einem Teil seiner 
Armee zu Querfurt angelanget, in der Absicht, von da nach 
Halle zu marschieren." Die Hallische Zeitung sagt dazu : „wir 
haben sehr widersprechende Nachrichten, so sind wir begierig 
zu vernehmen, was der Verfasser gedachter Zeitung von 
besagtem Marsch weiter schreiben wird." Die Ironie ist 
unverkennbar, in der Tat befand sich ja auch Soubise in der 
Nähe von Gotha, war also von Halle noch weit entfernt. Noch 
übler aber kommt bald darauf eine andere Zeitung fort. Im 
übrigen wird in der gleichen vorsichtigen Weise wie vorher 
berichtet. Daß die Nachricht von der Schlacht bei Koßbach 
schon am folgenden Tage in Halle bekannt war, ist ja bei der 
Nähe des Schlachtfeldes selbstverständlich, natürlich bringt 
auch die Hallische Zeitung schon in der nächsten Nummer 
nach dem Siege die fröhliche Botschaft.*) Über diese Schlacht 
hatte schon nach zwei Tagen die Kaiserliche Eeichs-Oberpost- 
amts-Zeitung in Franckfurt, die schon damals ein ehrwürdiges 
Alter besaß, gänzlich falsche Nachrichten gebracht. Nach ihr 
sollten nicht allein die Franzosen die Sieger sein, sondern auch 
Leipzig belagert werden. Eine derartige Nachricht war aber 



1) 1757: Nr. 113. Juli 19. 

«) Ludwig Salomon, Geschichte des deutschen Zeitungswesens I, 149 ff. 
Oldenburg und Leipzig 1900. 

») 1767: Nr. 147. September 17. 
*) 17ß7: Nr. 176. November 6. 



— 63 — 

doch der sonst so friedlichen Redaktion der Hallischen Zeitung 
zu viel, weshalb sie am Schluß dieser Mitteilung^) zu sagen 
sich nicht zurückhalten kann: „Sind solche mit so 
unverschämten Lügen angefüllte Zeitungen wohl wert, gelesen 
zu ^Verden?" 

In dieser Zeit können wir auch einmal den Einfluß der 
Behörden auf die Zeitung klar feststellen. Ende Oktober, 
besonders am 27., wurde Halle von Streifscharen der ver- 
einigten französischen und Keichsarmee heimgesucht. Aber 
wir finden in den Zeitungsnummern dieser Tage auch nicht den 
kleinsten Hinweis auf dieses Ereignis. Erst nach drei Wochen 
bringt sie einen ArtikeP) über den feindlichen Überfall. Der 
Anfang dieses Berichtes ist sehr bezeichnend. „Halle den 
1 9. November. Da wir gehindert worden sind, einen 
ausführlichen und glaubhaften Aufsatz von demjenigen, was 
hiesige Stadt von einem dreimaligen feindlichen Einfall 
gelitten, in unsere Zeitung einzuverleiben: so sehen wir uns 
genötigt diese Lücke unserer Blätter mit der in der Berliner 
Zeitung Nr. 137 befindlichen Nachricht zu füllen." Darauf 
folgt dann eine kurze, sehr sachliche Darstellung jener Vor- 
. gänge. Der Anfang deutet darauf hin, daß die Zensur eine 
eigne Darstellung verboten hatte, vielleicht weil die 
Schilderung zu ungünstig für die Feinde gewesen war, und 
man diese nicht reizen wollte, denn bei der exponierten Lage 
der Stadt war ja die Wiederholung ähnlicher feindlicher Über- 
fälle zu befürchten, vielleicht auch, weil man mit Rücksicht 
auf die Frequenz der Universität weitere Kreise nicht aufregen 
wollte. 

Eine der letzten Nummern des November brachte die 
Nachricht^) vom Siege des Herzogs von Bevern über die 
Österreicher, von denen er bisher in Schlesien arg bedrängt 
worden war. Es handelte sich aber in Wirklichkeit um eine 



1) 1757: Nr. 180. November 14. 
«) 1767: Nr. 183. November 19. 
«) 1767: Nr. 188. November 28. 



— 64 — 

Niederlage der Preußen vor Breslau, deren Folgen bekanntlich 
zuniichHt schlimmer waren als der Verlust der Sehlacht selbst. 
Doch kann man hier nicht etwa der Zeitung den Vorwurf 
machen, sie hätte ein unklares Gerücht als Tatsache hin- 
genommen und mitgeteilt. Es ist bekannt, daß auch der König 
selbst ursprünglich eine Siegesnachricht erhalten hatte, und 
die Meinung von einem preußischen Siege hielt sich auch eine 
Zeit lang. So bringen die Ilallischen Zeitungen am nächsten 
Tage sogar noch eine Bestätigung ihrer ersten Mitteilung. 
In Wirklichkeit war allerdings die Schlacht schließlich zu 
Gunsten der Feinde ausgefallen, aber zu einem wirklichen 
Siege wurde sie doch erst nach der Gefangennahme des Herzogs 
am anderen Morgen. Selbst das Schreiben eines preußischen 
Offiziers von der schlesischen Armee, das über diese Schlacht 
handelte und Anfang Dezember abgedruckt wurde,^) bringt 
noch keine völlige Klarheit in die Verhältnisse, meldete aber 
doch den Fall von Breslau. Wenn sich die mitgeteilten Nach- 
richten auch in Wirklichkeit nicht bewahrheiteten, so muß 
man doch annehmen, daß die Zeitung von der Richtigkeit der 
ihr überbrachten Mitteilungen sicher überzeugt war. 
Das geht ja auch aus der Siegesnachricht*) von l^euthen hervor, 
die nach fünf Tagen in der Zeitung stand : „Auf die Nachricht 
von der großen Niederlage, welche die österreichische Armee 
am 22sten November in Schlesien erlitten, und die wir im 
vorigen Stücke unserer Blätter mitgeteilt haben, folgt eine 
noch wichtigere, die heute früh anher gelangt ist, daß nämlich 
der Allmächtige die gerechten Waffen unseres allerteuersten 
Königs von neuem gesegnet." Die Form dieser Nachricht ist 
besonders bemerkenswert, weil sie ein helles Licht auf das 
patriotische Gefühl der Redaktion wirft, die sich der 
Bedeutung des glücklichen Abschlusses dieses an Unglücks- 
fällen so reichen Jahres wohl bewußt erscheint. Es klingt tat- 



1) 1757: Nr. 194. Dezember 8. 
«) 1757: Nr. 195. Dezember 10. 



— 65 — 

sächlich so, als wenn noch etwas vom Choral von Leuthen nach- 
hallt. Am Schluß des Jahres bringt dann die Zeitung auch 
noch die Kückeroberung Breslaus. Als Begleiter der Nach- 
richten von deil Schlachten sind Listen anzusehen, die über die 
gegenseitigen Verluste unterrichten, bemerkenswert und auf 
offizieller Grundlage beruhend erscheinen die Listen mit den 
Namen der gefangenen feindlichen Offiziere. Der Krieg kam 
auch dem Inseratenteil der Zeitung zu gute, so findet sich von 
Ende Januar 1758 ab einige Male das Werbeschreiben eines 
Freibataillons, das hier in Halle seinen Sammelplatz hatte. 
Der April brachte zum ersten Mal eine Beilage mit dem 
offiziellen Namen : Beylage zu N. 67 der Hallischen Zeitungen ; 
sie enthielt einen ausführlichen Bericht über die Lage auf dem 
Kriegsschauplatz.^) Vier Tage nach dem Ereignis erscheint 
die Nachricht^) über den Zorndorf er Sieg. Die gleiche 
Nummer bringt auch eine Rechtfertigung der Redaktion 
gegenüber dem Vorwurf einer auswärtigen Zeitung. Der 
Altonaer Postreuter fühlte sich durch eine Kritik in den 
Hallischen Zeitungen beleidigt. Der Vorwurf war aber 
unberechtigt, da es sich nur um den Nachdruck einer Berliner 
Zuschrift handelte. Auch bei der Nachricht') über den Über- 
fall von Hochkirch zeigte sich wieder die auffällige Ver- 
zögerung in der Berichterstattung. Wieder erst 10 Tage 
später, am 24. Oktober, spricht die Zeitung nach einer Berliner 
Meldung über den Kampf. Der Sieg blieb ja auch für die 
Österreicher durch die genialen Manöver des großen Königs 
ohne die erwünschten Folgen. Als die Zeitung ihre Nachricht 
brachte, war man schon wieder beruhigt. Eine Relation aus 
Berlin sagt über den Tag von Hochkirch: allein, dies sind 
Unglücksfälle, die bei dem veränderlichen Glück des Krieges 
unvermeidlich sind. Und die Hallischen Zeitungen fuhren 
fort : „Man kann noch mit Grund hinzufügen, daß der diesseits 



i) 1758: Nr. 67. April 29. 

2) 1758: Nr. 135. August 29. 

3) 1758: Nr. 167. Oktober 24. 



— 66 — 

angegebene Veriust »ich eehr vermindert, nachdem die Ver- 
lauf fenen sieh in großer Zahl wieder eingefunden ; dahingegen 
es gewiß ist, daß der feindliche Verlust weit höher gehet, eis 
der unsrige." 

Im Jahre 1757 sowohl wie auch 1758 war die Stadt Halle, 
wenn auch nur auf sehr kuTze Zeit, von feindlidien Scharen 
heimgesucht. Von den Bedrängnissen, in die sie von den 
Feinden gebracht war, ersahen wir aber aus der Zeitung nichts. 
Es war ja eine von selbst gebotene Vorsicht, hierüber zu 
schweigen, wie schon erwähnt ist; denn selbst eine objektive 
Schilderung der Vorgänge mußte zu Ungunsten der Feinde 
ausfallen, und im Falle ihrer Eückkehr war ihre Eache zu 
fürchten. Besonders schlimm aber erging es der Stadt in den 
Jahren 1759 und 1760, und die damaligen feindliehen 
Besetzungen der Stadt blieben auch auf die Hallische Zeitung 
nicht ohne Rückwirkung. Sie mußte dem äußeren Zwange 
gehorchen und ihr Erscheinen unterbrechen. Auf 
die 120. Nummer vom 31. Juli 1759 folgte die Nummer 121 
erst am 17. September. In ihr steht am Schluß folgende Mit- 
teilung: „Die betrübten Umstände, in welchen sich hiesige 
Stadt vom 1. August früh um 4 Uhr, da ein feindliches Corps 
hier einrückte, bis zum 29ten eiusd. früh um 4 Uhr, da dasselbe 
wiederum abzog, und also gerade 4 Wochen befunden, haben 
verursacht, daß bis hierher keine Zeitung hat gedruckt und 
ausgegeben werden können. Wir haben der Güte Gottes, für 
die hiesiger Stadt und Gegend wieder verliehene Ruhe, und 
daß man nun auch diese Arbeit wieder anfangen kann, 
gebührlichst gedancket: also wird den Interessenten zugleich 
die Versicherung ertheilet, daß aus den eingelauffenen Nach- 
richten von den inmittelst vorgefallenen Begebenheiten nächst- 
künftig ein Nachtrag geliefert, und solcher Gestalt diese Lücke 
ergänzet werden soll." Eine Eeihe älterer Darstellungen der 
Geschichte der Stadt Halle und neuerdings besonders Hertzberg 
geben von den Leiden der Stadt eine so anschauliche 
Schilderung, daß die Unterbrechung in der Zeitungsausgabe 



— 67 - 

sehr verständlich erscheint.^) Daß sich natürlich auswärtige 
Blätter des Unglücks der Stadt als eines willkoHunenen Stoffes 
bemächtigten und dabei nicht allzu genau mit der Wahrheit 
umgingen, ist klar. In der Kritik solcher falscher Dar- 
stellungen, die von der Hallischen Zeitung natürlich bald 
gebracht wurde, zeigt sich deutlich ihre Bedeutung für die 
Stadt. Die Hallesche Zeitung konnte durch das scharfe 
Zurückweisen der unwahren Nachrichten über die Vorgänge 
während der feindlichen Okkupation zu einem warmen 
Anwalt der Stadt bei späteren feindlichen Besuchen werden, 
sie konnte sich ein beachtenswertes Verdienst um die 
Sicherheit der Stadt erwerben, wenigstens insofern, als sie den 
Grund zu etwaigen Bepressalien nahm. In der Schlufi- 
nummer des September spricht die Zeitung davon,^) daß es 
nicht möglich wäre, allen unwahren Berichten auswärtiger 
Zeitungen zu widersprechen, die etwas über die Vorgänge in 
Halle während der Anwesenheit der combinirten Kaiserlichen 
Königlichen und Eeichsvölker meldeten. Nur der Vorwurf 
des Altonaer Eeichspostreuters müsse zurückgewiesen werden, 
nämlich daß die Halloren gegen die Besatzung etwas hätten 
unternehmen wollen, „aber entdecket und verschiedene 
derselben wären eingezogen worden." „Die Gesinnung des 
Verfassers dieser Brieffe gegen hiesige Stadt mögen beschaffen 
seyn, wie sie wollen, so weiß doch hier und in hiesiger Gegend 
gewiß niemand auch nur die geringste Veranlassung zu diesem 
Gerücht, vielmehr ist es notorisch, daß es ganz und gar falsch 
und erdichtet sei." In diesen Tagen erschien auch, von einem 
Hallenser verfaßt und in Halle gedruckt, ein Schriftchen: 
„Zuverlässige Nachrichten von dem traurigen Schicksal der 
Stadt und Universität Halle, vom 1. bis zum 29. August, in 
einem Schreiben, aus dem Französischen übersetzt,^' 



1) Gustav F. Hertzberg, Geschichte der Stadt Halle an der Saale TII, 
182 ff. Halle 1893. 

«) 1759: Nr. 128. September 29. 

5* 



— 68 — 

AmHterdam 1759, das außerordentlich scharf über die feind- 
liehen Offiziere spricht. In verschiedenen Nummern*) des 
Oktober erscheinen nun in der Ilallischen Zeitung Inserate des 
Magintratft, des Buchdruckers J. J. Gebauer und der 
Universität, die alle vor der Verbreitung der Schrift warnen, 
die Unwahrheiten darin zurückweisen etc. Die Unterbrechung 
in dem Erscheinen der Zeitung bewirkte natürlich, daß der 
Jahrgang 1759 nur 180 Zeitungsnummern umfaßte. Ein 
ähnliches Schicksal brachte für Stadt und Zeitung auch das 
Jahr 1760. Die Stadt war wieder von Ende August bis weit 
in den September in feindlichen Händen. So mußte auch die 
Zeitung wieder fast einen ganzen Monat ihr Erscheinen unter- 
brechen. Auf die Nummer 136 vom 28. August folgte die 
nächste erst am 25. September. In dieser Nummer spricht die 
Zeitung ganz kurz und sachlich über die Zeit, in der die 
Keichsarmee die Stadt besetzt hielt. Unter dem Strich 
befindet sich noch folgende Mitteilung: „Da die bisherigen 
Unruhen eine Lücke in der Zeitungsarbeit gemacht, so giebt 
man hiermit die Versicherung, das Bückständige gelegentlich 
in einigen Blättern nachzuholen." Die Nachricht^) vom 
Torgauer Sieg wird schon nach zwei bezw. drei Tagen 
gebracht. Wegen der Unterbrechung im September umfaßt 
auch dieser Jahrgang nur 188 Nummern, in der letzten 
befindet sich folgende Anzeige: „In vier Wochen soll ein 
Eegister zu dem Jahrgang 1760 dieser Zeitung ausgegeben 
werden, und haben die Liebhaber, welchen damit gedienet ist, 
sich binnen drei Wochen zu melden, um sich mit der Auflage 
darnach richten zu können." Diese Einrichtung hatte ja 
früher schon bestanden, war aber dann wohl fallen gelassen 
worden. Ob der Plan nun wirklich wieder zur Ausführung 
kam, läßt sich nicht feststellen, da weder ein solches Eegister 

vorhanden ist, noch sich irgendwo eine Hindeutung darauf 
findet. — 



1) 1759: Nr. 137, 140, 146. Oktober 15., 20., 30. 
«) 1760: Nr. 157. November 6. 



— 69 — 

Die an bedeutenden Ereignissen auf dem Kriegs- 
schauplatz armen letzten Jahre des Krieges brachten auch der 
Zeitung wenig Anregendes. Halle selbst blieb auch jetzt von 
feindlichen Überfällen nicht verschont, aber so beschwerlich 
waren sie doch nicht, daß eine Unterbrechung im Erscheinen 
der Zeitung eingetreten wäre. Interessant ist der Abdruck^) 
der citatio edidalis gegen den Baron Warkotsch und den 
Pfarrer Schmidt, die bekanntlich des Hochverrats angeklagt 
waren, weil sie die Gefangennahme des Königs während seines 
Strehlener Aufenthalts geplant hatten. Im Jahre 1762 
beginnen bald, besonders nach dem Tode der Kaiserin 
Elisabeth von Eußland und dem Friedensschluß zwischen 
England und Frankreich, die Hindeutungen auf den 
bevorstehenden Frieden. Nachdem auch die letzten 
kriegerischen Ereignisse gemeldet waren, folgen Berichte über 
die Friedensunterhandlungen, bis dann schließlich im 
Februar 1763 der wirkliche Abschluß gemeldet werden kann. 
Mitte März wird auf 12 Seiten der Friedensschluß 
abgedruckt.^) Über die Stimmung in Preußen unterrichtet 
die Zeitung ihre Leser sehr sorgfältig, indem sie Berichte über 
die Friedensfeste in fast allen größeren Städten bringt. 
Natürlich stehen hierbei der Einzug des Königs in Berlin und 
die dortigen Veranstaltungen im Vordergrund. Auch auf den 
Inseratenteil wirkte der Friede, indem wir öfter Anzeigen von 
Posamentiergeschäften über Friedensbänder etc. finden, dann 
aber auch alle möglichen Druckschriften über die Friedens- 
feste angekündigt werden. 

Die beständigen Veränderungen im Heere, Avancements, 
Titel- und Ordensverleihungen hatte die Zeitung natürlich 
auch während des Krieges, und da immer in großer Zahl, 
gebracht. Gleiche Aufmerksamkeit schenkte sie diesen Ver- 
hältnissen aber auch im Frieden, so bringt sie im Mai 1763 die 



1) 1761: Nr. 199. Dezember 15. 
«) 1763: Nr. 47. März 17. 



- 70 — 

Nachricht^) von einer Emennung, die selbst später für die 
Zeitung von der gröfitem Bedeutung gewesen ist. Der König 
hatte nämlich am 24. Mai dem Feldpostmeister Bertram 
das Postamt in Halle „conferirt". Von Bertrams Tätig- 
keit, wir hatten geaehen^ daß die Post den Vertrieb der 
Zeitungen besorgte, bekommen wir bald nach seinem Amts- 
antritt XU hören. Im Anfang August 1763 findet sich einige 
Male folgende Bekanntmachung:') ,,Denen sämmtlichen 
Zeitungnnteressenten^ so bis hierher oder inskünftige sowohl 
auswärtige als hiesige Zeitungen sich vom hiesigen König- 
lichen Postamt verschreiben lassen, wird hiermit nachrichtlich 
vermeldet, dafi solche in Zukunft nicht anders als gegen 
Praenumeratian geaeheben kann; und da bisher viele von den 
Interessenten seit langer Zeit, der öfters geschehenen 
Erinnerung ohnerachtet, ihre schuldigen Avisengelder nicht 
abgetragen haben, man sich aber nicht mehr mit dergleichen 
alten Beeten chargiren kann, so werden selbige Interessenten 
hiermit noehmahlen und alles Ernstes erinnert, ihre alten 
Beste binnen 14 Tagen abzuthun, damit man sich nicht 
genötigt sieht, unangenehme Mittel zu deren Beytreibung zu 
gebrauchen. Halle, den 4ten August 1763. Königlich 
Preußisches Grenzpostamt. Bertram." Wenn man bei der 
Bezahlung der Zeitungsgelder so nachsichtig gewesen ist, wie 
diese Anzeige vermuten läßt, so wird die Zeitung, zumal bei 
den unsicheren Zeiten des eben beendigten Krieges, häufig 
materielle Einbuße erlitten haben, es ist daher nicht 
wunderbar, daß der Verlag des Waisenhauses der Herausgabe 
der Zeitung nicht mehr allzu günstig gegenüberstand. Sie 
war ins Leben gerufen worden, damit ihre Erträgnisse den 
Anstalten des Waisenhauses zugute kämen, hatte nun aber 
ihre Bedeutung als erwerbende Einrichtung etwas eingebüßt 
Im übrigen blieb natürlich die Zeitung ein getreuer Begleiter 



1) 1763: Nr. 82. Mai 28. 
«) 1763: Nr. 121. August 4. 



— 71 — 

der Entwickelung der Verhältnisse im Staat und in der Stadt. 
Friedrich» deB Großen eifriges Bemühen, die schweren 
Schäden des Landes zu heben, indem er die Landwirtschaft 
und besonders auch den Handel unterstützt und durch 
^Einrichtung des Bankwesens den Geldverkehr erleichtert, 
spiegelt sich auch in der Zeitung wieder. Anzeigen der 
Regierungsbehörden in den Zeitungen werden immer häufiger. 
Waren umfangreichere Edikte und Verordnungen mitzuteilen^ 
so mußte man Beilagen zur Zeitung herausgeben. So wird 
bekannt gemacht, daß die Eegierung auf die Herstellung 
bestimmter Manufakturen, auf Fabrikerzeugnisse, landwirt- 
schaftliche Produkte etc. Prämien ausgesetzt hat. So wird 
mehrere Male Plan und Geschäftseinteilung der vom König 
ins Leben gerufenen privilegierten Bank in Berlin mitgeteilt. 
Sehr bezeichnend für die damalige Zeit ist es, daß die 
Bekanntmachung^) in französischer Sprache an erster Stelle 
steht : Avis de La hanque de Berlin. Weiter folgen Edikt und 
Reglement der Königlichen Giro- und Lehnbenk in Berlin, 
Edikt über General Verpachtung des Rauch- imd Schnupf- 
tabaks, Stempel- und Kartenedikt, Verleihung von 
Hypotheken etc. Daneben werden umfangreiche Spielpläne 
von Lotterien abgedruckt» Auch die- Inserate aus der Stadt 
von Konzerten, Tanzunterricht (gute Sitte und galante 
Aufführung) von Kaufleuten etc. mehren sich, manche davon 
kehren mit Regelmäßigkeit wieder, z. B. für Jahrmärkte, Die 
Bezugnahme auf auswärtige Zeitungen wird häufiger, 
besonders bevorzugt erscheinen dabei die Vossische, Breslauer, 
Leipziger. Die beiden letzten Nummern vom Jahre 1765 
bringen die Offerte einer Buchhandlung, die ihre gedruckten 
Neujahrswünsche für Frauen und Mannspersonen empfiehlt. 
Man sieht, wie sich aus den Inseraten auch für die Kultur- 
geschichte Interessantes ergibt. Wenn natürlich den 
Bestimmungen zufolge die große Menge der Inserate dem 



1) 1764: Nr. 198. Dezember 15. 



— 72 — 

Intc'Uigonzblatt zufiel, so war doch auch die Hallische Zeitung 
oft benutzt, worauf z. B. eine Expedit ionsanzeige^) vom 
Jahre 1767 hindeutet: „Alle auswärtigen Freunde, welche 
etwas durch hiesige Zeitung bekannt machen lassen wollen, 
werden ersuchet, sich der Adresse: an die Zeitungsexpedition 
des Waysenhauses allhier, zu bedienen, und ihre BrieflEe 
Fraiico einzusenden, indem sonst davon kein Grebrauch gemacht 
werden kann." Zu den Abteilungen mit feststehenden Über- 
schriften waren inzwischen solche für Handelsgeschichte und 
Nene Erfindungen hinzugekommen. 



Mit dem Jahre 1768 vollendete die Hallische Zeitung 
ihren 60. Jahrgang. Wir haben die Entwicklung der Zeitung 
in diesem Zeitraum genau verfolgt. . Sie wurde eingeführt 
durch die Hallisehe Korrespondenz und erschien im ersten 
Jahre in wöchentlich drei Nummern. Dann trat im zweiten 
Jahre als 4., aber besonders für sich gezähltes, Stück unter 
dem Namen der Belation eine wöchentliche Beilage hinzu, die 
sich bis in die Mitte des Jahres 1748 gehalten hat. Damals 
wurde sie in eine 4. Zeitungsnummer verwandelt, so daß vom 
Jahre 1748 die Hallische Zeitung in wöchentlich vier 
Nummern erschien. Als Zeichen des Königlichen Schutzes, 
dessen sie sich durch das verliehene Privilegium erfreute, hatte 
sie bald im Anfang zu ihrem Namen das Wort „Privilegirte" 
in späterer Verdeutschung „Mit Königlicher Freyheit" gesetzt 
und als Titelschmuck, zuerst nur vorübergehend, von 1749 ab 
ständig, den preußischen Adler geführt. Ohne jede Unter- 
brechung ist sie dann im engen Verband mit dem Franckeschen 
Waisenhaus erschienen, und dieses Verhältnis hat ihr das 
Fortbestehen auch über die Wirren des siebenjährigen Krieges 
hinaus gesichert, nur interessanter wird ihre Geschichte durch 
den Umstand, daß sie 1759 und 1760 der vis maior des Krieges 



1) 1767: Nr. 205. Dezember 29. 



— 73 — 

itren Tribut zahlen mußte. Die Konkurrenz des Intelligenz- 
blattes vom Jahre 1Y29 hat ihr nichts geschadet, ebenso ist 
das vorübergehende Erscheinen anderer Zeitungsunter- 
nehmungen wie des „Geselligen" und des „Menschen" ohne 
schädigenden Einfluß geblieben. Mehrere Male haben wir in 
höchst interessanter Weise Einblick in die Arbeitsweise der 
Redaktion bekommen, in deren Auffassung von dem Wert 
und der Bedeutung der Zeitung, von der Nachrichten- 
übermittelung etc. Wir haben das eifrige Streben der 
Herausgeber bemerkt, der Halleschen Zeitung immer in 
weiteren Kreisen Eingang und Freundschaft zu gewinnen. 
Hierher gehört besonders die Einführung des kurzen Aus- 
zuges, des Registers und schließlich die Hebung der wissen- 
schaftlichen Seite, wie sie besonders im Jahre 1749 hervortrat. 
Die Zeitung stand durch ihre auswärtigen Korrespondenten 
und durch fremde Zeitungen im regsten Verkehr mit der 
großen Welt; die Redaktion übte, wie das besonders in der 
letzten Zeit zu erkennen war, auch damals schon das 
heutzutage so bedeutungsvolle Recht der Kritik in würdiger, 
aber doch entschiedener Weise. Wir haben auch gesehen, wie 
mit dem Wachsen der Bedeutung Preußens unter Friedrich 
dem Großen sich der Gesichtskreis der Halleschen Zeitung 
erweiterte. Doch von den Männern, die so für die geistige 
Tagesnahrung der Halleschen Einwohner und der nächsten 
Umgebung sorgten, haben wir Persönliches nie gehört. Hier 
sind wir ganz auf andere Quellen angewiesen, die noch dazu 
außerordentlich spärlich fließen. Schürmann^) hat in seinem 
bereits angeführten Buche etvas über den auch sonst bekannten 
ersten Redakteur gesagt. Es war der candidatus iuris, spätere 
Ordinarius an unserer Universität Jakob Gabriel Wolf. Doch 
ließ dieser in der Folge manche gute Redakteurseigenschaft 
vermissen. Seine Differenzen mit dem damaligen Postmeister 



1) August Schürmann, Zur Greschichte der Buchhandlung des Waisen- 
hauses etc. 22 ff. Halle 1898. 



— 74 — 

Doncker können unmöglich der 2^itung genützt haben. Der 
SchreibiaeiBter des Waisenhauses spricht ja daher schon 1717 
einmal Ton unserer lahmen Zeitung. Aus Ecksteins Beiträgen 
zur Oeachiehte der Halleaehen Schulen^) erfahren wir weiter» 
daB Wolf die Redaktion bis 1732 geführt hat. Er wurde 1724 
ordentlicher Professor, sonst erfahren wir weder bei Schrader^) 
noch bei Kawerau') irgend etwas über seine Tätigkeit als 
Redakteur. Auf ihn folgte J. L. N i e k a m p, doch wissen 
wir nichts über die Zeit seiner Tätigkeit. Von 1742 — 1744 
war Dr. Johann Friedrich Joachim und bis zum Jahre 1748 
cand. Karl Dacheritz aus Hamburg Redakteur. Im Jakre 
1748 bezw. 1749 übernahm der Kommissionsrat Dr. Daniel 
Gottfried Sehrebe r^) die Redaktion, auf ihn sind wohl die 
mehrfachen Verbesserungen zurückzuführen, die damals die 
Hallisehen Zeitungen erfuhren. Von den eben genanuten 
wurde Dr. J. E. Joachim 1748 außerordentlicher und 1762 
ordentlicher Professor an unsrer Universität. Man sieht 
also, daB die Redaktion der Zeitung fast durchweg in den 
Händen von Männern lag, die eng mit der Universität 
verbunden waren und durch ihre Stellung für das Hallesche 
Geistesleben ihrer Zeit nicht ohne Bedeutung waren. 

Nun trat aber mit dem Jahre 1768 eine tiefgreifende 
Verändemng in dem Verlage der Zeitung ein. Es ist ja nun 
allerdings bekannt, wie schwierig es ist, wenn nicht unmöglich, 
in der fortlaufenden Entwickelung irgend einer Einrichtung 
oder Erscheinung einen Einschnitt zu machen und zu sagen, 
von hier ab ändert sich deutlich das Wesen dieser Einrichtung. 
Mindestens werden die Faktoren, die bisher von Wirksamkeit 



^) Fr. August Eckstein, Beiträge- zur GescMeiite der HftHfeseben 
Sdiulca HI: Die Fraaekflschcn Stiftuageat, 4^ Halle 1802. Progranan 
der Latiua. 

«) Wilhelm Schrader, Geschichte der Friedrichs - Universität zu 
Halle I, n. Berlin 1894. 

') Kawoorau: Aua Hallen litterstisvlebeKi, Tfß^ vhuBL 

*•) Die Namen der Redakteure nach Eckstein, 46. 



— 75 — 

^s^SLren, noch eine Zeit lang weiterwirken; aber die Übersieht 
gelietet doch, in der Betrachtung einer 200 Jahre langen Ent- 
Tvickelung Haltepunkte zu machen. So ist es nun auch hier 
bei der Halleschen Zeitung. Von der Veränderung bemerkt 
inan in ihr zunächst auf Jahre hinaus nichts, aber der Umstand, 
d.a£ sie im Jahre 1768 den sicheren Hafen der Zugehörigkeit 
zum Waisenhause verläßt, um auf weitere 60 bezw. 40 Jahre 
eine durch die Zeitverhältnisse bedingte, sehr unruhige Fahrt 
von Verlag zu Verlag und sogar durch die westfälische Zeit 
unter fremdem Schutze anzutreten, rechtfertigt durchaus, hier 
einen neuen- Abschnitt in der Betrachtung ihrer Geschichte 
zu beginnen. 



Die Jahre von 1768—1828. 



Der wesentliche Unterschied in der Darstellung der 
Geschichte der Halleschen Zeitung in dem Zeitraum von 1768 
bis 1828 zu dem vorhergehenden Teil liegt darin, daß von den 
in diesem Zeitraum erschienenen Zeitungen verhältnismäßig 
nur sehr wenig Exemplare erhalten sind, oder wenigstens dem 
Verfasser zugänglich waren. Die Jahrgänge bis 1780 ein- 
schließlich sind noch vollständig, von da ab bis zum Schluß 
dieses Zeitabschnittes sind aber nur vereinzelt Nummern vor- 
banden. Deswegen ist es natürlich außerordentlich schwer, ein 
genügend klares Bild von dem Geist der Zeitung zu geben. 
Anstatt der besten Quelle, die doch die Zeitung selbst sein 
würde, ist man hier auf sekundäre Quellen angewiesen, die ja 
im allgemeinen über den äußeren Fortgang genügenden Auf- 
schluß geben, ohne die Zeitung aber im entferntesten ersetzen 
zu können, zum Teil widersprechen sich sogar einige Angaben. 
Im folgenden muß ich mich hauptsächlich auf Hugo 
Hirts kurze Darstellung: „Zur Geschichte der Königlich 
privilegierten Zeitungen in Halle" (unter Benutzung des 
Czlolbzaczkyschen Nachlasses ausgearbeitet) stützen.*) Er sagt 
unter anderem: 

Schon im Jahre 1768 tritt der derzeitige Direktor 
Dr. Gotthilf August Francke voreilig dieses Privilegium 
wegen des dabei bishero gehabten vielen Schadens an den 



^) Neue Mitteilungen aus dem Gebiete historisch - antiquarischer 
Forschungen (vom Thüringisch-Sächsischen Verein zur Erforschung etc.) 
395 ff., Halle 1883. 



— 78 — 

Königlichen KriegBrat und Postmeister Bertram und dessen 
Erben auf ewige Zeiten ab, ohne indes die landesherrliche 
B<>Htätigung zu dieser Cession einzuholen. „Der Druck und 
Debit der Zeitungen", heißt es wörtlich in dieser Urkunde, 
„i8t von dem Kriegsrat Bertram und dessen Erben, auf 
b<»Hchehenen Antrag unter der Kondition übernommen worden, 
dafi sich das Waisenhaus dos Privilegii gfinzlieh begeben und 
nie davon weder kurz oder lang einigen Grebrauch wieder 
machen zu können in Originali extradieren und reservieren 
solle, nieraalon einigen Zeitungsdebit wieder vorzunehmen", 
und zugleich folgt eine ausdrückliche Verzichtleistung des 
Direktors für sich und seine Nachfolger im Namen des Waisen- 
hauses auf das Privilegium, dessen schriftliche Ausfertigung 
dem neuen Inhaber ausgehändigt wird. Dieser Vertrag wurde, 
wie wir von Eckstein*) erfahren, am 22. Februar 1768 
geschlossen. 

Aue den Hallischen Zeitungen erfahren wir zunächst 
nichts über diesen Vertrag. Sie war genau in der alten Form 
in das Jahr 1768 übergetreten und behielt sie mit Sicherheit 
bis zum Ende des Jahres 1780 bei. Erst in der letzten 
Nummer^) des ersten Quartals am 31. März 1768 wird den 
Lesern in folgender Form von der Veränderung Kenntnis 
gegeben: „Da den 2ten April a. c. diese Zeitungen bey dem 
hiesigen königlichen wohllöblichen Postamte, und nicht mehr 
bey der Expedition des Waisenhauses, ausgegeben werden; als 
werden die resp. Herren Interessenten sich beliebigst darnach 
richten, indem diese erwähnte Zeitung um eben den Preiß bey 
dem königlichen Postcomtoir wird verabfolgt werden. Halle 
den 29sten Martii 1768. Königlich Preußisches Grenz-postamt. 
Bertram." Damit war die Veränderung im Verlage ein- 
getreten, ob sie auch eine Änderung der Eedaktion nach sich 
zog, ist nicht festzustellen; doch ist anzunehmen, daß Bertram 



1) Eckstein, 46. 

2) 1768: Nr. 52. März 31. 



— 79 — 

die Kedaktion wenigstens zunächst in den gleichen Händen 
ließ. Auch bleibt ja die Arbeitsweise, so weit dies aus der 
Zeitung zu ersehen ist, 'dieselbe. 

In demselben Jahre wütel;«! an vielen Stellen des 
preußischen Eeiches die Pocken. Zu ihrer Bekämpfung erlies 
natürlich auch, wie man heute sagen würde, die Medizinal- 
abteilung des Ministeriums Verhaltungsmaßregeln. So finden 
Tvir auch in der Hallischen Zeitung auf fünf Nummern des 
Oktober verteilt^) eine „Mitteilung vom Obercollegio Medieo 
in Berlin, wie bei graßierenden Pocken, wo keine Arrte zu 
erlangen, sich zu verhalten haben." Die Redaktion f&rt fort, 
„so gemeinnützig diese Vorschrift ist, so groß ist unsere 
Pflicht sie nach und naeh auch in diesen Blättern bekannt zu 
machen." Hieraus erhellt deutlich, wie lebhaft das Ver- 
ständnis für das gemeine Wohl in der Zeitung war. Auch für 
die Sorgen der Landbevölkerung war das gleiche Interesse 
hinsichtlich landwirtschaftlicher Schäden, Viehseuchen usw. 
vorhanden. So liest man unter der Überschrift ökonomische 
Nachrichten allerhand Mittel gegen Viehkrankheiten, Mäuse- 
plagen und ähnliches. Mit dem Bezahlen der Zeitungsgelder 
müssen die Leser sich damals nicht allzusehr beeilt haben, denn 
es finden sich beim Quartalswechsel mit großer Regelmäßigkeit 
die Mahnungen zur Zahlung der rückständigen Gelder an das 
„Königliche Grenz-postamt, Adreß-Intelligenz- und Zeitungs- 
comtoir", wie der schöne Titel lautet. Dem Verständnis der 
Leser kam die Redaktion nach wie Tor gern entgegen, indem 
sie als Fußnoten immer ihre geographischen, juristischen und 
historischen Erläuterungen brachte, z. B. gelegentlich eines 
Conclaves eine längere Auseinandersetzung über die Ent- 
wickelung der Papstwahl. Wegen der Verwickelungen auf 
dem Balkan und der Schwierigkeiten in Polen hatte eine 
Annäherung zwischen Österreich und Preußen stattgefunden. 
Die damals für alle Welt so bedeutungsvollen Monarchen- 



i) 1768: Nr. 159. Oktober 8. ff. 



— 80 — 

bo^gnungt^n in Neiße (1769) und in Mährisch-Neustadt 
(1770) wurden von der Zeitung aufmerksam verfolgt, auch 
der verHchieden(»n Paraden und Festlicbkeiten gedacht, 
dagegen von den Verhandlungen auch nicht ein Wort 
genprochen. Der Stoffandrang von täglichen Neuigkeiten war 
manchmal bo groB, daB auch die Beilagen, die aber immerhin 
doch nur vereinzelt vorkommen, mit ihnen gefüllt wurden. 
Als sich die Ereignisse im Kriege zwischen Rußland und der 
Pforte zuspitzten, kam die Redaktion dem Interesse der Leser 
dadurch entgegen, daß sie die Donnerstagsnummer schon am 
Mittwoch erscheinen ließ/) Die Geburt des ersten Prinzen, 
des späteren Königs Friedrich Wilhelm III., in der Familie des 
preußischen Thronfolgers am 3. August 1770 wird mit 
patriotischer Freude begrüßt und auch durch ein Gedicht 
gefeiert.') Während sich die Inserate in der bisherigen Weise 
halten, erfährt der unterhaltende Teil eine interessante 
Erweiterung, indem öfter Anekdoten erzählt und Sinn- 
gedichte abgedruckt werden. Dem schnellen Orientierungs- 
bedürfnis der Leser wurde dadurch entgegengekommen, daß 
in dem „Auszug aus den neuesten Nachrichten" das haupt- 
sächlich Wissenswerte zusammengestellt wurde. Wie sehr die 
Zeitung ein richtiges Kind ihrer Zeit war, geht aus einer 
kurzen Bemerkung hervor, die an die Erzählung von dem 
Kinderreichtum eines Mannes geknüpft wird. Die Redaktion 
sagt hierbei, ein solcher kinderreicher Mann ist für das 
Gemeinwesen von großem Nutzen, sonderlich zum Anbau und 
Bevölkerung von Kolonien. Dieser Zug faustischer Betätigung, 
die ausgedehnten inneren Kolonisationsarbeiten, waren ja 
damals unter dem alten Fritz in Preußen auf ihrem Höhepunkt. 
Das Jahr 1772 brachte die Vergrößerung des preußischen 
Staates durch die Erwerbungen aus der ersten Teilung Polens. 
In einer längeren Reihe von Nummern^) bringt die Zeitung 



1) 1770: Nr. 113. Juli 21. 

*; 1770: Nr. 123. August 7. 

s) 1772: Nr. 152. September 26. £f. 



— 81 — 

Artikel über die Besetzung und nachher die Besitznahme der 
zu Preußen geschlagenen Teile. Auch die hierher gehörigen 
IManifeste Friedrichs und Maria Theresias werden abgedruckt. 
Bei Gelegenheit versuchte sich die Redaktion auch in 
feuilletonistischer Arbeit, so bringt sie im gleichen Jahi* Ende 
September eine längere Betrachtung^) über die Ernte. Das 
Jahr 1773 war für ganz Europa von besonderer Bedeutung 
durch die Aufhebung des Jesuitenordens durch Clemens XIV. 
Von der Mitte des Septembers ab wiederholen sich nun 
beständig Nachrichten aus Kom. Das „Suppressionsbreve der 
bisher genannten Gesellschaft Jesu" wird vollständig gebracht. 
Das Interesse für diese Frage war im protestantischen Halle 
besonders stark. Neben diesen Nachrichten, die doch haupt- 
sächlich den männlichen Lesern dienten, wurden aber auch die 
Leserinnen bedacht, wenn z. B. über die Wirkungen eines sehr 
gerühmten Schminkwassers und andere Schönheitsmittel 
gesprochen wird oder ein anderes Mal über Haartracht und 
Kopfputz der Frauen. 

Der Winter von 1775 zu 76 war in unserer Gegend sehr 
kalt. Ein Freund der Zeitung aus Wettin hatte nun seine 
Temperaturbeobachtungen in diesem Winter mit Kälte- 
messungen aus anderen Jahren verglichen und die interessante 
Zusammenstellung der Zeitung mitgeteilt. Diese hatte von 
der Zuschrift gern Gebrauch gemacht, sie bedankt sich am 
Schluß des Artikels^) für diese freiwillige Mitarbeit und bittet 
gleichzeitig, sie auch von anderen Orten in derselben Weise zu 
unterstützen. Sind weiter heutzutage vergleichende statistische 
Angaben über die Machtverhältnisse der einzelnen Staaten 
mehr als häufig in den Zeitungen zu finden, so war in der 
damaligen Zeit bei der großen Seltenheit derartiger Mit- 
teilungen die Gelegenheit, einen solchen Vergleich anzustellen, 
für die Zeitungen sehr willkommen. In derselben Januar- 



1) 1772: Nr. 154. September 29. 

2) 1776: Nr. 14. Januar 25. 

G 



— 82 — 

nummer^) von 177« Bteht ein solcher Vergleich der „gegen- 
wärtigen Kriegumächte Europas". Die Zahl der Truppen der 
einzelnen Staaten wird angegeben, es wird ein Überschlag der 
Kosten dc»r verschiedenen Heere aufgestellt und schließlich an 
der Hand der Bevölkerungszahlen nachgewiesen, daß imnaer 
die 75. männliche Person ein Soldat ist. Interessant für die 
Bestrebungen der Zeit ist auch ein Neujahrsgedicht an 
Deutschland, in dem der Dichter die Deutschen auffordert, 
gegen den Oebrauch französischer Ausdrücke in der deutschen 
Schriftsprache vorzugehen, die Redaktion hatte es aus 
Dn^sdoner Nachrichten übernommen.*) 

In Deutschland hatten sich die Verhältnisse wegen der 
bayrischen Thronfolge und der Machenschaften Kaiser Josephs 
so zugespitzt, daß Preußen und Österreich wieder zu den 
WaflFen griffen. Im Anfang waren mancherlei Berichte über 
die Kriegsrüstungen in liöhmen und in Schlesien eingelaufen, 
bis dann im Juli 1778 der Einmarsch in Böhmen gemeldet^) 
werden konnte. Der Krieg selber lief ohne ernste Zusammen- 
stöße ab. Aus den Berichten der Zeitung könnte man schließen, 
daß offiziöse Meldungen zur Weiterverbreitung vom Kriegs- 
schauplatz nach der Heimat abgeschickt wurden. Denn die 
Nachrichten der Halleschen Zeitung teilen sich fast durchweg 
in zwei Teile mit den wiederkehrenden Überschriften „Tage- 
buch" von der Armee des Prinzen Heinrich und ^^JournaV 
von der Königlichen Armee. 

Ein eigenartiger Zufall war es, daß gerade in diesem 
Jahre so sehr viel über den geistreichen Voltaire — kurz vor 
seinem Tode — zu melden war, während die Zeitung doch 
lange Zeit überhaupt nichts mehr von ihm zu erzählen hatte. 
Es wird dies natürlich durch die großen Triumphe zu erklären 
sein, die Voltaire während seines Aufenthaltes in Paris wenige 



1) 1776: Nr. 14. Januar 25. 
«) 1777: Nr. 34. März 1. 
») 1778: Nr. 109. Juli 14. 



— 83 — 

IMonate vor seinem Tode feierte. Aber das frühere enge Ver- 
hältnis Friedrichs II. zu Frankreichs größtem Vertreter der 
Aufklärung mochte das Interesse für Voltaire auch in 
IPreußen immer noch wach erhalten haben, vielleicht hat auch 
die angebliche Eückkehr des Freigeistes in den Schoß der 
Kirche das ihre dazu getan, um Nachrichten über ihn will- 
kommen erscheinen zu lassen. In nicht weniger als 
11 Nummern wird über Voltaires Aufenthalt in Paris und 
dann über seinen Tod*) gesprochen. Die Zeitung erzählt 
von der Aufführung seines letzten Trauerspiels, der Irene, 
spricht dabei auch über den Wert des Stückes und über seinen 
Triumph.^) Daß ihm schließlich die katholische Geistlichkeit 
das christliche Begräbnis doch versagte, war ja schon an und 
für sich sehr interessant. Auch J. J. Bousseaus Tod, der im 
gleichen Jahre starb, wird gemeldet. An diesen Nachrichten, 
weiter an der Mitteilung von des Schauspielers Eckhoff Tode^) 
oder z. B. an der Eedaktionsbemerkung bei der Nachrieht*) 
von dem Selbstmord eines jungen Mannes in Augsburg, „es 
hätte sich ein neuer Werther hervorgetan", kann man sehen, 
daß die Zeitung den Ereignissen auf literarischem Gebiete 
genug Aufmerksamkeit zuwendete. 

Im folgenden Jahre war der bayrische Erbfolgekrieg 
schon wieder zu Ende, sodaß die Zeitung nur noch den 
Friedenstraktat von Teschen abdrucken kann. Das wichtigste 
Ereignis, mit dessen Mitteilung^) der Jahrgang 1780 
abgeschlossen wird, ist der Tod Maria Theresias. Die große 
Trauerfeier in Wien wird natürlich ausführlich geschildert, 
sowie auch in der schon früher üblichen Weise der Kaiserin 
ein Nekrolog gewidmet. 



1) 1778: Nr. 93. Juni 16. 
«) 1778: Nr. 67. April 11. 
«) 1778: Nr. 101. Juni 30. 
*) 1778: Nr. 110. Juli 16. 
6) 1780: Nr. 193. Dezember 7. 

(i* 



— 84 — 

Aus den letzten Jahren könnte man vielleicht ein 
S<*hwinden des Interesses der Redaktion und des Verlages an 
ihrer Zeitung erkennen, doch ist es ja allerdings möglich, daß 
die Gründe für das Fortfallen mancher früherer Einrichtungen 
auch anderer Natur sind. Früher waren, wie seiner Zeit 
erwähnt worden ist, alle möglichen besonderen Abteilungen 
eingerichtet, um die Übersicht über Zusammengehöriges zu 
erleichtern. Diese Rubriken, wir erwähnen nur nochmals 
Gelehrte Nachrichten, Naturgeschichte usw., sind jetzt fast 
völlig in Wegfall gekommen, nur selten finden sich noch die 
(lenealogischen Nachrichten. Selbst die an Zahl doch 
immerhin wenigen Inserate sind fast ganz fortgefallen. Auch 
die früheren Mahnungen zur Bezahlung der rückständigen 
Zeitungsgelder kehren nicht wieder. Sollten die Leser wirklich 
so pünktlich geworden sein? Oder war vielleicht damals schon 
der Postdirektor Bertram gestorben, und damit der Zeitung 
ein aufmerksamer Leiter genommen? Wir wissen nur, daß das 
Verlagsrecht später von seinen Erben gekauft worden ist. 



Aus den Jahren 1781 bis 1783 einschließlich habe ich 
kein Exemplar der Zeitung bekommen können. Ein Kegister- 
blatt^) aus dem Archiv der Franckeschen Stiftungen spricht 
von einer Nummer 15 vom 27. Januar 1781, was also auf das 
unveränderte Forterscheinen der Zeitung hindeutet und auch 
der Zahlenangabe nach zutrifft. Die Bibliothek des Waisen- 
hauses bewahrt noch einen Jahrgang von 1784 und einen von 
1786 auf. 

Aber wie hatte sich die Zeitung in dieser kurzen Zeit ver- 
ändert ! Ich stehe allerdings nicht an, die Zeitung im Jahrgang 
1784 trotz ihres veränderten Aussehens und der kleinen 
Änderung im Namen als direkte Nachfolgerin der Hallischen 



1) Ein nicht signiertes Blatt aus dem Archiv der Franckeschen 
Stiftungen. 



— 85 — 

Zeitungen der früheren Zeit anzusehen. In diesem Jahre 
heißt die Zeitung zum ersten Male „Hallische Zeitung". Der 
Plural Zeitungen ist also weggefallen, bedeutungsvoller als 
dieses Übergehen von der ursprünglichen Bedeutung des 
Wortes zum heutigen Gebrauch ist es aber, daß auch der 
Hinweis auf das Privilegium der Zeitung aufgegeben ist. 
Vom zweiten Jahrgang an hatte man mit Sorgfalt bei allen 
Änderungen des Kopfes immer das Wort „Privilegierte" oder 
die spätere Verdeutschung „Mit Königlicher Freyheit" 
beibehalten. Freilich den Schmuck des Adlers trägt auch 
dieser Jahrgang. Es ist ein Adler ohne Krone und ohne 
Wappen, er hält nichts in seinen Fängen, hinter seinen 
ausgebreiteten Flügeln steigt die Sonne empor. Im ganzen 
hat das Bild doch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Kopf- 
schmuck der später in Halle erscheinenden „Zeitung^) für die 
Königl. Preuß. Provinzen zwischen der Elbe und Weser". 
Durch den Adler auf der Hallischen Zeitung in dieser Zeit 
wird ja der Königliche Schutz auch dokumentiert; wenn man 
aber berücksichtigt, daß in der früheren Zeit außer durch den 
Adler auch noch durch das Wort im Titel auf das Privilegium 
der Zeitung besonders hingewiesen wurde, so drängt sich doch 
die Frage auf, warum man diese Veränderung vorgenommen 
hat. Möglich wäre es schon, daß die Bertramschen Erben, 
trotzdem sich das Privilegium des Waisenhauses durch Kauf 
und Erbfall in ihrem Besitz befand, doch nicht so fest — wie 
vielleicht Bertram selbst — an die Berechtigung glaubten, im 
Titel der Zeitung auf das Privilegium hinweisen zu können, 
weil es ihnen ja nicht verliehen, und die Cession 
seiner Zeit ohne Zustimmung des Königs vorgenommen war. 
Doch könnte der Grund der Veränderung auch weniger tief 
liegen. Der Drucker der Zeitung mag in den drei Jahren 
gewechselt worden sein, der neue befand sich nicht im Besitze 



i) Zuerst im Jahre 1813 erschienen mit der ersten Nummer vom 
16. November. 



— 36 — 

einer gleichen Vignette, und die frühere Druckerei wird »ich 
zur Herausgabe der ihrigen nicht verstanden haben. Warum 
freilich bei der notwendigen Neuherstellung eines solchen 
Holzschnittes das Wort „Privilegierte" oder eine ähnliche 
Hezeichnung fortgelassen worden ist, würde hierdurch nicht 
erklärt sein. Die Seiten der Zeitung haben jetzt keine Zählung 
mehr, die früher doch fortlaufend durch den ganzen Jahrgang 
ging; die einzelnen Ausgaben werden nicht mehr nach 
Nummern, sondern nach Stücken gezählt. Doch das 
wichtigste ist bcMbehalten, die Zeitung erscheint in gleicher 
Stärke der Einzelausgabe, gleich oft, also viermal in der 
Woche, und auch an den gleichen Tagen wie früher: Montags, 
Dienstags, Donnerstags, Sonnabends. Blättert man in den 
Nummern dieses Jahrgangs, so wird keine besondere 
Veränderung des Stoffes und seiner Anordnung auffallen. 
Aber auch wenn man schärfer zusieht, findet man doch die 
alten Hallischen Zeitungen der früheren Zeit. Die Inserate 
sind wieder zahlreicher geworden, freilich handelt es sich in 
den meisten Fällen um wohl kostenlos aufgenommene 
Bekanntmachungen der Behörden, namentlich der Gerichts- 
und Regierungsbehörden, doch fehlen auch Verkaufs- und 
Wohnungsanzeigen nicht. Wir hatten ja gesehen, daß sich 
Lokalnachrichten in der Zeitung von jeher nur sehr selten 
fanden, auch jetzt ist keine Änderung hierin eingetreten. Nur 
eine Bewegung, die damals in Halle sehr lebhaft war, spiegelt 
sich auch in der Zeitung wieder. Der gesunkene Wohlstancl 
in der Stadt, wohl noch Nachwirkungen des Krieges, das 
Ansammeln arbeitsloser Leute in der Grenzstadt Halle, auch 
in Not zurückgelassene Angehörige desertierter Soldaten hatten 
die Zahl der Armen beträchtlich wachsen lassen. Man war 
eifrig bemüht, dieser Not abzuhelfen, und die dahin gehenden 
Bemühungen führten auch im Jahre 1785 zu einer Revision 
des Armenwesens.*) Später wurde ja durch die vom nach- 



1) Hertzberg IIT, 243. 



— 87 — 

maligen Kanzler Niemeyer gegründete Gesellschaft der 
Armenfreunde zur teilweisen Deckung der für die Linderung 
der Armennot aufgewendeten Kosten eine Zeitung „Das 
Hallische patriotische Wochenblatt" ins Leben gerufen (1799) ; 
aber auch schon in der Mitte des neunten Dezenniums, also 
gerade in unserer Zeit jetzt, erschien vorübergehend ein Blatt, 
dessen Erträge dem gleichen Zweck dienen sollten. Diese 
Bestrebungen, sie gingen natürlich hauptsächlich von geist- 
licher Seite aus, finden, wie gesagt, auch in der Hallischen 
Zeitung ihren Niederschlag. Wir lesen im Januar 1784 in 
einer Nummer an der Spitze des Blattes einen Aufruf,^) der 
sich auf die Bestrebungen der Armenfreunde bezieht. Der Text 
mag ja auf die erwähnten Fürsorgekreise zurückgehen, aber 
auch die Zeitung selbst hat ihren Anteil an dieser Wohlfahrts- 
bewegung schon dadurch, daß der kurze Artikel an der vor- 
nehmsten Stelle des Blattes veröffentlicht wird. Er wird hier 
abgedruckt als ein Beispiel des lokalen Teiles der Zeitung, der 
früher, wenn er überhaupt vorhanden war, sich dann doch nur 
auf sehr Äußerliches bezog. Eine besondere Überschrift fehlt 
der Mitteilung. „Halle, den 12. Januar. Die Strenge des 
jetzigen Winters fordert alle gegen die Armen mitleidig 
gesinnte Herzen auf, sich zu vereinigen, der Armuth möglichst 
zu statten zu kommen. Da denen Herrn Geistlichen die 
Armen ihrer Parochie, und deren Bedürfnisse am besten 
bekannt sind, von ihnen auch mit Grunde erwartet werden 
kann, daß sie willig und gern gestatten werden, ihnen etwas 
an Gelde zur Erleichterung der Not der Hausarmen und 
anderer Dürftigen zuzuschicken, so wird allen, die mit dem 
Elende ihrer dürftigen Mitbürger ein christliches Mitleiden 
haben, und demselben durch einen beliebigen Beitrag an Gelde 
Erleichterung zu verschaffen geneigt sind, der Weg vor- 
geschlagen, denen Herren Geistlichen der Parochie, zu 
welcher sie gehören, zu diesem Behuf etwas beliebiges zur 



i) 1784: Stück 8, Januar 13. 



— 88 — 

baldigsten Verteilung zuzustellen: wobey ein jeder die ihm 
b<»s(>nders bekannte Dürftige benennen kann." Etwa fünf 
W<)eh(»n später wird die Bitte an gleicher Stelle noch einmal 
kürzer wiederholt.^) Aber auch sonst wurde in der Zeitung 
das, was die KcJpfe der Einwohner beschäftigte, berücksichtigt. 
Im Februar dieses Jahres mochte sich irgend jemand den Spa£ 
gemacht haben, der Öffentlichkeit ein Eätsel aufzugeben 
und für die richtige Lcisung einen nennenswerten Preis 
(30 Louisdor) auszusetzen. Wie sehr die Aufgabe die 
(lemüter bewegte, geht aus einer Zuschrift*) an die Zeitung 
vom IMärz des gleichen Jahres hervor, in der es heißt: „aber 
nicht Wenige wollen entweder ihr (Jenie leuchten lassen, oder 
ihren lieutel füllen, und da ist ewiges Kopfzerbrechen über 
das Räthsel." Ein Leser schickte nun der Zeitung das Eätsel 
und dessen Lösung ein, „um einmal zu zeigen, daß das Räthsel 
bey weitem nicht abgeschmackt, vielleicht artig, zu nennen 
sey, dann aber auch dem Kopfbrechen zu steuern, will ich 
meine Erklärung bekannt machen, zu welcher mich theils der 
Trieb zu wissen, theils — vielleicht zufällige Anwendung von 
Kenntniß geführt hat" .... Die Einsendung ist mit einer 
Chiffre unterzeichnet: ***1; mag es sich nun um ein wirk- 
liches Eing(»sandt oder nur um ein fingiertes handeln, in 
jedem Falle ist das Eingehen der Hallischen Zeitung auf die 
sozusagen brennende Frage in der Stadt sehr interessant. 
Ähnlich der in früherer Zeit veröffentlichten Wetterberichte 
finden sich auch jetzt wieder Witterungsanzeigen') „nach 
einer herausgekommenen Wetterbeobachtung, welche von 
Isten Januar dieses Jahres fast jeden Tag eingetroffen." Als 
aufmerksame Beobachterin des öffentlichen Interesses in 
Deutschland erweist sich auch hier wieder die Hallische 
Zeitung, wenn sie das ganze Jahr 1784 hindurch ihre Leser mit 



1) 1784: Stück 32, Februar 24. 

2) 1784: Stück 38, März 6. 

3) 1784: Stück 50, März 27. 



— 89 — 

ausführlichen Berichten versorgt, die ihr über die in fast allen 
größeren Städten des Reiches angestellten Versuche mit dem 
von Montgolfier erfundenen Luftballon zugingen. Von 
besonderem Interesse ist ein längerer ArtikeP) in der letzten 
"NTümmer dieses Jahres über einen gleichen Versuch in Halle, 
interessant auch gerade deswegen, weil er nicht ohne eine 
bemerkenswerte Kritik der Zweifler und der geringen Unter- 
stützung von Seiten der Bewohner abgefaßt ist. Es heißt da: 
„Unreifen Urtheilen vorzubeugen, und manchen, den 
Gelehrten spielenden kurzsichtigen halben Mathematiker, .von 
einer Sache, worüber er wie der Blinde von der Farbe spricht, 
zu benachrichtigen, hält man für nöthig, folgendes bekannt 
zu machen: Der 26ste November war der festgesetzte Tag, an 
dem, um doch einer Universitätsstadt dieß Schauspiel auch zu 
verschaffen, ein beträchtlicher, mit brennbarer Luft gefüllter 

Luftball steigen sollte, Die Scheune wurde indessen 

zwar verschlossen, aber derjenige, dem die Verschliessung 
desselben aufgetragen war, vergaß die Laden gehörig zu ver- 
wahren, und ein schlechter Mensch, entweder aus eigenem 
Antrieb oder bestochen, nutzte diese Gelegenheit, stieg zu den 
Laden hinein, schnitt in den Ball, und es giengen die zum 
zweytenmahle aufgewandten Unkosten mit der Luft verlohren. 
Jedoch auch dieses Schadens und schlechten Streiches 
ungeachtet, soll die Neugierde der Interessenten befriedigt 
werden,, nur bittet man sie, zu Sammlung einer solchen Menge 
Eisenfeile, als darzu gebraucht wird, noch einige Zeit zu 
verstatten. Die für die Billets gegebenen wenigen Groschen 
sind nunmehr für die Armen bestimmt, auch sind schon 
wirklich die wenigen eingekommenen Thaler derjenigen 
Interessenten, die sich erklärt haben, sie itzo nicht wieder 
zurückzunehmen, zu diesem Behuf bereits verwendet worden. 
Derjenige aber, dem an dieser Kleinigkeit gar zu viel gelegen 
ist, kann, wie es auch schon ein Interessente durch seinen 



1; 1784: Stück 206, Dezember 30. 



- 90 - 

Frifleur und ein anderer durch seine Aufwärterin hat thun 
lasHen, das Oeld gegen Zurückgebung seines Billets zurück« 
erhalten, und dafür in der Folge, wenn er Lust hat, ein neues 
l(>fl<*n. Denen, die das Unternehmen aus einem schiefen 
(tesichtspunkte, oder gar aus schwarzer Verlaumdungssucht 
beurtheilen, wird mit dem für sie gehörigen Tone geantwortet 
werden." Nicht ohne Bedeutung für seine damalige soziale 
Stellung int die Erwähnung des Friseurs und seines Auftrages. 

Der kurze Hinweis, dafi des Neujahrtages wegen die 
nächste Zeitung erst wieder am Montag ausgegeben würde, ist 
der einzige Anhaltepunkt dafür, daß die Zeitung auch im 
Jahre 1785 in derselben Weise weiter erschien, selbst- 
verständlich ohne daß dies mit Sicherheit gesagt werden kann. 
Von hier ab 1784 bezw. 1785 verlieren wir auf vier Jahre 
hinaus die Hallische Zeitung aus den Augen. Da nichts von 
ihr aus diesen Jahren erhalten ist, auch anderwärts keine 
Nachricht über sie gegeben wird — so weit es uns bekannt 
ist — , so können wir nicht sagen, ob sie ihr Erscheinen unter- 
brochen hat. Allerdings sprechen zwei Gründe mit fast 
zwingender Gewißheit dafür, daß sie wenigstens vom Ende des 
Jahres 1785 an nicht mehr erschienen ist. Freilich, wenn sie 
so ihr Erscheinen auch eingestellt haben sollte, eingegangen 
ist sie damit natürlich nicht; denn das Privilegium, und 
immer wieder das Privilegium ist es, das unsere Zeitung aus 
den Stürmen der Zeit um die Wende des Jahrhunderts nachher 
wieder in so sichere Bahnen gelenkt hat, aus denen sie bis zum 
heutigen Tage nicht mehr herausgedrängt werden konnte. 

Der erste von den beiden angedeuteten Gründen ist der, 
daß vom Jahre 1786 ab eine Hallische Zeitung erschien, über 
deren Verlag sich jedoch nichts Bestimmtes sagen läßt. Sie 
unterscheidet sich aber so wesentlich von der früheren 
Hallischen Zeitung, auch schon im Namen, daß man an eine 
direkte Fortsetzung nicht denken kann. Der Name erscheint 
zwar am Kopf der Zeitung als derselbe wie vorher, aber die 
Beilagen nennen diese Zeitung mit dem vollen Namen: 



- 91 — 

„Halliöche politische Zeitung". Ein genaueres Eingehen 
auf sie verbietet zwar der Eahmen dieser Schilderung, aber ich 
muß doch einiges als Stütze meiner Ansicht erwähnen. Über 
ihren Plan kann man sich allerdings aus einer eigenen Anzeige 
zunächst nicht unterrichten, denn die erste Nummer ist nicht 
erhalten. Aber sie wiederholt ihre Absicht eigentlich im 
Kopfe jeder Ausgabe. Zwischen den beiden Worten Hallische 
Zeitung steht auf einem Postament, das auch von einem Adler 
mit Krone geschmückt ist, das stolze Wort: Libera sub his 
alis verifas. Es klingt fast wie eine Vorahnung des Artikels 20 
unserer Verfassung. Was allerdings die Redaktion unter 
libera Verität, verstand, werden wir bald sehen. Zunächst noch 
etwas über die äußere Seite. Diese Zeitung erschien 
wöchentlich nur einmal und zwar Freitags, in einer Stärke von 
acht Seiten, je nach Bedarf wurde noch eine verschieden starke 
Beilage zugegeben. Sie bringt hauptsächlich Staats- 
neuigkeiten, Toleranzgeschichte, Litterarische Nachrichten 
und Ankündigungen, Anekdoten und Publicanda, d. h. 
Bekanntmachungen von Behörden, gelegentlich kurze Inserate. 
Die berechtigte und unberechtigte Kritik, die mit dem 
Scheiden des 18. Jahrhunderts als Folge der Aufklärung sich 
weiter und weiter verbreitete, kommt auch hier in deutlichster 
Form zutage. Überschreitet sie nun in politischen Fragen, 
besonders über preußische Verhältnisse, schon wegen der 
Zensur, die Grenze nicht, so ist die Art ihrer Kritik über die 
Literatur alles mehr als fein. Besonders gegen die Jenenser 
und ihre Litteraturzeitung ist ihr das Schimpfwort kaum stark 
genug. Aber grob war ja der Ton in der damaligen Polemik 
sehr oft. Übrigens stand die Zeitung in engsten Beziehungen 
zu gewissen Professoren unserer Universität, wie z. B. Woltär 
sich ihrer in der Fehde gegen Jena bediente,^) vielleicht war 
er sogar selbst Redakteur. Den Versand der Zeitung besorgte 
übrigens auch das Postamt, „unmittelbar kan man Keinem 



i) 1786: Stück 7, Februar 17. und Stttck 12, März 24. 



— 92 — 

diese Blätter iU>ers<*hieken", wie am Schluß der zweiten 
Xuinmer ange^(»l)en ist. Doch diese Zeitung bestand nur bis 
zum Ende Juni dieses Jahres in derselben Form. Am Ende 
des Monats macht die Hallische Zeitungsexpedition durch ein 
mehrmaliges Inserat bekannt, daß: „vom 1. Juli d. J. von 
dieser Zeitung wc)chentlieh 3 Stücke (ohne die Beilagen) 
erseheinen, tlieils in halben, theils in ganzen Bogen in 4, und 
zwar mit der Überschrift: Allgemeine politische Zeitung für 
alh» Stände." Der Preis des ganzen Jahrgangs betrug drei 
Taler, man konnte nur auf den ganzen oder halben Jahrgang 
vorausbestellen. Bemerkenswert ist noch, daß außer dem 
llallischen Postamt auch noch die Sächsische Zeitungs- 
expedition in Ixupzig die Versendung der Zeitung 
ül)ernahm. Schon daraus ist zu ersehen, daß die Zeitung 
ihren sjK^zifisch halleschen Charakter aufgab. Damit 
ist eigentlich die halbjährige Existenz dieser Hallischen 
Zeitung zu P^nde. Schon in der ersten Nummer der nun- 
mehrigen Allg(?meinen Politischen Zeitung, die auch mit 
Nr. 1 zu zählen anfängt, wird zwar Halle noch als 
Erscheinungsort genannt, aber besondere Beziehungen zu Jena 
sind schon daraus zu erkennen, daß auch das Kaiserliche 
Eeichspostamt in Jena die Versendung übernommen hat, die 
im übrigen wöchentlich nur einmal geschehen soll. Hier 
lernen wir auch den neuen Herausgeber und Redakteur 
kennen : Magister J. E. Fabri. Von besonderem Interesse sind 
die betreffenden Nummern aus dem August und September 
des Jahres wegen der Nachrichten über den Tod Friedrichs 
des Großen, den Thronwechsel und mancherlei Erinnerungen 
an den großen König, sowie über die Wirkungen des traurigen 
Ereignisses auf Halle. ^) In der Beilage zu einer Nummer 
von Mitte November wird dann angekündigt,^) daß die 
Zeitung vom Jahre 1787 an im Verlage der Maukischen 



1) 1786: Nr. 23. August 22. ff. 

2) 1786: Nr. 61. November 18. Beilage. 



— 93 — 

Offizin in Jena erscheinen wird. Vom Dezember ab wird 
dann auch bereits Halle nicht mehr als Erscheinungsort 
genannt, und vom 1. Januar 1787 erscheint diese Zeitung, die 
sich übrigens nicht allzu lange später Jenaische allgemeine 
politische Zeitung nennt, in Jena. 

Ich kehre von der kleinen Abschweifung zurück: Es ist 
von dieser Allgemeinen politischen Zeitung als einer Nach- 
folgerin unserer Hallischen Zeitung nicht zu reden, aber es 
kann auch nicht die im ersten Halbjahr unter dem Namen 
Hallische Zeitung erschienene als Fortsetzung unserer 
privilegierten Zeitung wegen ihres vollständig veränderten 
Charakters angesehen werden. Nahm sie nun aber doch den 
gleichen Namen an, so scheint mir das ein Beweis dafür zu 
sein, daß unsere privilegierte Zeitung tatsächlich mit dem 
Jahre 1786 ihr Erscheinen unterbrach. Der zweite der weiter 
oben angedeuteten Gründe, die mich zu der Ansicht von der 
Unterbrechung im Erscheinen unserer Zeitung führte, liegt 
in den beiden Worten „auch wieder^^ der folgenden Anzeige. 

In den Wöchentlichen Hallischen Anzeigen (dem 
Intelligenzblatt) vom Jahre 1789 steht in der Nummer vom 
S.Dezember: „Dem geehrtesten Publikum wird benachrichtiget, 
daß vom 2ten Dezember d. J. alle künftige Mittwoch und 
Sonnabend früh nach 8 Uhr auch wieder die Hallische Zeitung 
mit geographischen und statistischen Bemerkungen, einen 
halben Bogen stark, das Stück für 3 Pfennige, einzeln im 
hiesigen Zeitungskontoir auf der Brüderstraße in Kälwerlaus 
Behausung zu haben ist. Liebhaber, welche gleich anfangs 
auf den Isten Vierteljahr gang, vom Iten Januar 1790 bis zum 
Isten April gerechnet, suhscribieren oder mit 6 Groschen 
pränummeriren, erhalten die Zeitung von jetzt bis zum 
Iten Januar gratis. Von dem hiesigen Publikum nimmt das 
Zeitungskontoir die Subskripzion und Pränumeration an. 
Auswärtige Interessenten können sie, einen Vierteljahrgang 
für 10 gute Groschen, von dem hiesigen Königlichen Postamt 
besorgt erhalten. Halle den 30ten November 1789." 



— M - 

Von hier an bewegen wir uns wieder auf festem Boden, 
£war weint die (tesehiehte unserer Zeitung auch noch weiterhin 
Lücken auf, aber wir werden nun mit einem Manne bekannt, 
der für die Ilalleflche Zeitung von der größten Bedeutung j^slt, 
der ihr vor allem eine sichere Basis auch in der Umgebung 
der Stadt geschaffen hat. Wer es ist, der die Herausgabe der 
IIallis<*hen Zeitung, deren Privilegium ja, wenn auch vielleicht 
nicht in unanfechtbarem l^itz der Postmeister Bertramschen 
P'amilie war, auch wieder veranlaBte, ist in der Anzeige nicht 
gi'nannt. Es war- der Kandidat der Mathematik und spätere 
Magister von Czlolbzaczky oder Colbatzky, wie wir ihn nennen. 
(!bcr das Wiedererscheinen der Zeitung und ihren jetzigen 
vollen Namen lesen wir auch auf einem alten, schon etwas 
defekten Ilegisterblatt*) aus dem Archiv der Franckeschen 
Stiftungen, das der Zufall uns aufbewahrt hat, und das von 
einem etwas späteren Zeitgenossen angelegt sein mag: „Mit 
dem 2ten Dezember 1789 nahm allhier eine Zeitschrift mit 
dem Namen der Königlichen privilegirten Hallischen Zeitung 
von Staats- und gelehrten Sachen ihren Anfang. Der Heraus- 
geber Herr r. Czlolhzacy bemühte sich dem Publikum die 
interessantesten Nachrichten so frühzeitig als nur möglich 
mitzutheilen dazu mit untergesetzten geographischen und 
statistischen Anmerkungen. Wöchentlich wurden von dieser 
Zeitung 2 Stück, jedesmal ein halber Bogen in 4. stark 
herausgegeben — Mittwochs und Sonnabends — . Der Viertel- 
jahrgang kostet 6 Groschen für hiesige, für Auswärtige 
Interessenten 10 Groschen. Jedes Stück auch einzeln für 
3 Pf. zu haben.'' Von dieser Zeitung habe ich leider kein 
Exemplar bekommen können, kann also auch nicht feststellen, 
ob Colbatzky seine Zeitung damals wirklich schon mit den 
Beinamen Königliche und privilegierte bezeichnete ; ein Eecht 

1) Aus dem Archiv der Franckeschen Stiftungen (ohne Signatur). Es 
ist die Rückseite eines Blattes, auf das ein lOjähriger Schüler 1787 einen 
Choral niedergeschrieben hat. Übrigens ist das Blatt auch schon oben 
Seite 84 erwähnt. 



— 95 — 

hatte er jedenfalls noch nicht dazu, doch ist es wahrschein- 
licher, daß der Eegistraturvermerk einen Irrtum enthält. 
Ebenfalls irrtümlich ist es, wenn Eckstein in dem bereits 
angeführten Programm^) sagt, daß Colbatzky das Privilegium 
von den Bertramschen Erben schon 1789 gekauft hätte. Den 
großen Eifer Colbatzkys für das Zeitungswesen überhaupt 
zeigt der Umstand, daß er auch außer seiner Hallischen 
Zeitung noch ein anderes Blatt herausgab: „Den mit dem 
Brandenburgischen Bauer von den neuesten Kriegs- und 
^Weltgeschichten redenden französischen Soldaten". Hierzu 
macht Hirt die ansprechende Bemerkung, daß das Beiwort 
,, französische", das Colbatzky übrigens 1791 schon wieder 
fortließ, das überwiegende Interesse des gemeinen Mannes an 
den französischen Begebenheiten in jener Zeit dartut. Allzu 
einträglich kann aber die Herausgabe der Zeitung nicht 
gewesen sein, anfangs erschien sie zwar wöchentlich zweimal, 
wie aus einem Vermerk auf dem erwähnten Eegisterblatt 
hervorgeht, denn dies zählt das 45. Stück als vom 5. Juni 1790 
auf; doch schon 1792 erscheint, gleichfalls nach jener 
handschriftlichen Notiz, das 17. Stück erst Montags, den 
23. April, das heißt die Zeitung wöchentlich nur einmal, aber 
verziert mit „fliegendem Adler und Fahne, Schwerdt und 
Postreiter". Trotzdem uns zur näheren Charakterisierung der 
Zeitung jeder Anhalt aus einer Nummer selbst fehlt, bin ich 
imstande, durch zwei mir zufällig zugegangene, aus jener Zeit 
noch erhaltene Königliche Verordnungen^) diese Zeitung 
Colbatzkys und seine freie Kedaktionstätigkeit zu beleuchten. 
Die erste Verordnung wirft auch ein Licht auf das Verhalten 
der Regierung der damaligen Presse gegenüber; der Name 
Wöllners macht sie noch interessanter. 



1) Eckstein, 46. 

2) Nach zwei Abschriften der Originale im Besitz des Vereins für 
Altertumskunde im Kreise Jericho w I zu Burg bei Magdeburg; mitgeteilt 
von Albert Schubandt, dem Vorsitzenden des Vereins. 



— 96 — 

I. Dom Magister Czlolbzaczky zu Halle wird, der ein- 
gegangenen Cabinetß-Ordrc gemäß, hierdurch aufgegeben, 
Ange«ieht8 diesc^s in seinem Zeitungs-Blatt den hiebey- 
kommcnden Auszug de dato Dresden den 28ten Juny er. zu 
revocieren und das Zeitungsblatt mit dem Widerruf ein- 
zuschicken; auch sich fernerhin nicht zu unterstehen, 
dergleichen unzulässige Dinge drucken zu laßen, oder 
gewärtig zu seyn, daß seine gedachte Zeitung gleich werde 
verboten werden. Berlin den 27ten July 1790. 

Auf Seiner Königlichen Majestät Allergnädigsten 

Special Befehls. 
Carmer üörnberg Reck Woellner Goldbeck. 

II. Bey den von dem Magister von Czlolbzaczky 
angezeigten Umständen wäre es allerdings rathsamer gewesen, 
den Wiederruf wegen der den Bauern abgenommenen Flinten, 
in den dortigen Zeitungen nicht bekannt zu machen. Jetzt ist 
es aber einmal geschehen, und nun das Beste, die ganze Sache 
fallen zu laßen. Signatum Berlin, den 24ten Martii 1792. 
(Mit derselben Schlußwendung wie oben, die Unterschriften 
sind mir nicht mitgeteilt). 

Die beiden Verordnungen bedürfen keiner weiteren 
Erklärung. Machte aber der Herr Colbatzky mit seiner kleinen 
Zeitung den hohen Herrn in Berlin derartige Umstände, so 
war es nicht verwunderlich, wenn sein Gesuch aus dem Jahre 
1792, ihm auf seine Zeitung ein eignes Privilegium zu erteilen, 
von Friedrich Wilhelm II. abschlägig beschieden wurde. Um 
so bedeutungsvoller aber war für Colbatzky der Vertrag, den 
er ein Jahr später mit den Erben des verstorbenen Postmeisters 
und Kriegsrats Bertram am 28. Oktober 1793 abschloß. An 
diesem Tage ging das Waisenhaus-Privilegium ebenfalls 
„wegen des bisherigen geringen Pachtgeldes" in den Besitz 
des Magisters über für eine Summe von 200 Talern preußischer 
Münzsorten. Natürlich war diese Cession des Privilegiums 
ebensowenig giltig wie die von 1768, weil auch diesmal die 



— 97 — 

Erlaubnis des Königs nicht eingeholt war. Wenn nun auch 
erst von diesem Jahre oder noch genauer vom Jahre 1794 an 
die Zeitung Colbatzkys mit unserer alten Hallischen Zeitung 
verschmolzen wurde, so kann man doch die vier Jahrgänge 
vorher mit Recht schon als voUgiltige Fortsetzung ansehen, 
denn es ist nicht zweifelhaft, daß Colbatzky auch schon vorher 
in naher Beziehung zu den Besitzern des alten Privilegiums 
stand; auch sein Gesuch um Verleihung eines besonderen 
Königlichen Schutzes kann hieran nichts ändern. Für den 
Magister war es nun nicht mehr nötig, seine Kräfte zu 
zersplittern, mit dem Erwerb der alten, verbreiteten und 
geschätzten Zeitung mußte ihm auch der alte Abonnenten- 
stamm wieder zufallen. Hierin irrte er sich auch nicht, nun 
hatte er nur notwendig, sich voll der Redaktion des vereinigten 
Blattes zu widmen, um den Kreis seiner Leser bald zu 
vergrößern. Er wählte für die Hallische Zeitung von 1794 an 
einen neuen Namen, der sich lange Zeit hindurch in seinem 
Hauptteil gehalten hat, und ja auch heute noch nicht aus der 
Halleschen Zeitung ganz verschwunden ist. Er lautete: 

Hallescher Kurier 
im Grespräch mit einem Bauer von den neuesten Zeitgeschichten 

und Welthändeln. 

Aus der ganzen Zeit der Redaktion Colbatzkys liegen 
mir nur drei Nummern vor, ich will also erst die Darstellung 
der äußeren Geschichte der Zeitung bis zum Jahre 1808, dem 
Jahre des erzwungenen Rücktritts des Magisters, weiterführen 
und muß mich hier eng an die Abhandlung Hirts^) und den 
Dryander-Opelschen Zusatz^) in den Neuen Mitteilungen 
halten, weil sie meine einzigen Quellen sind. Erst dann soll 
auf die Betrachtung des Blattes selbst eingegangen werden. 
Colbatzkys eifrige Tätigkeit für seine Zeitung, besonders die 
Unterhaltung auswärtiger Korrespondenten, muß sehr hohe 



1) Neue Mitteilungen des Thüringisch-Sächsischen Geschichts- und 
Altertumsvereins. 1883. XVI, 407 ff. 

7 



— 98 — 

KoHti^n verurnacht haben, freilieh mehrte sich auch sein leaei^ 
kn»iH. Aber er nah nieh zum besseren Ertrage für den Verlag 
l^niUigt, noc»h zwei andere Zeitungsuntemehmungen mit 
Meiner Zeitung zu verbinden. So vereinigte er zunächst mit 
dem Verlage die Herausgabe des „Wohlfahrts- und Erbschafts- 
Imten", eines Blatt(*s, das bis in die Mitte der zwanziger Jahre 
d<»s 19. Jahrhunderts hinein in Fragen von Erbschaften 
und Hinterlassenschaften eine wichtige Rolle gespielt zu 
haben seheint, auch als Vermittler zwischen der alten 
und neuen Welt. Ebenso gab er „Deutschlands 
Erzähler**, ein volkstümliches ünterhaltungsblatt, wohl als 
Beilage zur Zeitung heraus. Diese beiden Neueinrichtungen 
mögen die materielle Lage der Zeitung verbessert haben, aber 
('Olbatzkv nahm in ihrem Interesse auch einen Gedanken 
wieder auf, dessen Verwirklichung er schon vorher erstrebt 
hatte. Daß er sich seit 1794 im Besitz des Privilegiums 
befand, schien ihm doch noch kein genügender Schutz gegen 
Beeinträchtigung und Nachdruck von außen. Er wandte sich 
im Jahre 1800 an König Friedrich Wilhelm IIL mit der Bitte 
um Verleihung eines eignen Privilegiums auf seine Zeitung 
oder um Erneuerung des durch Kauf in seinen Besitz über- 
gegangenen alten Franckeschen Privilegiums für die unter 
dem neuen Titel weitererscheinende alte Hallische Zeitung. 
Er war diesmal glücklicher mit seinem Gesuch als im Jahre 
1792. Der König willigte in seine Bitte und erteilte dem 
Magister ein eigenes Privilegium auf seine bis hierher unter 
dem Namen des Halleschen Kuriers herausgegebene Zeitung, 
indem dadurch gleichzeitig das ursprüngliche Zeitungs- 
privilegium des Waisenhauses für erloschen erklärt und damit 
die Fortsetzung der alten Hallischen Zeitung als Hallescher 
Kurier auch von der Seite der Regierung anerkannt wurde. 
Diese Kabinetsordre datiert vom 5. April 1800. Für Nach- 
druck und unbefugten Vertrieb des Kuriers in allen 
preußischen Provinzen droht sie Konfiskation der Exemplare 
an und „eine willkührliche Geldstrafe, davon die Hälfte dem 



— 99 — 

Fisco, die Hälfte dem Impetranten zu entrichten". Ebenso 
wird ausdrücklich die Einführung auswärts nachgedruckter 
Exemplare untersagt. Die Kabinetsordre fährt dann fort: 
,,Wir und Unsere Nachkommen wollen auch mehrgedachten 
^Magister Czlolbzaczky bei diesem Privilegio hiermit jederzeit 
allergnädigst schützen, handhaben und erhalten. Wogegen 
der Impetrant bei Verlust des Privilegii schuldig und 
gehalten ist: 

1. seine Zeitung um einigen billigen Preiß zu verkaufen 
auch bei den Insertionsgebühren eine gleiche Billigkeit 
zu beobachten, 

2. in Ansehung der Censur sich nach dem Inhalte des 
Censur-Edikts vom 19. Dezember 1788 und den deshalb 
ergangenen neueren Verordnungen auf das genaueste 
zu achten, 

3. alle Landesherrliche Inserenda unentgeldlich darin 
aufzunehmen, 

4. die bisher jährlich gezahlte Eecognition von Drejssig 
Thalern für die ihm verstattete Aufnahme aus- 
ländischer Inserendorum fernerhin jedesmahl Anfangs 
Juny an das dortige Intelligentz-Comtoir zu entrichten, 

5. Einländische Inserenda aber, welche bezahlt werden, 
wozu alle gehören, die ein Interesse privatum betreffen, 
nicht eher in seine Zeitung aufzunehmen, bevor selbige 
nicht dem dasigen Adreß-Comtoir zur ebenfalsigen 
Insertion ins Intelligentz-Blatt, so oft der Inserent 
solche verlangt, vorgezeigt und die Insertions-Gebühren 
dafür bezahlt worden sind. 

6. Ein Exemplar an das Departement der auswärtigen 
Geschäfte und drey Exemplare, sowie die Zeitung 
Stückweise herauskommt, an das General-Directorium 
unentgeldlich durch das Halle'sche Postamt ein- 
zusenden." 

7* 



r00506A 



- 100 — 

B<»i der Erwähnung der ausländischen Inserenten im 
Punkt 4 dieses Privilegiumabsehnittes macht Hirt die 
Ik»mcTkung, daß es sieh hier um die Inserate für den erwäüinten 
Wohlfahrt«- und Erbsehaftsboten handle, die Inserate und 
sonstigen Nachrichten für dieses Blatt sollen dem Magister 
gnißtt^n teils über Amsterdam, erst später über Hamburg 
zugekommen sein. Zum Punkt 5 sagt Hirt, daß die Hallische 
Zeitung bis 1800 von dem Intelligenzzwang befreit gewesen 
zu s(»in scheint.*) Von den 6 besonders hervorgehobenen 
Punkten des Privilegiums hat jeder sein Interesse. Namentlich 
wird einem billigen Preise das Wort geredet, wenn man 
berücksichtigt, daß doch z. B. das Jahresabonnement der 
Allgemeinen politischen Zeitung zuletzt 4 Reichstaler kostete, 
so wird man bei dem für die damalige Zeit wirklich hohen 
Preise die Forderung der Billigkeit durchaus für gerechtfertigt 
halten, und daß die Regierung sich hierfür verwandte, stellt 
ihrem Verständnis für den Nutzen und die Bedeutung der 
Zeitungen für die Bevölkerung das beste Zeugnis aus. Auch 
das Verlangen, die Bekanntmachungen der Regierungs- 
behördpn umsonst aufzunehmen, ist nicht zu verwundern, das 
wird wohl auch schon früher so gewesen sein. Die aus- ] 

ländischen Inserate, die dem Intelligenzzwang nicht unter- 
lagen, müssen ganz einträglich gewesen sein, worauf die 
jährliche Abgabe von 30 Talern hindeutet. Ob aber die 
Ilallische Zeitung wirklich, was die einheimischen Anzeigen 
anlangt, von dem erwähnten Zwange bis zum Jahre 1800 
befreit war, läßt sich mit Sicherheit nicht sagen, hindernd 
wäre er die langen Jahre vorher nicht gewesen ; denn wir haben 
gesehen, daß die heimischen Anzeigen immer nur in sehr 
beschränktem Maße vertreten waren, während es für die 
manchmal spaltenlangen Anzeigen und Bekanntmachungen 
der Behörden und Gerichte doch nichts gegeben hat. Aber 
für die Zeitung in den jetzigen Jahren war der ausdrückliche 



1) Vgl. Seite 31. 



- 101 — 

Hinweis im Punkt 5 wichtig genug, weil, wie wir bald sehen 
werden, der Hallesche Kurier verhältnismäßig sehr viel 
Inserate brachte. 

Unter dem erneuten Königlichen Schutze entwickelte 
sich der Hallesche Kurier schnell und gut. Die Stärke der 
Auflage folgt am besten daraus, daß die Zeitung in zwei 
Druckereien, bei Schimmelpfennig und bei Bänsch, gedruckt 
wurde, die Teilung des Druckes wird sich aber wohl auf die 
Zeitung selbst und ihre Beilagen beziehen. Doch leider konnte 
sich Colbatzky der mit so großem und erfolgreichem Eifer 
herbeigeführten Entwickelung nicht allzulange erfreuen. Das 
schwere Unglück des Vaterlandes und besonders auch unserer 
Stadt in den Jahren 1806 bis 1808 traf den Halleschen Kurier 
und seinen Redakteur und Herausgeber mit vernichtender 
Gewalt. Die napoleonische Zeit und der persönliche Einfluß 
dieses Giganten auf die Presse überhaupt wird in einer 
Darstellung des Zeitungswesens speziell auch des Deutschen 
immer einen besonderen Abschnitt erfordern. Der scharfe 
Polizeizwang, mit dem Napoleon so häufig in ungerechter 
Weise die deutschen Zeitungen belegte, ist ja bekannt. Mit 
den unglücklichen Oktobertagen des Jahres 1806 trat nun 
auch hier in Halle an Stelle der gerechten und gesetzmäßigen 
Hegierung Preußens die willkürliche und häufig genug 
ungerechte Herrschaft des Franzosen. Wie Napoleon selbst 
gegen unsere Stadt verfuhr, und wie speziell die Universität 
und die ihr Nahestehenden seinen Zorn fühlen mußten, ist 
ebenfalls bekannt. Wie es auch anderweit öfter geschehen 
ist, wurde auch der Hallesche Kurier zeitweilig verboten. 
Einem Briefe des Divisionsgenerals und General gouverneurs 
von Berlin, von Clarke, vom 26. Mai 1807 ist zu entnehmen^ 
daß der Hallesche Kurier schon vor dieser Zeit „wegen seiner 
wenig umsichtigen Haltung" unterdrückt und sein Heraus- 
geber, der Magister Colbatzky, gefangen gesetzt war. Nur die 
Eücksicht auf die schwerbetroffene Familie des Gefangenen 
hat, wie es in dem Schreiben heißt, den Gouverneur zur Frei- 



— 102 — 

la«**un^ <IrM Clolbzacrky und tnr Aufhebung der verhängten 
/4*itnngMHUH|N*nHion bewogen. Der Magister gehörte zweifellos 
zu <len Fatrioten; da« whwere ünglüek und der Übermut der 
Franzowui wird ihm zu manchem »eharfen Wort in seiner 
Zritung veranlaßt hab(*n, was seiner persönlichen Sicherheit 
und d<T ruhigen Entwickelung di»r Zeitung nicht dienlich sein 
konnte*. Wir halN*n ja whon weiter oben gesehen, daß er im 
Anfang der neunziger Jahre in Ik»rlin gelegentlieh Anstoß 
frr<»gte, wie viel eher konnte das nun jetzt in Halle der Fall 
H«»in, wo die» franzr^HJwhe Verwaltung schon in jedem geraden 
Manne einen gefährlichen Feind witterte. Es ist auch mir 
nicht mr>glich, einen Beweis für den vielleicht sehr scharfen 
Ton Meiner Artikel aus den Jahren 1806 und 7 zu erbringen, 
eine Nummer vom Jahre 1805 (6. August) gibt keinerlei 
Anhalt für scMuen FranzosenhaB, wenn ja auch damals an 
ein(»n Krieg zwischen Prt»ußen und Frankreich noch nicht zu 
denken war. War aber der Argwohn der Franzosen gegen den 
Magist(T einmal rege geworden, so schlief er auch nicht wieder 
ein. Schon die weite Verbreitung des Halleschen Kuriers auf 
dem Lande, wo der Haß gegen den Eroberer immer gleich 
groß und stark blieb wie die Treue und Liebe zum Könige, 
er8chi(»n den Franzosen als genügender Grund, gegen die 
Zeitung erneut vorzugehen. Die Regierung des im August 
1807 g(»gründeten Königreichs Westfalen leitete schon im 
Jahre 1808 Schritte ein, um Colbatzky den Aufenthalt in Halle 
zu verleiden, dadurch, daß sie ihm die Redaktion der Zeitung 
nahm. Nach Ilirts Ansicht hat bei den zwischen dem 
Unterrichtsministcr Simeon in Kassel und dem damaligen 
Direktor der Franckesclien Stiftungen, August Hermann 
Niemeyer, gepflogenen Verhandlungen besonders die anti- 
französische Cresinnung Colbatzkys die Veranlassung zu dem 
Rat gegeben, den Magister abzusetzen. Niemeyer soll auch 
hierbei mitgewirkt haben. Dieser Hirtschen Auffassung steht 
die Darstellung gegenüber, die — wie erwähnt — auf Mit- 
teilungen Dryanders beruhend, in den Neuen Mit- 



— 103 — 

teilungen XVI im Anschluß an Hirts Abhandlung von Opel 
gegeben ist. Hiernach ist es nicht aktenmäßig, „daß dem 
Magister Clolbzaczky das von ihm erkaufte Zeitungs- 
privilegium von der westfälischen Eegierung wegen seiner 
patriotisch-preußischen Gesinnung entzogen worden ist, und 
daß der Kanzler Niemeyer darauf mit eingewirkt hat. Letzterer 
hat zu den diesseitigen Akten ausdrücklich registriert, es sei 
von der Direktion der Franckeschen Stiftungen nicht der 
geringste Versuch gemacht worden, ein von deren Vorgängerin 
seiner Zeit (1768) verkauftes Privilegium wiederzugewinnen. 
Der Zusammenhang ist der gewesen, daß Professor Tieftrunk 
darauf hin, daß mit der Regierungsveränderung auch das 
Privilegium des Magisters Clolbzaczky erloschen sei, durch 
den Souspräfekt Frantz für sich das Recht der Zeitungs- 
redaktion beantragte und für den Fall der Bewilligung die 
Gewährung einer Abgabe an das Waisenhaus zusagte. Der 
Präfekt sprach sich gegen den Staatsrat von Müller dahin aus, 
daß er es bei einem neuen Zeitungsprivilegio für Halle weder 
mit dem einen noch mit dem anderen Liebhaber zu tun haben 
wolle, sondern nur dafür stimmen könne, daß dem Waisen- 
hause zurückgegeben werde, was ihm schon früher gehört habe, 
und was ihm ohne Zustimmung irgend einer Schulbehörde 
vergeben sei, weil es gerade damals nichts eingebracht habe. 
Der jetzige Redakteur habe die kleine Summe von 200 Talern, 
die er an die zweite Hand gezahlt, längst mit großem Gewinn 
erstattet erhalten. Ein Reskript des Ministers des Innern und 
der Justiz, Simeon, setzte den Kanzler von dem Antrage des 
Professors Tieftrunk in Kenntnis und forderte ihn zur 
Erklärung auf über die Compatibilite de ce privilege avec ceux, 
qui sont dejä accordes pour la maison des Orphelins und über 
die Annehmbarkeit des Anerbietens. Der Kanzler konnte 
erstere nur bejahen, bat aber, ihm eventuell zu gestatten, 
selbst den geeignetsten Redakteur und denjenigen, der die 
besten Bedingungen stelle, auszuwählen. Dieses wurde 
genehmigt, dann aber auf Ansuchen von dem Präfekten mit 



— 104 - 

Tioftriiiik und C'lolbzaczky über die zu machenden 
Anerbiet ungen näher verhandelt, worauf man sieh entschied, 
erHt(»rem den Vorzug zu geben und mit ihm einen Kontrakt 
whloß, den der Mininter dann genehmigte. Clolbzaczkv ist 
danach keiiicHweg« zum Märtyrer seines Patriotismus 
geword<»n. Der Kanzler aber hat, wie er bereits in dem ersten 
l^richte aussprach, daß es, wenn der bisherige Redakteur sich 
zu gleichen Anerbietungen wie Tieftrunk verstehe, gerecht 
sei, ihm die Redaktion wieder zu übertragen, auch bei 
Vorlegung des Kontrakts mit Tieftrunk es wiederiim betont, 
„daß es ihm hart erscheine, Clolbzaczky so gerade aus seinem 
Besitz zu heben und ferner um alles nicht möchte, daß auf dem 
Waisenhaus ein (rroschen ungerechten Gutes haftete." 

Ich führe zunächst die Tatsachen weiter: Jedenfalls wird 
regierungsseitig verfügt, daß Tieftrunk vom 8. September 1808 
zum Redakteur des Ilalleschen Kuriers ernannt und dies am 
5. September dem Magister mitgeteilt wird, zugleich wird 
ihm die Herausgabe des gesamten Redaktionsmaterials 
anbefohlen. Colbatzky erhebt sofort gegen seine Entlassung 
Beschwerde und begründet sie mit dem von ihm erkauften 
und durch das Privilegium Friedrich Wilhelms III. vom 
5. April 1800 bestätigten Rechte. Daraufhin erhält er am 
8. September 1808 von der westfälischen Unterpräfektur in 
Halle folgenden Bescheid, der von Frantz unterzeichnet ist: 
„Die von dem Minister Simeon Excellenz in Betreff der 
Redaktion der hiesigen politischen Zeitung getroffene Ver- 
fügung kann ich, da derselbe seine zureichenden Gründe 
gehabt haben muß, durchaus nicht abändern, und da das 
Waisenhaus hierselbst bereits mehrere Vorkehrungen und 
Veranstaltungen zur Ausübung des ihm erteilten Privilegii 
getroffen hat, von der unterm 5. huius erteilten Resolution 
keineswegs jetzt abgehen. Wenn übrigens der Herr Magister 
glaubt, daß ihm sein bisheriges Privilegium ohne Grund und 
auf eine unrechtmäßige Art genommen sey, so ist derselbe sehr 
irrig. Der neue Regent hat allerdings das Recht, Privilegien 



— 105 — 

seiner Vorgänger abzuändern, besonders bei veränderter Staats- 
verfassung, und verweise ich den Herrn Magister dieserhalb 
auf seine Eingabe vom gestrigen Tage, worin er selbst anführt, 
daß sein bisher ausgeübtes Privilegium vormals dem hiesigen 
Waisenhause zugestanden habe und im Jahre 1800 für 
erloschen erklärt worden sey. Wenn dieses wirklich der Fall 
gewesen ist, um wie viel mehr muß ein dergleichen Wider- 
rufungsrecht einem neuen Regenten bey veränderter Staats- 
verfassung zustehen !" Hierbei beruhigte sich jedoch Colbatzky 
nicht und richtete eine weitere Beschwerde an die nächst 
höhere Instanz, die Präfektur des Saaldepartements in Halber- 
stadt. Diese aber verbot ihm rundweg am 22. Dezember des 
gleichen Jahres die fernere Herausgabe seiner Zeitung. Damit 
war dem Magister Colbatzky endgültig jedes Eecht an seinem 
Halleschen Kurier, dessen Namen er übrigens selbst schon in 
„Teutscher Staats-Bothe" oder „Deutschlands Staatsbote" 
umgeändert zu haben scheint, genommen. Eine Zeitungs- 
nummer vom 1. Dezember 1808 ist schon von Tieftrunk 
redigiert. 

Was nun die Gründe der Absetzung Colbatzkys anlangt, 
so stehe ich weder auf Seiten der Ansicht Hirts noch auf der 
Opels-Dryanders. Zwei Faktor en haben in gegenseitiger 
Unterstützung meines Erachtens die Katastrophe herbei- 
geführt: Tieftrunk und die politische Haltung des Magisters. 
Tieftrunk war seit 1792 Ordinarius an der Hallischen 
Universität. Er scheint zu den größten Dunkelmännern der 
damaligen Zeit gehört zu haben. Schon daß er ein Günstling 
und Freund Wöllners gewesen ist, spricht gegen ihn. Er 
wurde von ihm zum Professor der Philosophie ernannt und hat 
auch theologische Vorlesungen halten dürfen. Wenn aber der 
ruhige Schrader in seiner Geschichte der Friedrichs-Universität 
den Verdacht ausspricht,^) Tieftrunk sei von WöUner als 
Helfer seiner kirchlichen Pläne bestimmt gewesen, wenn 



1) Schrader I, 407. 



— 106 — 

Si'hrador der Annahmo nicht widewpricht, Tieftrunk sei ein 
Auf|>aHH<»r für Niemoyer gewi^öon, wenn schließlich der Kurator 
(U'T rniv«»r»ität von Massow in einem offiziellen Bericht dem 
Tieftrunk einen zweideutigen Charakter nachsagt, so genügt 
dan vollkommen, um auch hier 1808 in der Angelegenheit der 
Zeitung ihm unsaubere Beweggründe vorzuwerfen. Als 
Professor hat er es nie zu Einfluß gebracht, wie soll der Mann 
dazu kommen, für den Fall, daß ihm die Redaktion übertragen 
wird, dem Waistnihaus freiwillig eine Abgabe, die dann sehr 
bedeutend war — für 625 Exemplare 365 Franken und 
25 Centimen — , anzutragen, wenn er nicht hoffte, durch die 
Herausgabe der Zeitung einen wesentlichen Einfluß auf die 
veränderten Verhältnisse zu gewinnen? Er wird, das läßt sich 
allerdings nicht belegen, an den entsprechenden Stellen die 
Absetzung Colbatzkys betrieten haben. Als zweiter Faktor 
bei d<'r Absetzung Colbatzkys kam dann noch hinzu, daß der 
Magister sich durch seine politische Haltung tatsächlich miß- 
liebig gemacht hatte, dafür zeugt doch seine vorübergehende 
Ciefangennahme und die gelegentliche Suspension der Zeitung. 
Dafür spricht vor allem auch das Verhalten Colbatzkys gegen 
die Zensur, vom Hagen*) sagt in seiner Schrift: Die Franzosen 
in Halle: Der französische Prediger Blanc — er hatte in 
dem Geschäftsverkehr zwischen dem Magistrat und den 
französischen Behörden die nötigen Übersetzungen zu besorgen 
— habe auf Anordnung des Kommandanten das Manuskript 
des Kuriers durchgesehen, aber, weil der Redakteur ungeachtet 
mehrere von ihm durchgestrichene Stellen abgedruckt hätte, 
den Kommandanten gebeten, ihn von diesem Auftrag zu 
entbinden. Niemeyer hatte sich doch, daß ist klar ersichtlich, 
auch mit der Weiterführung der Redaktion durch Colbatzky 
einverstanden gezeigt, bei seinem bekanntlich großen Einfluß 
ist es nicht anders möglich, daß doch Tieftrunk große 
Fürsprecher gehabt und der ^lagister sehr mißliebig gewesen 



1) Vom Hagen, Die Franzosen in Halle 1806—1808, 97. Halle 1871. 



— 107 — 

sein muß, wenn sich die westfälische Kegierung dafür 
entschied, dem Tieftrunk den Vorzug zu geben. Was die 
TBchtliche Seite des ganzen Vorgangs anlangt, so ist dem 
Magister Colbatzky sicher unrecht geschehen. Natürlich kann 
nicht bezweifelt werden, daß die Regierung von Westfalen das 
Recht besaß, das Weitererscheinen der Zeitung zu verbieten 
und den Magister als Redakteur abzusetzen, denn Colbatzky 
war ihr Untertan. Weil aber dieser seiner Zeit das 
Privilegium gekauft und vom preußischen Könige eine 
Bestätigung desselben in Form einer Neuverleihung erhalten 
hatte, so war es recht und billig, dem benachteiligten Magister 
eine Entschädigung zu geben; doch nichts von dem, er mußte 
fliehen. Daß er übrigens einen rechtlichen Anspruch an die 
Franckeschen Stiftungen hätte geltend machen können, ist 
eine Ansicht, die sogar die preußische Regierung gehabt zu 
haben scheint. Was Niemeyers Stellung in der Frage 
anlangt, so erscheint es sicher, daß er nicht gegen den Magister 
war, ja sogar das Unrecht einsah, das diesem von der west- 
fälischen Regierung getan wurde. Verwunderlich jedoch bleibt, 
wie er, trotzdem er die compatibilite des Colbatzkyschen 
Privilegiums mit denen des Waisenhauses ausdrücklich bejaht, 
dennoch daran festhält, daß von 1808 ab vom Herausgeber 
des Kuriers oder Staatsboten an das Waisenhaus eine Abgabe 
gezahlt werden sollte; er will sogar den zum Redakteur 
wählen, der das meiste bietet. Im Interesse der Stiftungen 
war ja die Forderung ganz gut, aber sie war nicht berechtigt. 
Mochte das Privilegium auch 1768 zu billig und ohne 
Erlaubnis verkauft worden sein, Friedrich Wilhelm III. hatte 
doch jedenfalls 1800 den veränderten Zustand sanktioniert, 
und damit jeden Anspruch des Waisenhauses abgewiesen. 
Das Ergebnis für die Geschichte der Zeitung ist das: 
Das Privilegium bezw. das Recht, die Hallische Zeitung 
herauszugeben, gehört auf Königlich Westfälische Anordnung 
hin von 1808 an wieder dem Waisenhaus, das die Ausübung 
seines Rechtes gegen eine bestimmte Summe verpachtete. 



- 108 — 

SiH'h woiiigi»s üIkt (\)lbatzky: Der Magister floh nach 
Hiirp b«*i Magdeburg, da« Städtehen gehörte zu Preußen. Hier 
wtzte er die Herausgabe der Zeitung fort und wählte für 
ven«c*hi<»dene Ausgaben aueh verwehiedene Titel. Die für 
Kurg bestimmten heißen „Burgseher Kurier", die für 
auswärts und iK^sonders für Halle bestimmten „Teutscher 
Staats- Rothe". Fricnlrieh Wilhelm III. hatte ihm die Heraus- 
gnb<> der Zeitung am 4. Juli 1809 gestattet, doch bald sieht 
(\)lbatzky sieh g(»zwungen, den einheitlichen Titel „Burgscher 
Kurier" zu wählen. Die Verbindung mit seiner Vaterstadt 
und die Hoffnung, dahin zurückkehren zu können, hat er nie 
aufgegel)en. Deswegen nannte er seine Zeitung auch 1817 
„Hallescher Burgscher Kurier", dann „Halle-Burgscher Kurier" 
und schließlich „Halle-Burgsche Kurierzeitung". (Heute ist 
sie übrigens die Burgsche Zeitung.) Die Zeitung soll auch 
noch in Halle viel verbreitet gewesen sein. Aber im Jahre 1817 
wurde ihm durch die Regierung jede Hoffnung genommen, 
wieder in den Besitz der alten Zeitung zu kommen. Er erhielt 
nämlich auf ein dahin gehendes Immediatgesuch von der 
Regierung in Merseburg folgende Antwort:*) „Daß er durch 
die Erlaubnis, in Burg eine Zeitung herausgeben zu dürfen, 
für den durch die Westfälische Regierung mittels allgemeinen 
Gesetzes verfügten Verlust jenes Privilegii hinreichend 
entschädigt worden sei." „Da Sie indessen," heißt es weiter, 
„das Privilegium früher erkauft zu haben scheinen, so müssen 
wir ihn lediglich überlassen, ob Sie irgend einen rechtlichen 
Anspruch gegen die Stiftung geltend zu machen sich veranlaßt 
finden möchten." Es ist kein Anhalt dafür vorhanden, ob 
Oolbatzky einen solchen Anspruch geltend gemacht hat. 



Wir wenden uns nun an der Hand der mir vorliegenden 
drei Exemplare des Kuriers aus der Zeit von 1794 — 1808 zu 

>) Hirt, Neue Mitteilungen XVI, 395 flf.; vgl. Seite 107. 



— 109 — 

einer kurzen Betrachtung der Zeitung selbst. Unsere letzte 
Notiz von der Hallischen Zeitung für Staats- und Gelehrten 
Sachen ging dahin, daß die Zeitung wöchentlich einmal und 
zwar Montags erschien. Auch der Hallesche Kurier erschien 
nur einmal in der Woche, im Jahre 1797 am Donnerstag. Das 
Äußere der Zeitung zeigt mit genügender Deutlichkeit die 
beigegebene Nachbildung*) des 19. Stückes vom 11. Mai 1797. 
Im Gegensatz zu früher wird jetzt die ganze erste Seite der 
Zeitung von dem Titel eingenommen. Der Titel: 

Hallcscher Kurier. 



Im Gespräch mit einem Bauer 
von den neuesten 
Zeitgeschichten und Welthändeln, 
wird durch den interessanten Holzschnitt darunter illustriert. 
Außer der Nummer der Zeitung und dem entsprechenden Tage 
wird hier auch, wie es bei dem Druck von Büchern üblich war, 
Halle als Erscheinungsort genannt mit dem Zusatz: „zu 
bekommen im Königl. priv. Zeitungs-Komtoir am Markt." Die 
Abbildung des Holzschnitts macht es überflüssig, näher auf 
ihn einzugehen, hervorheben will ich nur, daß auch hier wieder 
der Adler erscheint. Die einzelne Nummer umfaßt wenigstens 
8 Seiten, doch kommen auch Nummern mit 10 und 12 Seiten 
vor, jede Seite ist in zwei Spalten geteilt. Der Titel sagt ja, 
daß die neuesten Zeitgeschichten und Welthändel im Gespräch 
erzählt werden sollen. Der Holzschnitt zeigt die Ankunft des 
reitenden Postboten oder Kuriers. Dieser eröffnet auch immer 
das Gespräch mit einer kurzen Übersicht. Sie lautet in der 
Mainummer von 1797: „Gleichsam ein Sturm treibt jetzt die 
Räder der Zeit und auch der Politik. Völker zorniger Zwist 
und friedliche Bündnisse, Völkerfluch und Völkersegen 
wechseln blitzschnell mit einander, und nahe ist der Tag 
herbeigekommen, wo man algemein jubeln kan: Alle Fehde 



1) Vgl. Beilage 3. 



- 110 — 

hat nun ein Ende! Man fragt zwar „wird dieser Nothfriede 
aueli von langer Dauer Hein?" Es gehört aber für ganz Europa 
Zeit dazu, die weiten Wunden auszuheilen, welche der Krieg 
den Finanzen geschlagen und überall die Staatsschulden 
vermehrt hat. — Heil Österreich und Frankreich 1 — es freut 
sich schon jeder über die Segnungen des Friedens." Dann 
folgen die Nachrichten aus den einzelnen Landern, anstatt der 
fniheren Überschriften stehen jetzt an dieser Stelle die Fragen 
des Bauern, der genau im ländlichen Dialekt spricht, z. B.: 

Bauer. Was hürt mern heut vur Nauigketen? 

Kurier. Halle a. 11. May. „Die neusten Briefe aus 
Prag enthalten, daß General Bonapart selbst die vom pariser 
Direktor ratifizirte Friedensakte nach Wien an den Kaiser 
überbringt." 

Bauer. Was schwazt mern im Frankenlande? 

Kurier. Erlangen vom 4. Ma^. „Der regierende 

Fürst von usw." 

Ähnlich sind die anderen Fragen des Bauern. Wie 
siehts denn jetzt in Italien aus? Was schwazzen denn die 
Holländer? Was erzählen sich denn die Frankreicher? Was 
hürt mern vunnen Schweden? Wie stehts mit den türkschen 
Rewellen? Die jüngste Nachricht ist natürlich die aus Halle 
vom 11. May, die älteste aus Semlin über die Türken vom 
10. April, die übrigen reihen sich je nach Entfernung und 
Verbindung ein. Im wesentlichen ist die Schnelligkeit der 
Berichterstattung wenigstens von weiteren Entfernungen her 
nicht größer als früher, nur die Nachrichten von den Haupt- 
städten scheinen jetzt schneller zu kommen. So findet sich 
aus Petersburg eine Nachricht über die Kaiserkrönung in 
Moskau, die kaum 14 Tage alt ist. Die kritischen Bemerkungen 
der Redaktion sind doch immerhin selten, was will ein „Große 
Herren fehlen auch !" besagen. Interessant ist es, wenn der 
Kurier unauffällig kleine erklärende Wendungen einschiebt, 
z. B. der Doge oder „Die Regierung von Venedig." Von 
wichtigeren Nachrichten aus dieser Nummer sind die Friedens- 



— 111 — 

präliminarien zwischen Österreich und Bonaparte (zu Leoben) 
sowie die Meuterei englischer Matrosen auf der großen Flotte 
zu Portsmouth zu nennen. Dort werden die Hauptpunkte des 
Friedens abgedruckt, hier eine Darstellung des Aufruhrs und 
seiner Beilegung gegeben. Diese Nachrichten füllen drei 
Seiten und eine Spalte. Die übrigen 4 Seiten und eine Spalte 
enthalten Anzeigen und Inserate. Die Zeilenzahl in den Nach- 
richten hat sich nicht wesentlich gegen die frühere Zeit 
geändert, die Spalte enthält dort 47 Zeilen, im Anzeigenteil ist 
der Druck kleiner, so daß 59 Zeilen in einer Spalte stehen. Die 
Inserate setzen sich zur Hauptsache aus Verkaufs- und Ver- 
pachtungsanzeigen zusammen, in gleicher Stärke sind hier 
Stadt und Land vertreten und von diesem nicht nur die aller- 
nächste Umgebung. Außer einer längeren behördlichen 
Bekanntmachung über die Anwendung einiger Paragraphen 
des Landrechts auf Militairpersonen kommen noch Stellen- 
gesuche, Leipziger Meßanzeigen und Bücherankündigungen 
vor. In den beiden andern Nummern sind 6V2 bezw. 7 Seiten 
mit Inseraten gefüllt, man sieht also, wie wichtig in der 
damaligen Zeit dieser Teil der Zeitung war. Wenn in dem 
erneuerten Privilegium vom Jahre 1800 der Intelligenzzwang 
auch für den Halleschen Kurier ausdrücklich als bestehend 
bezeichnet wird, so scheint das der Zeitung nicht geschadet zu 
haben, denn der Anzeigenteil wurde immer größer. Die mir 
weiter vorliegende Nummer 9 vom 28. Februar 1799 (das 
Titelblatt fehlt) zeigt keinerlei wesentliche Veränderung 
gegen die vorherige Nummer. Die Anordnung des StofiEes ist 
die gleiche geblieben. Den neuesten und wichtigsten Nach- 
richten aus den verschiedenen Gegenden schließt der Kurier 
auch noch ältere Mitteilungen und erklärende Bemerkungen 
an, die durch kleineren Druck gekennzeichnet sind. Die 
Schreibweise der Fremdwörter ist ganz der deutschen Aus- 
sprache angepaßt. Hirt sagt über Colbatzkys Arbeitsweise für 
seine Zeitung, daß er es seine erste Sorge sein ließ, wieder eine 
geregelte auswärtige Korrespondenz einzuführen, wie. sie 



— 112 — 

vormalH unter A. IL Francke beBtanden hatte. Colbatzky hat 
nach Hirt lierichterstatter auf den wichtigsten Plätzen der 
Welt unterhalten, denn ihre Manuskripte, namentlich aus den 
KriegHJahren, finden sich hier und da im Nachlaß. Ohne 
Zweifel bezog er auch die wichtigsten auswärtigen Zeitungen, 
dies geht aus dem gelegentlichen Hinweis auf fremde 
Zeitungen deutlieh hervor. Über auswärtige Mitarbeit gibt 
uns die Zeitung selbst einen kurzen aber wertvollen Aufschluß, 
bei dem wir sogar den Preis für die Mitarbeit erfahren. Auf 
dem Titelblatt des 22. Stücks der Zeitung vom 8. August 1805, 
der dritten mir vorliegenden Nummer aus Colbatzkys Zeit, 
steht unten folgende Anmerkung: „Wer hierin Etwas mit 
anzeigen will, mus schon Dienstags vorher solches aufgesetzt, 
und besonders den Termintag, Orts- und Personennamen 
deutlich geschrieben in's Komtoir besorgen, sonst kan man für 
Druckfehler nicht haften. Privatanzeigen werden gegen 
Komtoirschein gleich bezahlt, alle gerichtl. Inserenden aber 
nachher zu ihren Akten berechnet. Neuigkeitsbeiträge über 
wichtige Vorfälle, wenn solche vorher noch in keiner anderen 
Zeitung gestanden, und so viel davon aufgenommen werden 
kann, bezahlt man jedem geehrten Einsender 20 Thaler, für 
einen Bogen hierin. Aufträge aller Art werden von Aus- 
wärtigen zur besten Besorgung angenommen, und auch 
verlangte Sicherheit gestelt, wenn man sich in postfreien 
Briefen wendet: An — Königl. pr. Zeitungskomtoir — in — 
Halle." Außer durch den Zusatz dieser Anmerkung, die ja 
auch die Tätigkeit der Expedition beleuchtet, hat sich das 
Titelblatt nicht verändert, nur der Holzschnitt ist etwas 
anders geworden. Der Adler ist etwas höher gerückt 
und der zu Pferde ankommende Kurier hat noch 
einen Begleiter erhalten. Diesmal begrüßt der Kurier den 
Bauern mit folgenden Worten: „Friedenssonne verschleiert 
wieder ihr freundliches Angesicht, indem der Allerwelts- 
donnerer Krieg ihre liebliche Friedensstimme nicht zu der 
Menschheit Ohr vorkommen lasen wil. — O estreich 



- 113 - 

steht geharnischt, und wie ein Kriegsheld fertig zum Ehren- 
kampf, jedoch leitet Friedesliebe jeden Schrit. — Euslands 
Feuermänner fürchten keinen Kriegsdonner, aber man wil sich 
lieber in den Friedenskiinsten üben. — Frankreichs, 
Spaniens und Englands Seheiden dürften also noch 
länger ohne Fremder Hülfe auf den wilden Merswogen 
schaukeln, und gegen einander Dräublikke spielen. — 
Teutschland lebt glücklicher! — Es erfreut sich des Friedens 
und des Himmels reichen Segen." Seine Vorliebe für die 
Verhältnisse auf dem Lande verrät der Kurier gelegentlich der 
Mitteilung, daß ein Landmann in seinem Testament die Schule 
seines Heimatsdorfes mit einer ansehnlichen Schenkung 
bedacht hatte, indem er hinzufügt: Möchten doch mehrere 
Jugendfreunde seinem Beispiel folgen, und bald alle recht- 
schaffene Schullehrer von Nahrungssorgen frei lehren können ! 
Auch über Saatenstand und Ernte versäumt der Kurier nicht 
zu berichten. Der Anzeigenteil hat, wie schon oben erwähnt, 
beträchtlich zugenommen, bei dieser Nummer umfaßt er sogar 
7 Seiten, auch dem Inhalt nach ist er mannigfaltiger geworden. 
Es ist die erste Nummer, in der wir Familien- 
nachrichten finden. Der Inseratenteil wird durch zwei 
Heiratsanzeigen eröffnet. Der Buchdrucker und Buchhändler 
Leopold Bäntsch und der Geldwechsler J. G. Ludwig teilen 
ihren Anverwandten und Freunden ihre eheliche Verbindung 
mit. Dann folgt eine Einladung zum Vogelschießen in 
Naumburg, Bücheranzeigen, Stellengesuche usw. bunt durch- 
einander. Auch zu versteckten Mitteilungen wurden die 
Zeitungsinserate schon benutzt, oder was sollte folgende 
Anfrage bedeuten: 35 Ethlr. 10 Gr. 5 Pf. durch Vg dividirt, 
wie viel kommt? wünschet in Halleschen Kurier zu lesen 
M . . X . . ; denn, daß es dem Mann nur auf die Lösung 
angekommen wäre, ist doch wohl nicht anzunehmen. Wenn 
schließlich ein Hauptmann noch davor warnt, seinem Sohne, 
einem Fähnrich, etwas zu borgen, so muß man sagen, der 
Inseratenteil der damaligen Zeitung ist schon ein kleines 

8 



- 114 — 

Hild dfSM^n, wa« man heutzutage im Annoncenteil der Tages- 

blättcr findet. 

t^U'rftehen wir am Schlufi der Tätigkeit Colbatzkys für 
tVw HalU»Hcho Zeitung sein Wirken für sie, so finden wir, daß 
der Magister von weitgehendster Bedeutung für sie gewesen 
ist. Der Ausgang der 80er Jahre des 18. Jahrhunderts war 
für die Ilallische Zeitung sehr ungünstig gewesen, sie hatte 
wahrseheinlieh, unseres Eraehtens sicher, ihr Erscheinen ein- 
g<»stellt, wenn auch vielleicht nur für kurze Zeit. Aus dieser 
unglücklichen I-«ge rettet sie 1789 der junge Colbatzky, indem 
er zunächst im engen Anschluß an die damaligen Besitzer des 
Privilegiums die Ilallische Zeitung von Staats- und Grelehrteii 
Sachen herausgibt, er schließt 171)3 einen Kaufvertrag mit den 
Bertramschen Erben und gibt seit 1794 die alte Hallische 
Zeitung unter dem Namen des Halleschen Kuriers heraus, 
zunächst ohne die Bestätigung des Privilegiums durch den 
König, seit ISOO aber auch unter speziellem Königlichen 
Schutz. Er führt dann die Redaktion und den Verlag mit 
kurzer ITnterbrec*hung in der Zeit seiner Grefangennahme bis 
1808. In diesem Jahre wird er mit Gewalt aus seiner Stellung 
getrieben. Die Zeitung hat unter ihm und durch ihn eine große 
Wandlung erfahren. War sie zur Zeit ihrer engen Zugehörig- 
keit zu den Franckeschen Stiftungen und auch unter Colbatzky 
selbst noch, wie der Titel sagt „von Staats- und Gelehrten 
Sachen", ein Blatt gewesen, das doch vorzugsweise für die 
gebildeten Kreise bestimmt war, so wird die Zeitung als 
Hallescher Kurier ein Blatt, das mehr für die breite Masse des 
Volkes und nicht zum wenigsten auch für die ländliche 
Bevölkerung bestimmt war. Das geht aus der ganzen Art des 
oben näher beschriebenen Tones der Zeitung hervor. Aber 
diese volkstümliche, dem Verständnis des einfachen Mannes 
angepaßte Schreibweise hat der Zeitung außerordentlich 
genutzt. Sie muß damals eine Verbreitung besessen haben 
wie nie zuvor; ein guter Beweis hierfür liegt ja auch in der 
Größe des Inseratenteils. Aber die Freundschaft, die 



— 115 — 

Colbatzky seinem Blatte erworben hatte, war so groß, daß sie 
der Zeitung auch noch lange Zeit nach seiner Tätigkeit 
erhalten blieb, trotzdem sein Nachfolger, der Professor 
Tief trunk, sich bald als völlig ungeeignet für die Stellung als 
Hedakteur erwies. Der Name Colbatzkys wird in der 
Geschichte der Halleschen Zeitung daher immer eine vornehme 
Stelle zu beanspruchen haben. 



Nun kommen wir zur Geschichte des Hallaeehen Kuriers 
unter Tieftrunks Leitung. Wir hatten gesehen, daß der 
Professor Tieftrunk von der westfälischen Regierung am 
8. September 1808 zum Redakteur des Kuriers ernannt worden 
war.^) Hirt hat die Vermutung ausgesprochen, daß vielleicht 
Colbatzky schon selbst den Namen der Zeitung geändert hat, 
jedenfalls heißt die Zeitung von der Redaktionstätigkeit 
Tieftrunks ab: „Deutschlands Staatsbote", später „Deutsch- 
lands Kurier oder Staatsbote". Der Zusatz: Im Gespräch mit 
einem Landmann von den neuesten Zeitgeschichten und Welt- 
händeln, hat sich immer erhalten.^) Ob die Abgabe, die 
Tieftrunk dem Waisenhaus zahlen mußte, auch schon 1808 so 
groß war wie später, kann ich nicht feststellen, vom Jahre 
1810 ab aber hat sie für den Verkauf von je 625 Exemplaren 
365 Franken und 25 Centimen betragen, eine enorm hohe 
Summe. Wenn wir auch keine genauen Angaben darüber 
haben, es ist nicht wahrscheinlich, daß Tieftrunk für die Zeit 
von 1808 bis 1809 als abgabenfreier Besitzer des Privilegiums 
anzusehen wäre. Daran ändert auch der Nachsatz einer von 



M Vgl. Seite 104. 

2) Eckstein in dem mehrfach zitierten Programm, 46, sagt, daß der 
Kurier seit dem 1. November 1813 den Namen „Deutschlands Kurier oder 
Staatsbote" und seit dem 3. Juli 1817 den Namen „Hallischer Kurier oder 
Staatsbote" geführt hat. Diese Bemerkung ist jedoch nicht genau und 
scheint in ihrem letzten Teil auf einem Irrtum zu beruhen, wenigstens wird 
der Angabe Ecksteins durch den Titel der Zeitungen widersprochen. 

8* 



— 116 — 

Hirt erwähnten Kahiiiotsonlro Jeromes vom 13. Oktober 1809 
iiichtH. Sie iilxTträpt dem Professor die Herausgabe des 
Kurien* „auf seine (tefahr'^ unter der Bedingung der 
erwähnten Abgabe an das Waisenhaus und sagt, daß diese 
Abgabe auf das Privilegium gelegt sei, das Herr Tieftruak bis 
zum Tage der Ordre besessen hat. Eine Übertragung des 
Privilegiums an das Waist»nhau8 ist, nach Hirt, für künftige 
Zeit nieht ausgesprochen. Der Wechsel in der Redaktion, die 
Verhandlungen in Halle selbst und die Bestimmungen des 
Ministeriums in Kassel mögen durcheinander gegangen sein, 
es ergibt sich jedenfalls mit Sicherheit, daß die Franckeschen 
Stiftungen jedenfalls von 1810 an wieder als Besitzer des 
Privilegiums für die Hallesche Zeitung anzusehen sind, ganz 
gleich, ob das von der Behörde besonders ausgesprochen war 
oder nicht. Tieftrunk ist als der Pächter der Zeitung 
anzusehen. Er hat die Redaktion weiter geführt, aber mit 
keinem Erfolge, so daß seine Einnahmen sehr zurückgegangen 
s(;in müssen, denn er empfand bald die hohe Abgabe an die 
Stiftungen als unerschwingliche Last. Außerdem trat ihm in 
Halle eine nicht unwesentliche Konkurrenz entgegen. Schon 
im Jahre 1799 war das bereits früher einmal erwähnte^) 
„Hallische patriotische Wochenblatt", von Niemeyer und 
Wagnitz ins Leben gerufen, dem Kurier Colbatzkys an die 
Seite getreten, freilich zuerst wohl nur mit der Absicht, die 
Erträge des Blattes dem Armenwesen zunutze zu machen. Es 
war aber doch allmählich eine richtige Zeitung daraus 
geworden, die, gestützt auf den großen Anhängerkreis 
Niemeyers, sich ausbreitete und mit dem Kurier in Konkurrenz 
trat. Selbst aus dem Eingehen der Hallischen Wöchentlichen 
Anzeigen, des Intelligenzblattes, im Jahre 1810 wußte 
Tieftrunk keinen Vorteil für den Kurier zu ziehen. Von 
großem Schaden für Tieftrunk und sein Blatt war es, daß er es 
nicht verstand, sich und die Zeitung in den Dienst der 



1) Vgl. Seite 87. 



— 117 — 

Befreiungsidee zu stellen. Das gleich nach der Schlacht bei 
Leipzig eingesetzte Königlich Preußische Militärgöuvernement 
für die preußischen Provinzen auf dem linken Eibufer, das für 
die vorläufige Regelung der Verhältnisse sorgen sollte, gab 
eine eigne Zeitung^) hier in Halle heraus: Die ,jZeitung für 
die Königlich Preußischen Provinzen zwischen der Elbe und 
Weser". Die erste Nummer vom Dienstag, den 16. November 
1813 enthält am Schluß eine Darlegung der Absicht dieser 
Zeitung, sie entsprach, wenn sie auch zunächst hauptsächlich 
Verordnungen veröffentlichte, doch auch dem Plan, den der 
Kurier hatte. Colbatzkys Geschick wäre es sicherlich gelungen, 
seine Zeitung diesem Gouvernement zur Verfügung zu stellen. 
Jene Zeitung muß auch einen großen Ertrag geliefert haben, 
wenn man bedenkt, daß sie gleich im Anfang, gegen den 
gefaßten Plan, nicht einmal, sondern zweimal in der Woche 
erschien. Sie hat sich übrigens bis in die 20er Jahre des 
19. Jahrhunderts hinein gehalten.^) Dem Professor Tieftrunk 
war natürlich durch diese Neuerscheinung viel verloren 
gegangen, und so versuchte er zunächst, sich von der lästigen 
Abgabe an das Waisenhaus frei zu machen. Er focht das dem 
Waisenhaus durch die westfälische Regierung wieder über- 
tragene Privilegium zuerst im Jahre 1816 an. Sein Prozeß 
wurde dann 1824 in Naumburg wieder aufgenommen und 
entschieden. Tieftrunk hatte angeführt, die Abgabe sei eine 
auf Zeit und von einer fremden Regierung auferlegte gewesen, 
und deswegen stände dem Waisenhaus kein Recht zu, die 
Abgabe weiter zu erheben. Tieftrunk unterlag jedoch in dem 
Prozeß, und so ist das Waisenhaus bis rund zum Jahre 1850 die 
Besitzerin der Zeitung geblieben, bis auch hier durch die 
Verfassung eine Änderung herbeigeführt wurde. Hirts 



1) Vgl. Seite 85. 

2) Daß die Zeitung noch 1820 bestanden hat, zeigt ein mir vor- 
liegendes Anschreiben der Expedition an die Zeitungsleser aus dem 
Jahre 1820 vom 25. März. Es befltidet sich im Arfehiv det Franckeschen 
Stiftungen. 



— 118 — 

Ansicht, daß die Zeitung Tieftninks vor 1828 einging, ist nur 
innofem richtig, daß sie vielleicht ihr Erscheinen einstellte, 
aber Tieftrunk betrachtete sich auch noch 1828 als Redakteur 
der Zeitung und erließ sogar eine gedruckte Erklärung, nach 
der er seine Zeitung weiter herausgeben wollte, aber er war 
bereits von den Verhältnissen überholt. Von dem allmählichen 
Sehwinden des Ansehens des Kuriers gibt uns auch eine gleich- 
zeitige Ansicht Kunde, indem Hesekiel in seinen „Blicken auf 
Halle" 1824 sagt:*) „Halle hat auch eine besondere politische 
Zeitung, und der Hallische Kurier ist, wenn er auch von seiner 
früheren äußeren populären Eigenthümlichkeit manches auf- 
gegeben, hat, immer noch ein sehr gelesenes Blatt unter 
Hiirgem und Landleuten." Der letzte Teil des Satzes wird sich 
aber auch nur auf die Zeiten vor 1824 beziehen. Es muß 
Hchließlich noch erwähnt werden, daß vom Jahre 1820 ab der 
Sohn Tieftrunks seinen Vater in der redaktionellen Leitung 
unterstützt haben soll.') 

Aus der Zeit der Tieftrunkschen Eedaktion liegen mir 
im ganzen 5 Nummern vor. Die erste ist das dritte Stück aus 
dem Jahre 1809 vom Donnerstag, den 19. Januar; es ist also 
eine Nummer, die in den Anfang von Tieftrunks Tätigkeit 
gehört. An Stelle des Namens Hallescher Kurier ist der 
„Deutschlands Staatsbote. Im Gespräch mit einem Landmann 
von den neuesten Zeitgeschichten und Welthändeln" getreten. 
Man hat also den Ausdruck Bauer in den feineren Landmann 
verwandelt, und dementsprechend ist auch die volkstümliche 
Sprache des Bauern in die dialektfreie des Landmanns 
umgewandelt. Auch der Holzschnitt auf dem Titelblatt hat 
sich verändert. An Stelle des einfachen Kuriers, der sich auch 
in seinem Äußern nicht wesentlich von dem Bauern unter- 



i) Friedrich Hesekiel, Blicke auf Halle und seine Umgebung, 204 
Halle 1S24. 

«) Gustav Kertz, Die ReUgionsphilosophie J. H. Tieftrunks, 25. 
Berlin 1907. 



— 119 — 

schied, ist jetzt ein französisch gekleideter „Staatsbote" 
getreten, der zu einer Gruppe von Landleuten kommt, um ihnen 
seine Neuigkeiten zu erzählen. Das Wirtshaus ist durch das 
Schild mit dem Posthorn als Poststation gekennzeichnet. Das 
Titelblatt gibt auch ähnlich der früheren Anmerkung 
Aufschluß über die Zeitung und den Insertionspreis, den wir 
bisher noch nicht kennen gelernt haben. „Diese Zeitung 
meldet, zum Theil aus eigner dazu angelegter Korrespondenz, 
dem Bürger und Landmann aufs früheste und in gedrängter 
Kürze alles Wichtige und Wissenswerte der neuesten Welt- 
geschichte; giebt mitunter auch Winke und Rath. Wer 
hierdurch etwas will bekannt machen lassen, bezahlt für die 
Spalten-Zeile einen Groschen und muß solches, deutlich 
geschrieben, spätestens den Dienstag einsenden, wenn es nicht 
bis zum nächsf olgenden Stücke zurückgelegt werden soll. Alle 
Anzeigen und sonstigen Aufträge werden pünktlich besorgt 
werden und man wendet sich deshalb in postfreien Briefen an 
das „Königl. pr. Zeitungs-Komtoir zu Halle in der Galgstraße 
Numero 321." 

Die erste Textseite beginnt dann zunächst mit einem 
Schreiben an die Verbreiter und Leser dieser Blätter. Es ist 
deswegen von Wichtigkeit, weil wir ganz nebenbei erfahren, 
daß die Zeitung damals auch noch ein Beiblatt, wie unter 
Colbatzky, gehabt haben muß, den „Nordischen Seher" ; es 
könnte sich auch um ein zweites kleines Blatt handeln, das 
von Tieftrunk mit herausgegeben wurde. Das Schreiben ist 
auch deswegen von Interesse, weil es wieder eine Mahnung an 
die säumigen Zahler enthält. „Es gehen von mehreren Seiten 
Beschwerden ein, daß vielen Lesern dieser Zeitung und des 
Nordischen Sehers, beide Blätter, besonders in entferntem 
Gegenden, so unordentlich zukommen. 

Die Eedaction sieht sich bewogen, allen Liebhabern 
dieser Leetüre hiermit zu erklären, daß sie bei diesem Unwesen 
ganz außer Schuld sey. Wie der Leser hier alles Merkwürdige 
der Tagsgeschichte in bündiger Kürze und in einer, für jeden 



- 120 - 

|i^(»sundoii Verstnnd verHtändliehen Sprache erhält, so werden 
auch die lilättcr wlbst jederzeit pünktlich, reinlich und 
unvc»rwhrt an die lk*hörden (»ingeliefert. 

Man bittet daher alle, die sich mit Sammlung und Ver- 
breitung dies(^ Hlättcr beschäftigen, doch auch dahin zu sehen, 
daß sie auch allen Liebhal)ern eben so pünktlich, reinlich und 
unversehrt zugestellt werden. Ks ist dies nicht allein eine 
humane, sondern auch vertragsmäßige Verbindlichkeit. Wer 
sein (leld richtig bezahlt, will auch dafür richtig 
berücksichtigt seyn. — Zugleich erinnern wir auch an die 
richtige und prompte Einsendung der Abonnements-Gelder. 
I)(»nn eine Anstalt, welche dem lesenden Publikum für so 
geringe Kosten so nützlich seyn soll, welche, wo alles im 
Preise^ steigt, und ob sie gleich ihr Werk an Inhalt, Papier 
und äusserer Verzierung durch bedeutenden Aufwand 
annehmlicher gemacht hat, doch nicht im Preise stieg, eine 
solche Anstalt kann nur durch gegenseitige Pünktlich- 
keit bestehen und ist auch allein darauf berechnet. 

Noch erinnern wir, daß jeder seine Bestellung schon vor 

Ablauf des Quartals gemacht haben sollte. Wo aber dies 

dermalen noch nicht geschehen ist, da bitten wir, daß es bald 

geschehe; damit wir wissen, wen wir zu versorgen haben. 

Die Redaction der K. priv. Zeitung zu Halle." 

Auf dieses Anschreiben, das zugleich auch eine 
Abonnements-Einladung ist, folgt erst, wie es auch unter 
Colbatzky der Fall war, eine allgemeine Begrüßung seitens 
des Staatsbotens. Es ist keine kurze Übersicht der neuesten 
Ereignisse, sondern ein Neujahrswunsch. Man kann aber 
nicht gerade behaupten, daß die Sprache sehr einfach ist, es 
handelt sich außerdem auch noch um gebundene Rede: „Heil 
Euch, Thuiskos Enkeln ! zum neuen Jahr. Heil Euch zur 
Wiederkehr des prächtigen Gestirns. Phöbus wallt empor aus 
Südens stillem Ozean, hinauf zur Höhe seiner Bahn, heran zu 
Eurer Zonen Flur. Bald wird er schmelzend lüften den 
unschuldsfarbnen Schleier; bald wecken, bald, das große 



— 121 — 

Heer der Keime, die Nordens Kraft in sanftem Schlummer 
hält. Bald wird sein reines Licht die Nebelhüll' durch- 
brechen, bald wird's mit himmlisch-schönen Feuer in Euren 
Adern strömen, wird Balsam seyn dem Siechen, der sein harrt, 
wird Kraft dem Starken leih'n. O ! möge freundlich dann der 
Erde Sonne leuchten, wie freundlich Euch die Sonn' des 
Himmels grüßt." Dann folgen auf 3% Seiten die politischen 
Nachrichten, sie beginnen natürlich jetzt an der Spitze mit 
den Nachrichten aus dem Königreiche Westfalen. Es handelt 
sich hierbei nur um eine Nachricht von der Universität Halle. 
Das gibt der Redaktion Gelegenheit, zum Teil etwas pro domo 
zu sprechen. Der Fortbestand der Universität war noch 
immer nicht gesichert, besondere Furcht mochte wohl die 
stark zurückgegangene Zahl der Studenten hervorrufen. 
Tieftrunk macht aber die geistreiche Bemerkung: „Eine 
kleinere Zahl wohlgebildet ins Vaterland entlassen, sind dem 
Staate und der Menschheit ohne Zweifel willkommner, als ein 
großer Schwärm, wovon öfters kaum der Fünfte den 
Erwartungen entsprach." Darauf folgen dann die Nach- 
richten aus Preußen und den anderen Ländern. Der Abschnitt 
über den Krieg in Spanien ist verhältnismäßig lang. Von 
besonderem Interesse ist die Meldung aus Frankreich: „Gegen 
den H. B. von Stein (gewesenen Minister am Preußischen 
Hofe) ist ein Verhaftsbefehl auf den Betretungsfall an die 
Kriegsbehörden in Frankreich und die verbündeten Staaten 
ergangen."^) Den Schluß der Nummer bildet der 4 Seiten 
starke Inseratenteil, der Besonderheiten nicht aufweist. Bei 
den Bekanntmachungen des Eates der Stadt ist jetzt natürlich 
an die Stelle des Bürgermeisters und der Eatsherren der 
Maire getreten. 



i) Es bleibt dahin gestellt, ob das „H. B. von Stein" bedeuten soll: 
Herrn Baron von Stein, oder ob es sich um eine Nachahmimg des 
berüchtigten : un homme, nommö Stein, handelt. 



— 122 — 

Die nächste uns vorliegende Ausgabe der Zeitung ist das 
11. Stück vom Donnerstag, den 16. März 1809, es gehört also 
ebenfalls noch der allerersten Zeit der Tieftrunkschen Tätig- 
keit an. Das Titelblatt hat sieh natürlich in der kurzen Zeit 
noch nicht verändert. Die Nummer beginnt mit einem kurzen 
Hinweis auf die Erneuerung des Abonnements, da das erste 
Quartal abläuft. Weil der Ausbruch des Krieges zwischen 
(isterreich und Frankreich unmittelbar bevorsteht, leitet der 
Staatsbote diesmal das Gespräch mit den Worten ein: ,,Sie 
Hehlägt, sie schlägt, die schauerliche Stunde. Hört ihren 
Todten-Klang. Ein dumpfes Gruft-Geläut erschallt von 
Deutschlands Hügeln und Mavors fordert Opferblut. Noch 
mischt zweideutig sich ein sanfter Ton, ein einziger. 
Wallt er nicht mehr, auch dieser Einzige nicht; ach so — ." 
Ob wohl der Landmann wußte, wer Mavors ist? So handelt 
es sich natürlich bei dem Inhalt dieser Nummer, deren Text 
mit 2V^ Seiten erschöpft ist, vorzugsweise um die Vor- 
bereitungen zum Kriege. Aus dem Inseratenteil ist die 
Inhaltsangabe der bisher vom 2ten Heft (wohl = Jahrgang) 
erschienenen 11 Stücke des Nordischen Sehers oder Neuen 
Erzählers von Interesse. Tieftrunk scheint so die schon von 
Colbatzky herausgegebene wöchentliche Beilage Deutschlands 
Erzähler unter dem veränderten Namen weitergeführt zu 
haben. Wir erkennen aus jener Inhaltsangabe, daß wir im 
Nordischen Seher ein Unterhaltungsblatt zu sehen haben, das 
außer Allerlei oder Vermischtem auch noch speziell für die 
Landwirtschaft Wichtiges brachte. So weist auch noch ein 
Zusatz am Ende des Inserates darauf hin, daß „der Landmann 
oder wem es sonst interessiert", in verschiedenen Stücken dieses 
Blattes den Getreidepreis, Geldcours etc. findet. 

Da Tieftrunk den Umfang seines Blattes, es scheint unter 
ihm nie mehr als 8 Seiten stark gewesen zu sein, nicht ver- 
größern wollte, wenn auch das Nachrichtenmaterial in der 
Folgezeit gelegentlich sehr groß wurde, so entschloß er sich, 
die erste Seite in der bisherigen Form, die ganz für den Titel ver- 



— 123 — 

Avendet war, fortfallen zu lassen. Die nächste mir vorliegende 
TsTummer, das 29. Stück vom Donnerstag, den 18. Juli 1811, 
liat nur noch die Überschrift Deutschlands Staatsbote, 
darunter in einer Zeile den Zusatz vom Gespräch mit einem 
Landmann und nur die Datumzeile. Auf diese Weise ersparte 
er, vor allem durch Wegfall des Holzschnittes, 1% Spalte, 
die nun dem Text zugute kamen. Aber auch in ihm wurde 
noch dadurch Platz gwonnen, daß der Landmann sich jetzt 
mit einer ersten Anfrage: „Was erzählt man heut für 
^Neuigkeiten?" begnügte, und der Kurier dann ohne Unter- 
brechung seine Wissenschaft vortrug. Beim Übergang von 
einem Lande zum anderen genügte eine neue Zeile und der 
Sperrdruck des betrefiFenden Landes. Auch hier wird wieder 
an der Spitze des Blattes eine kurze Übersicht über die 
politische Lage in Europa gegeben: „In Spanien Rüstung und 
Aufmarsch der fränkischen Herrn zu neuen Triumphen. An 
der Donau Waffenstille und Friedensunterhandlung. Im 
Norden Europas trübes Gewölk. Irene, Tochter des Himmels ! 
bleib hold unsera Fluren!" Der Kurier bringt zuerst einige 
Hallische Lokalnachrichten, zunächst über den Empfang 
I. M. des Königs und der Königin (natürlich von Westfalen), 
dann ein paar Begrüßungsworte für den großen Mediziner und 
Geheimen Oberbergrat Heil, der wieder nach Halle zurück- 
gekehrt war. Die Zeitung berichtet dann weiter über die 
neuesten Ereignisse und über die zukünftige politische Lage. 
An die Nachricht von der Gratulationsgesandtschaft einiger 
Staaten, auch Preußens, nach Paris zur Geburt des Königs von 
Kom reihen sich die ersten beunruhigenden Gerüchte von dem 
bevorstehenden Kampfe mit Rußland. Man hört von dem 
Einfluß der Kontinentalsperre auf England und erlebt die 
großen außereuropäischen Erfolge Großbritanniens in Indien 
gegen Frankreich und dessen nächste Verbündete. Man hört 
die stolze Thronrede Napoleons und seine Erklärung an die 
Abgeordneten des Elb- Weser- und Emskreises: „Ihr seid auf 
immer mit dem Reiche verbunden," und sieht dabei, wie der 



— 124 — 

nie Mchhunmernde Kleinkrieg in Spanien die tüchtigsten 
TrupiKni des Körnen aufreibt und den Sturz seines Eeiches 
vorln^reitet. Wir hatten früher gesehen, wie Colbatzky die 
Aus?*praehe fremder Namen für den Landmann durch eine 
entsprechend vereinfachte Schreibweise erleichterte; Tieftrunk 
war davon abgegangen, kehrte aber jetzt wieder zum Teil zu 
jenc»m Verfahren zurück, er schreibt z. B, Bulonje für 
Houlogne und Ild(»franz für Isle de France und ähnliches. 
Auc'h über die ArlxMtsweise der Redaktion, besonders hin- 
vticiitlich der IkMiutzung fremder Zeitungen, verbreitet diese 
Nummer einiges Licht, wenn oft genug bei diesen und jenen 
Nachrichten sich in Klammern Hinweise befinden wie: 
Aionit., 11. Z., B., 11. Z. B., oder auch Paris, Par. Bl. Die 
Erwähnung d(»s Moniteur wird wohl eine erzwungene und 
s(»ine Itenutzung vorgeschrieben gewesen sein. Neben dem 
redaktionellen T(»ile gehen die Inserate wie bisher weiter, pAy?v 
auch hier hat man durch enges Zusammenrücken mit dem 
Platze gt»spart, wenn z. B. ein Verwalter ein Stellengesuch 
einrücken läßt, das mit den Worten schließt: Das Nähere sagt 
das Zeitungscomtoir zu Halle, und wenn dann ohne Absatz 
und ohne Schlußstrich fortgefahren wird: „Auch weist 
dasselbe einen guten Hühnerhund zum Verkauf nach.'' 
Übrigens würde gerade der Inseratenteil der damaligen 
Zeitung eine goldene Fundgrube unfreiwilliger Witze z. B. 
für den Briefkasten des Kladderadatsch sein. 

Die nächste mir vorliegende Nummer aus der 
Tieftrunkschen Redaktion der Zeitung ist das 20. Stück vom 
Donnerstag, den 13. Mai 1813, also rund 10 Tage nach der 
ersten Schlacht der Befreiungskriege. Die Zeitung hat 
zunächst ihren bisherigen Namen erweitert und heißt jetzt 
„Deutschlands Kurier oder Staatsbote" mit dem bekannten 
Zusatz: Im Gespräche usw. Hier ist nun noch die bisherige 
kurze Übersicht der neuesten Ereignisse fortgefallen. Der 
Kurier beginnt mit einigen Nachrichten von der Universität 
Halle und spricht, für Tieftrunk bezeichnend, selbst jetzt noch 



— 125 — 

von dem Könige Jerome als von „unserem König". Daran 
schließt sich außer einigen Bemerkungen über militärische 
Bewegungen in und um Halle eine Familiennachricht. Es ist 
die Todesanzeige „des Justitiarius und Administrators der 
Franckischen Stiftung" Johann Gottlob Stehlich, aufgegeben 
von der Witwe und den Kindern. Sie ist dadurch interessant, 
daß sie, zwar nicht die erste uns bekannt gewordene 
Familiennachricht in der Zeitung überhaupt ist, aber doch die 
erste ist, die im redaktionellen Teile der Zeitung steht. 
Hieran schließen sich die Kriegsneuigkeiten, kurze 
Darstellungen der Schlacht bei Lützen, auch aus anderen 
Zeitungen, sowie Berichte über die neuesten Vorgänge in 
Preußen, Österreich, Eußland und im Norden. Die Nummer 
umfaßt jedoch mit den Inseraten zusammen nur 4 Seiten, 
offenbar stockte in dem Frühlingssturm der Zeit der ruhige 
Gang der Zeitungsgeschäfte, die auswärtigen Nachrichten 
mögen nicht mit der gewöhnlichen Eegelmäßigkeit ein- 
gegangen sein, auch in der Stadt und der Umgebung wird man 
Wichtigeres zu tun gehabt haben, als zu inserieren. 

Das 14. Stück vom Donnerstag, den 2. April 1818 ist die 
letzte mir vorliegende Zeitung aus der Zeit Tieftrunks. Halle 
und seine Zeitung w^aren wieder preußisch. Das fremde Joch 
war zertrümmert, die Freiheit wiedergewonnen, aber auch die 
Kräfte gelähmt bei den Alten aus Schwäche, bei den Jungen 
aus Zwang. Eine Zeit der Erschöpfung war eingetreten, man 
begnügte sich oder mußte sich mit den kleinen Interessen des 
Alltags und der nächsten Umgebung begnügen, die Polizei 
und die Zensur glaubten überall Umsturzgefahren zu sehen, 
man trat eben in die Zeit des beschränkten Untertanen- 
verstandes ein. So ist auch diese Nummer vom Jahre 1818 ein 
Bild ihrer Zeit. Von den 3% Seiten Text umfaßt allein 
2% Seiten die ausführliche Schilderung der Feste bei dem 
50jährigen Doktor Jubiläum des Professors und Hofrats 
Schütz, an sich eine interessante Darstellung, aber in einem 
Blatt mit dem stolzen Titel Deutschlands Kurier usw. doch 



— 126 — 

etwa» zu weitwhweifig. Dann folgen aus Berlin bezeichnende 
Mitteilungen ülK?r die Umfrage des Ministeriums für Kirche 
und SfhulwetH»n wegen der Turnanstalten und Turnübungen. 
Wenige Mitteilungen aus anderen Staaten, (Jetreidepreise und 
Witterungsbericht und der Text der S^itung ist zu Ende. 
Dann folgen 4V-J Seiten Inserate, die an Verschiedenheit des 
Inhalts und bunter Anordnung nichts zu wünschen übrig 
luHHen. Die (ieschäftsanzeigen sind sehr zahlreich, besonders 
die von noch heute bestehenden Firmen interessant, die 
Familiennachrichten nehmen gleichfalls schon einen breiteren 
Raum ein. Ein Erfolg der neuern Zeit war auch der Zeitungs- 
stempel auf der Vorderseite, der für das Exemplar 3 Pfennige 
betrug. Aus dem Jahre 1824 erfahren wir noch zufällig, wie 
schon erwähnt, etwas über den Kurier aus der Beschreibung 
IIalh»s und seiner Umgebung von Hesekiel, einem Diakonus 
der Moritzkirehe. Die oben zitierten Worte lassen in der 
verbindlichen S<*hreibwei8e Hesekiels mehr erraten, als er 
ausspricht.*) Jedenfalls ist mir kein Exemplar aus der Zeit von 
1818 bis 1828 zu Gesicht gekommen; es ist, wie schon bemerkt 
wurde, möglich, daß Tieftrunk die Zeitung zuletzt nicht mehr 
erscheinen ließ. W^ir werden jedoch sehen, daß Tieftrunk im 
ersten Vierteljahr des Jahres 1828 einen neuen Versuch mit 
der Herausgabe machte. 



Wir stehen am Ende des zweiten großen Abschnittes in der 
Darstellung der Geschichte der Halleschen Zeitung. Sie hatte 
1768 die sichere Hut der Franckeschen Stiftungen verlassen, 
innerhalb deren sie gegründet und von einem kleinen Anfang 
zu einer wöchentlich 4 mal erscheinenden Zeitung, die auch 
in wissenschaftlichen Fragen, wenigstens gelegentlich, das 
Wort nahm, ausgebildet worden war. Die Beharrung führte 



1) Vgl. Seite 118. 



— 127 — 

die Zeitung äußerlich in derselben Weise bis ins Jahr 1781 
weiter, sie tritt uns 1784 und 1785 etwas verändert wieder 
entgegen, krankt aber dann so, daß sie vorübergehend nicht 
mehr erscheint. Ihre Besitzer, die Postmeister Bertramschen 
Erben, sind nicht geschickt genug, der Zeitung jene alte 
Bedeutung zu erhalten. Deswegen kommt ihnen die junge 
Kraft des Magisters Colbatzky sehr gelegen. Er nimmt wohl 
im Einverständnis mit den Besitzern der Zeitung den Namen 
wieder auf in der „Hallischen Zeitung von Staats- und 
Gelehrten Sachen" im Jahre 1789 und tritt das wirkliche 
Zeitungserbe im Jahre 1793 durch einen Kaufvertrag über das 
Privilegium an. Jetzt, im Jahre 1794, heißt die Hallische 
Zeitung „Hallescher Kurier". Sie erscheint jedoch nur einmal 
in der Woche. Im Jahre 1800 verwandelt der König Friedrich 
Wilhelm III. das alte Zeitungsprivilegium der Hallischen 
Zeitungen in ein neues für Colbatzkys Halleschen Kurier. 
(Die Zurücknahme des alten und Verleihung des neuen 
Privilegiums für die Hallische Zeitung oder für ihre 
unmittelbare Fortsetzung ist eine .einzige, untrennbare 
Handlung.) Der Sturm der Franzosenzeit, der Wechsel der 
Staatszugehörigkeit Halles, seiner Bewohner und seines 
Kuriers nimmt gerade im Jahre 1808, als die Zeitung ihr 
lOOjähriges Bestehen hätte feiern können, dem Blatt 
seinen Kedakteur und Verleger, stellt Tieftrunk an und 
gibt den Franckeschen Stiftungen die ihnen früher gehörende 
Zeitung wieder, indem die westfälische Kegierung bestimmt, 
daß die Ausnutzung des Privilegiums an die Zahlung einer 
(Pacht-) Abgabe an das Waisenhaus gebunden ist. Die 
Franzosen gehen wieder, und die preußische Eegierung wie die 
preußische Justiz heißen die Veränderung in dem Besitz- 
verhältnis des Halleschen Kuriers oder der Hallischen Zeituncr 
gut. Tieftrunk ist jedoch nicht in der Lage, die Zeitung in der 
erfolgreichen Weise Colbatzkys weiterzuführen. Er hatte sieh 
weder die große Zeit der Befreiungskriege zunutze machen, 
noch aus dem Eingehen der Hallischen Wöchentlichen 



— 128 — 

Aiiz«M|f<»n für (l4»n Kuri<»r Vorteil ziehen können. So fristet die 
/ritting in der Mitte der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts 
nur nüihHam ihr I^»hen, wie »teilt vielleieht sogar ihr Erscheinen 
ein, ab<»r sie b<»steht trotzdem weiter auf Grund der 
KcH'htsverliältnisse und des Privilegiums. Die Franckeschen 
Stiftungen wollen den Ertrag des Privilegiums nicht 
entlH»hren, und so geben sie jetzt nach 120 Jahren noch einmal 
wieder der IIalles<*hen Zeitung neue Lebensfähigkeit und 
friwhes Hlut durch den Abschluß des Vertrages mit den 
( tebrüdern S<*h wetschkt». 



Die Hallesche Zeitung von 1828-1882. 



Ihren Plan, Deutschlands Kurier oder Staatsboten vom 
Jahre 1828 an in einem anderen Verlage weiter erscheinen zu 
lassen, teilten die Franckeschen Stiftungen am Ende des 
Jahres 1827 den Bewohnern der Stadt und Umgegend in einer 
Anzeige mit, die, auf einem besonderen Blatt gedruckt, weithin 
verbreitet wurde. Das Archiv der Franckeschen Stiftungen 
bewahrt ein solches Blatt auf. Da es auch die Bekannt- 
machung der Gebrüder Schwetschke vom 21. Dezember 
desselben Jahres enthält, scheint die gemeinschaftliche Anzeige 
kurz vor Weihnachten herausgegeben zu sein. Über den neuen 
Namen der Zeitung und die Absichten des Schwetschkeschen 
Verlages und der Redaktion gibt diese Anzeige den besten 
Aufschluß, deswegen drucke ich sie nach jenem Bekannt- 
machungsblatt ab. In dem Hallischen patriotischen Wochen- 
blatt, in der letzten Nummer vom 29. Dezember 1827, erschien 
übrigens jene Anzeige als Inserat. 

Anzeige, 

die Fortsetzung von Deutschlands Kurier 

oder Staatsboten betreffend. 



Das Directorium der Frankischen Stiftungen, als Inhaber 
eines Hallischen Zeitungsprivilegii, bringt hiemit zur öffent- 
lichen Kenntniß, daß es unter Genehmigung des Hohen 
Ministerii der geistlichen Unterrichts- und Medicinal- 
Angelegenheiten, über die fernere Herausgabe einer politischen 

9 



— 130 — 

Z<*itiin|i^ vom künftigen Jahre an, mit den Herren 
C. F. S c h w e t 8 c h k e und C. G. Schwetschke einen 
neuen VerlagHC'ontraet abgeschlossen hat, und daß dem zu 
Folge vom 1. Januar 1828 an, statt des bisherigen 

Deutschlands Kuriers oder Staatsboten 
eine Zeitung unter der Aufnchrift: 

Der Kurier, 

üallisehe Zeitung für Stadt und Land, 

erseheinen und in dem durch die neuen Herren Verleger 

zu bestimmenden Ixx»ale zu haben sevn wird. Halle, den 

15. Dee. 1827. 

Niemeyer. A. Jacobs. 

Der vorstehenden Bekanntmachung des Hochwürdigen 
Directorii der Fränkischen Stiftungen gemäß wird die gedachte 
Zeitung vom künftigen Jahre an in unserm Verlage 
erseheinen und in der Buchhandlung Hemmerde und 
Schwetschke (am Markte, Ecke der Kleinschmieden) 
debitirt werden. 

Indem wir aber bei der künftigen Herausgabe des Blattes 
nicht nur eine Erweiterung des bisherigen Planes, sondern 
auch eine bedeutende Preisermäßigung beabsichtigen, theilen 
wir dem Publikum die desfallsigen nähern Bestimmungen 
nachstehend mit: 

1. Der Kurier wird enthalten: 

a) die neuesten politischen Nachrichten des In- und 
Auslandes ; 

b) den jedesmaligen Fonds- und Geld-Cours; 

c) die Getreidepreise von Halle, den bedeutendem 
Städten der Provinz Sachsen und den wichtigsten 
Handelsplätzen Deutschlands ; 

d) die Angabe der Jahrmärkte und Messen, welche 
jedesmal in der nächsten Woche in Halle und der 
Umgegend abgehalten werden sollen; 



— 131 — 

e) eine Chronik der Preuß. Provinz Sachsen, in 
welcher der Leser neben den Tagesneuigkeiten 
überhaupt alles, was für den Bewohner der Provinz 
nur irgend von Wichtigkeit seyn kann, als Ver- 
fügungen der Behörden etc., mitgetheilt finden 
wird; 

f) vermischte Nachrichten, welche nicht nur über 
die wichtigsten Entdeckungen und Erfindungen 
der neuesten Zeit, über Erfahrungen und 
Beobachtungen in dem Gebiete der Land- und 
Hauswirthschaft, über Handel, Gewerbe etc. 
Bericht erstatten, sondern auch durch passende 
Gedichte, Anekdoten etc. zur Unterhaltung des 
Lesers beitragen sollen; 

g) öffentliche Bekanntmachungen von Behörden und 
Privatpersonen. 

2. Wöchentlich erscheinen, statt wie bisher eine 
Nummer, künftighin deren zwei, jede von 
einem Bogen in 4to. In einzelnen Fällen wird 
außerdem noch eine Beilage geliefert. 

3. Als Tage der Ausgabe sind der Montag und 
Donnerstag festgesetzt, sodaß das jedesmalige 
Stück an diesen Tagen von 8 Uhr Morgens an in der 
Buchhandlung HemmerdeundSchwetschke 
am Markte zum Abholen bereit liegt. Den Käufern 
in Halle selbst, welche es vorziehen, das Blatt 
zugeschickt zu erhalten, wird dasselbe unentgeld- 
1 i c h in ihre Wohnung geliefert werden. 

4. Obgleich wir nun mehr als bisher geben, so stellen wir 
doch den 

vierteljährlichen Abonnementspreis, 
welcher sich aber nur bei wirklich erfolgter baarer 
Vorausbezahlung versteht, auf 

Zwanzig Silbergroschen, 

9* 



- 132 — 

mithin noch wohlfeiler, als es der bisherige 
gf*w(»tu*n iHt. 
5. Die Kinrückungs- oder Insertionsgebühren für öffent- 
liche I)(»kanntmachungen werden von 1 Silbergroschen 
H Pfennige auf 

Kinen Sil bergro sehen für die 
ge druck te Zeile 
glc^ichfalln herabgesetzt, und sollen diejenigen 
Anz(>igen, welche bis Sonnabends Abend 6 Uhr ein- 
g<»hen, noch in das nächste Montagsstück, die, welche 
wir bis Dienstags Abend 6 Uhr erhalten, in das nächste 
Donn(Tstagsblatt aufgenommen werden. 

Je<loch findet auch hier Vorausbezahlung statt, es 

müßte denn der Einsender von außergerichtlichen und 

Privat- Anzeigen bemerkt haben, daß die Insertions- 

gebührcm durch einen hiesigen Bürger oder durch 

Postvorschuß entnommen werden können. 

0. Alle IJestcllungcn und sonstige Mittheilungen bitten 

wir unter der Adresse : An die Expedition des 

Kuriers in Halle, postfrei an uns gelangen, 

oder in der Buchhandlung Hemmerde und 

Schwetschke am Markte abgeben zu lassen. 

Wenn wir uns nun eifrigst bestreben werden, die 

Hallische Zeitung, vermöge ihres erweiterten Umfangs, ihres 

öftern Erscheinens und der so billig als möglich gestellten 

Preisbedingungen zu einem Blatte umzuschaffen, welches, 

soweit es in unsern Kräften steht, den Bedürfnissen und 

Wünschen Aller genügen soll, so hegen wir auch das feste 

Vertrauen, daß von Seiten des Publikums unserm Unternehmen 

weder Aufmerksamkeit, noch thätige Theilnahme versagt 

werden wird, und so sey denn 

Der Kurier, 

die Hallische Zeitung für Stadt und Land, 
dem Wohlwollen unserer Mitbürger und aller übrigen 



— ^ 



— 133 — 

Bewohner der Provinz zu freundlicher Unterstützung bestens 
empfohlen. 

Halle, den 21sten December 1827. 

C. F. S c h w e t 8 c h k e. 
C. G. S c h w e t 8 c h k e. 

Gegen diese Ankündigung erließ Tieftrunk folgende 

Berichtigung 

der Anzeige des Hochwürdigen Directorii der Franckeschen 
Stiftungen und der Herren Gebrüder Schwetschke vom 15. und 
21. Dezember 1827 

die Fortsetzung von Deutschlands Kurier betreffend. 
Die unterzeichnete Redaction benachrichtigt ein geehrtes 
Publikum hierdurch ergebenst, daß sie, in Folge Höherer 
Bestimmung, nach wie vor ihre Zeitung unter dem Titel 

Deutschlands Kurier oder Staatsbote 

jeden Donnerstag heraus giebt, und daß das erste Stück fürs 
zukünftige Jahr am Donnerstage, den 3. Januar 1828, im 
bisherigen Comtoire und bei den sonstigen Verkäufern zu 
haben sevn wird. Indem die Eedaction sich zu ferneren 
geneigten Wohlwollen empfiehlt, bittet sie zugleich zur Ver- 
meidung jeder Verwechselung genau die Adresse: 

An Deutschlands Kurier oder Staatsboten 

beachten zu wollen. 

Halle, den 28. December 1827. 

Die Eedaction von Deutschlands Kurier oder Staatsboten. 

Tieftrunk. 

Diese Berichtigung Tieftrunks rief nun auch wieder eine 
Entgegnung der Gebrüder Schwetschke zusammen mit dem 
Direktorium der Franckeschen Stiftungen hervor, die am 
Schluß der ersten Nummer des Kuriers vom Jahre 1828. 
Donnerstag, den 3. Januar, steht: 



— 134 — 

Die von dem Herrn Professor Tieftrunk in das 
Publikum gebrachte Bekanntmachung vom 28. Deeember 1827 
veranlaBt uns, ausdrücklich zu erklären, daß in Folge des mit 
dem Hochwürdigen Directorio der Franckischen Stiftungen 
abgeschlossenen, und von den höheren Behörden in aller Form 
genehmigten Vertrages unsere politische Zeitung, so wie die 
deshalb erlassene Ankündigung besagt, erscheint. 

Wir bitten nur, zur Vermeidung jeder Verwechselung, 
die Adresse: 

An die Expedition des Kuriers, 
Hallische Zeitung für Stadt und Land 
genau beachten zu wollen. 

Halle, den 3. Januar 1828. 

C. F. Schwetschke. C. G. Schwetschke. 

Die vorstehende Anzeige wird von uns bestätigt und 
bescheinigt. 

Directorium der Franckischen Stiftungen. 

Niemever. A. Jacobs. 

Der Schwetschkesche Kurier begnügte sich also damit, 
einfach von neuem auf sein Erscheinen hinzuweisen, ohne 
irgendwie auf die Tieftrunksche Berichtigung einzugehen. 
Tieftrunk muß tatsächlich seinen Staatsboten in diesem Jahre 
wenigstens für einige Zeit haben wieder erscheinen lassen, denn 
in einem Eingesandt des Schwetschkeschen Kuriers, in der 
Nummer 23 vom 20. März wird die Rezension einer Musik- 
aufführung aus Tieftrunks Kurier besprochen. Aus einem 
anderen Grunde glaube ich schließen zu dürfen, daß Tieftrunks 
Kurier in diesem Jahre nicht viel älter als vielleicht 4 Monate 
geworden ist. Denn während die Abonnementseinladung von 
Schwetschke Ende März noch den Hinweis enthält, genau auf 
die Adresse zu achten, fehlt dieser Hinweis im Juni bei den 
nächsten Abonnementseinladungen, z. B. in der Nummer 48 
vom 16. Juni. Blieb sie jetzt fort, so war eine Verwechselung 



— 135 — 

wohl nicht mehr möglich, d. h. der Tieftrunksche Kurier schon 
wieder eingegangen. 

Um ein Bild von dem Kurier, der Hallischen Zeitung, aus 
diesem wichtigen Jahre zu geben, sind die beiden letzten 
Beilagen gewählt worden, eine Titelseite und eine Seite aus 
dem Inseratenteil. Die erste Nummer ist dazu nicht geeignet ; 
denn das Festlied zum 1. Januar hat kein besonderes Interesse 
und ist auf der ersten Seite noch nicht einmal vollständig. Ich 
habe mich für die erste Seite der Nummer 55 vom Donnerstag, 
den 10. Juli 1828, entschieden. Sie bringt, wie man sehen 
kann, eine Hallesche Nachricht, den Nachruf für August 
Hermann Niemeyer. Die Hallesche Zeitung verdankt dem 
Kanzler Niemeyer, dem Direktor der Franckeschen Stiftungen, 
so viel, daß diese pietätvolle Wahl gerechtfertigt erscheint. 
Diese Nummer unterscheidet sich außerdem von der ersten 
sonst nur so unwesentlich, daß man sich auch eine vollkommen 
klare Vorstellung von dieser machen kann. Der Zusatz unter 
dem Titel : Jeden Montag und Donnerstag erscheint ein Stück, 
fehlt in der ersten Nummer, auch hatte die erste Nummer keine 
Beilage. Dagegen wird von der ersten Nummer ab wieder 
der Adler im Kopfe der Zeitung ihr treuer Begleiter. Die 
Inseratenseite gehört der Nummer 31 vom 17. April an.^) 

Eugen Schwetschke spricht die Vermutung aus, daß die 
Anregung, den Verlag zu übernehmen, von den Gebrüdern 
Schwetschke ausgegangen sei.^) Die Verbindung zum Waisen- 
haus war dadurch gegeben, daß Ferdinand, der ältere Bruder, 
der Schwiegersohn des Waisenhausinspektors war. Ferdinand 
war der kaufmännische Leiter der Zeitung, während sein 
Bruder Carl Gustav der Chefredakteur war. 

Wirft man nur einen kurzen Blick auf den Inhalt der 
Zeitung, so zeigt sich bald, daß die Kedaktion sich hinsichtlich 



1) Vgl. die Beilagen 4 und 5. 

2) Eugen Schwetschke, Gustav Schwetschke, ein Lebens- und Zeit- 
bild I, 162. Halle 1908. 



— 136 — 

<h»r Ik*iirt('ilun^ der innerj)oliti8chfn Verhältnisse Preußens 
m'hr zurückhalten mußte. Die Wirkungen der Karlsbader 
liiJM-hlüsM» hatten nich fant unmittelbar in Preußen dadurch 
g(»zeigt, daß durch das neue Zensuredikt vom 18. Oktober 
IHIU die binherigen Vorschriften für die Zensur noch in einigen 
Punkten \v(»H<»ntlich verschärft wurden. Die Errichtung der 
()lK*rzensurbehörde hatte allerdings in ihrer ersten Zeit zu einer 
strengeren (Überwachung der politischen Zeitungen geführt, 
alH»r zur vorliegenden Zeit hatte diese Itehörde ihre Tätigkeit 
so gut wie eing(»stellt. In I:$ezug auf die Beurteilung der 
auswärtigen Verhältnisse war den Zeitungen schon etwas mehr 
erlaubt, so daß auch der Kurier, wie Eugen Schwetschke 
erwähnt, durch Schilderung fingierter Zustände des Auslandes 
immerhin etwas kritisierend vorging. Auch feuilletonistische 
Artikel in längeren Fortsetzungen finden sich, z. B. die 
Beschreibung der Flucht Casanovas aus den Bleikammern 
Venedigs und ähnliches. 

Für die Ausbreitung der Zeitung auf dem Lande mußte 
die Bekanntmachung des damaligen Landrats des Saalkreises, 
von Krosigk, in den ersten September-Nummern (70 f.) sehr 
wirksam sein ; denn er erklärte den Kurier zu seinem amt- 
lichen Verordnungsblatt. 

Während die Hohe der Druckseite bisher 19 cm betragen 
hatte, wurde im Mai 1834 das Format der Zeitung etwas 
vergrößert, so daß die Höhe auf 21,5 cm wuchs. Die Breite 
betrug nach wie vor (beide Spalten zusammen) 15,5 cm. Von 
dieser Veränderung machte die Zeitung ihren Lesern in der 
ersten Mai-Nummer, also am Donnerstag, den 1. Mai 1834 
(Nr. 35), Mitteilung, indem sie an der Spitze des Blattes sagte: 
„Die immer weitere Verbreitung unseres Blattes und die stets 
sich mehrende Anzahl der Insertionen hat uns veranlaßt, den 
Kurier mit dem Beginn dieses Monats in einem bedeutend 
größeren Formate, dem gegenwärtig vorliegenden — ohne 
Erhöhung des bisherigen Preises — , erscheinen 
zu lassen. Tendenz und Plan unserer Zeitung — Neues 



— 137 — 

und Wahres, mit Übergehung alles Unwichtigen, möglichst 
schnell und übersichtlich zu geben — werden 
dieselben bleiben, so wie wir hoffen, daß auch die Teilnahme 
des Publikums sich in dem bisherigen Maße uns fort- 
erhalten werde. 

Dieselbe Wendung bei der Angabe der Tendenz und des 
Planes der Zeitung gebrauchten die Gebrüder Schwetschke, 
als sie am Ende dieses Jahres ihren Lesern die erfreuliche 
Mitteilung machen kennten (zuerst in Nummer 101 vom 
18. Dezember), daß die Zeitung vom Jahre 1835 ab täglich 
erscheinen würde. Während die Zeitung also von 1828 bis 
zum Ende des Jahres 1834 wöchentlich zweimal erschien, gab 
es von 1835 an wöchentlich sechs Nummern, dabei war es von 
besonderer Bedeutung, daß sich der Preis der Zeitung nicht 
erhöhte, wenigstens nicht für Halle und die unmittelbaren 
Abnehmer. Der Abonnementspreis für die Provinz und 
Umgegend stieg allerdings etwas, dafür aber wurde die Ver- 
sendung so beschleunigt, daß die Zeitung ungefähr zu derselben 
Zeit in die Hände der auswärtigen Leser kam, als sie hier in 
Halle ausgegeben wurde. Im äußeren Bilde des Blattes trat 
insofern eine kleine Veränderung ein, als die Zeitung von 1835 
ab ihrem Namen die Schreibweise : „Der Courier" gab, 
auch traten die Abonnementsbedingungen an der Spitze der 
Zeitung hinzu. 

Daß die Zeitung allen wichtigen politischen Fragen 
gegenüber ihre eigene Stellung einnahm und, soweit dies über- 
haupt geschehen konnte, mit ihrer Ansicht nicht zurückhielt, 
das ist bei dem Charakter ihres Redakteurs ebenso selbst- 
verständlich, wie es auch daraus hervorgeht, daß sich die 
Zeitung immer mehr ausbreitete. Die gleiche Aufmerksamkeit 
wandte sie auch den spezifisch Halleschen Interessen zu. Es 
gibt kein Ereignis von irgendeiner Bedeutung, über das die 
Zeitung nicht zu berichten wußte, und zu dem sie nicht selbst 
irgendwie das W^ort nahm, mochte es die Einweihung des 
neuen Universitätsgebäudes (1834) sein oder die Ankunft des 



" 138 - 

ewten Eisen bahnzuges auf der Magdeburger Linie (1840), 
oder die vierte Säkularfeier der Erfindung der Buchdrucker- 
kunst (in demselben Jahre). 

Von den Hauptgeachäften der Redaktion zog sieh Carl 
(lustav Schwetsehke mit dem Ende des Jahres 1843 zurück, 
ohne daB er Meinen maßgebenden Einfluß aufgegeben hätte. In 
besonders wichtigen Fragen nahm er nach wie vor, wie wir 
gleich sehen werden, selbst das Wort. Vom Jahre 1844 ab 
leitete Dr. Schadeberg die Redaktion, er arbeitete ganz 
im Sinne und in Übereinstimmung mit Schwetschke weiter. 

Da kam das Jahr 1848. Als die ersten Nachrichten vom 
17. März aus Berlin nach Halle die Bewilligung der Preß- 
freiheit brachten, nahm Schwetschke in überströmender 
Freude dazu selbst das Wort, indem er an der Spitze der 
Nummer 67 vom 20. März schrieb: 
Die Presse ist frei! Heute zum ersten Male 

erscheint unser Blatt ohne Censur! 

Ereignisse von der höchsten Bedeutung, welche im Laufe 
dieser Tage in der Hauptstadt unseres Landes sich begeben, 
haben eine sturmschnelle Entwickelung der Dinge in Preußen 
herbeigeführt, wie sie nach den Vorgängen in der helden- 
mütigen Stadt Wien für uns unausbleiblich war, hätte nicht der 
preußische Name allen Klang und alle Geltung verlieren sollen. 
Preußen ist in die Reihe der konstitutionellen Staaten ein- 
getreten, d. h. es ist hinfort ein geordneter Rechtszustand in 
unserem Vaterlande; die Gnaden willkür ist erloschen. Damit 
aber dieser Rechtszustand ein fester, geregelter werde, bedarf 
es vor allen des treuen Zusammenhaltens aller Vaterlands- 
freunde und der Achtung vor Gesetz und Ordnung, es bedarf 
des regsten Eifers, mit Offenheit und Besonnenheit alle die 
Übelstände ans Licht zu ziehen, welche unser Land betrübten 
und bedrückten. Daß wir jetzt nur Eines, aber Wichtiges 
und Großes erwähnen : — eine volle, wahrhafte 
Religionsfreiheit ist es, die wir in den Verlangen 
und Wünschen des Patentes vom gestrigen Tage vermissen, und 



— 139 — 

deren Gewährung als eine der dringendsten Forderungen in 
jeder Kundgebung deutscher Männer nachdrucksvoll aus- 
gesprochen ist. 

Vergessen wir nicht, daß Friedrich der Einzige 
unser Volk einst an die Spitze der deutschen Stämme berief; 
aus tiefstem, innerstem Herzen wünschen wir, daß unser 
König Friedrich Wilhelm IV., als der Fürst eines 
freien Volkes, diese edle Mission wiederaufnehme. 
Glückauf und Vorwärts! 

Halle, den 19. März. 1848. 

Schwetschke. 

Ohne eigene Kritik lasse ich einfach den Anfang des 
gleichfalls von Schwetschke selbst verfaßten Leitartikels in der 
nächsten Nummer (68) am folgenden Dienstag, den 21. März, 
folgen: „Als wir gestern (19. März) mit Frohlocken den Fall 
der Censur begrüßten, kannten wir die erschütternden 
Ereignisse, welche in der Hauptstadt unseres Landes sich 
begeben, noch nicht in ihrem ganzen schrecklichen Umfange. 
Wir hätten einen weniger lauten Ton der Freude angeschlagen, 
ja, wir hätten, so sehr wir das Große und Begrüßenswerte mit 
innigster Teilnahme empfanden, jede Äußerung der Freude, 
den trauervollen Ereignissen des vorgestrigen Tages gegen- 
über, unterdrückt " 

Diese Worte kennzeichnen am besten die Stellung, die 
Schwetschke und seine Zeitung den revolutionären Strömungen 
gegenüber einzunehmen gewillt waren. 

Aber der Umschwung der Verhältnisse brachte für die 
Zeitung auf einem anderen Gebiete eine wesentliche Ver- 
änderung mit sich. Durch die Preßfreiheit und die Aufhebung 
der Privilegien glaubte Schwetschke, nicht mehr an seinen 
Pachtkontrakt mit den Franckeschen Stiftungen gebunden zu 
sein. Er stellte die Zahlung der Pachtsumme ein, wollte aber 
den Ausfall dieser Einkünfte durch ein Geschenk oder einen 
Jahresbetrag ersetzen. Die Stiftungen gingen auf den 



— 140 — 

Vors<*hlaK Schwctwhke» nicht ein; sie betrachteten sich 
unverändert al« Ei^(»ntümer der Zeitung, und als Schwetschke 
nicht nachgab, machton die Stiftungen selbst den Versuch, 
ihn», ihnen von Schwetschke nach ihrer Meinung vorenthaltene 
Zeitung herauszugeben. Die Frage wurde mit Ende des 
Jalires 1850 akut. Wir hören nun den Courier selbst über die 
vorliegende Streitsache: 

Die Nummer 257 vom Sonntag, den 3. November 1850 
bringt an der Spitze des Blattes folgende Bekanntmachung: 

Der Ilallesche Kurier für Stadt und Land ist schon seit 
länger als 40 Jahren Eigentum der Franckeschen Stiftungen. 
Nur di(» Herausgabe des Blattes war in den letzten Jahrzehnten 
an die (rebrüder Schwetschke gegen eine kontraktlich fest- 
ges(»tzte Tantieme verpachtet. Der betreffende Kontrakt ist 
jetzt von Seiten des Herrn Dr. G. Schwetschke und den Erben 
WMnes verstorbenen Bruders gekündigt und deshalb von uns 
b(»Hchlossen worden, den Kurier, Ilallesche Zeitung für Stadt 
und Land, vom 1. Januar kommenden Jahres ab in eigenem 
Verlage herauszugeben. Indem wir ein geehrtes Publikum 
hiervon vorläufig in Kenntnis setzen, zeigen wir zugleich an, 
daß dieser Kurier fortdauernd die Stelle des Kreisblattes 
vertreten und daß er wie bisher täglich mit Ausnahme des 
Montags in demselben Format und für denselben Preis 
erscheinen wird. Alles weitere behalten wir einer späteren 
ausführlicheren Bekanntmachung vor. Wir sind der festen 
Überzeugung, daß es zunächst eben nur dieser vorläufigen 
Anzeige bedarf, um das Interesse der wohltätigen Stiftungen, 
die unserer I-^itung anvertraut sind, gehörig zu wahren, und 
auch aus diesem Grunde der sicheren Hoffnung, daß das 
Publikum unserem Blatte die bisherige Teilnahme erhalten 
werde. 

Halle am 1. November 1850. 

Das Direktorium der Frankeschen 

Stiftungen. 

Dr. H. Niemeyer. Dr. Fr. A. Eckstein. 



— 141 — 

Der vorstehenden Benachrichtigung glaube ich hinzu- 
fügen zu müssen, daß nach dem Erscheinen der neuesten Preß- 
verordnungen der bisherige Pachtkontrakt unsererseits aller- 
dings gekündigt, den Franckischen Stiftungen dagegen für 
alle Fälle ein den veränderten Umständen entsprechender 
Jahresbetrag, so lange die finanziellen Verhältnisse der Zeitung 
es gestatten, von uns dargeboten, die Annahme des letztern 
aber durch eine Verfügung des Königlichen Ministeriums der 
Geistlichen, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten 
abgelehnt worden ist. Mit Beginn des künftigen Jahres wird 
in dem bisherigen Schwetschkeschen Verlage eine politische 
Zeitung erscheinen, welche nach wie vor der Sache der 
deutschenEinheitunddesKonstitutionalis- 
m u s dienen und namentlich auch die Interessen der Land- 
wirtschaft und des vaterländischen Gewerbewesens in der 
gewohnten Weise vertreten soll. Eine nähere Mitteilung 
darüber wird vorbehalten. 

Halle, den 2. November 1850. 

Dr. G. Schwetschke. 

Schwetschke sah sich tatsächlich genötigt, den Namen 
seiner Zeitung zu ändern, weil die Franckeschen Stiftungen 
den alten Zeitungsnamen für sich beanspruchten. Hierüber 
sagt der Courier in der Nummer 283 vom 4. December: 

Mit Bezug auf die Benachrichtigung des Direktoriums 
der Franckeschen Stiftungen und auf die ihr meinerseits 
hinzugefügte Mitteilung, zeige ich hiesigen und auswärtigen 
geehrten Lesern hierdurch an, daß unsere Zeitung mit Beginn 
des nächsten Jahres 1851 in dem bisherigen 
Schwetschkeschen Verlage und unter der 
bisherigen Redaktion des Herrn Dr. Schade- 
berg erscheinen wird. Dieselbe wird unter dem Titel : 

Der Hallische Courier 

(im Schwetschkeschen Vorlage) 

Zeitung für Stadt und Land 



— 142 — 

heran >*pcgebcn werden, »o daß zwisehea dem bisherigen, jetzt 
von den Franckeaehen Stiftungen angenommenen Titel, 
welcher winer Zeit von uns ganz allein gewählt worden, genau 

unterwhieden werden kann Durch das Aufhören des 

binherigen Pachtverhältnisses sind wir in den Stand gesetzt, 
mehr.'re Erweiterungen bei unserer Zeitung eintreten zu lassen. 
Unsere Zeitung wird, wie gegenwärtig, sechsmal in der Woche, 
j(»(l(>ch täglich zwei Mal und überdies in vergrößertem 
Format erwheinen. — Auch die Verfügungen und Bekannt- 
machungen des Königlichen Landrats-Offiziums werden zur 
öffentlichen Kenntnis gebracht werden. 

Die Tendenz unserer Zeitung wird, wie sich 
von K(»lhrtt versteht, unverändert dieselbe bleiben. Wir werden 
das Princip der konstitutionellen Monarchie, die Grundsätze 
der verfassungsmäßigen Freiheit und den Gedanken eines 
einigen, mächtigen Deutschlands mit Preußen an der Spitze 
nach wie vor mit jener Unabhängigkeit vertreten, welche nur 
ihre Üb(»rzeugung, nie aber Gunst oder Ungunst, Vorteil oder 
Nachteil von Hohen oder Niederen in die Wagschale für ihre 
Beurteilung wirft. Einzelnen Angelegenheiten von großer 
nationaler Bedeutung, wie der edeln Schleswig-Holsteiüischen 
Sache, wird fortwährend unsere eifrigste Beteiligung gewidmet 
sein. Auf dem Gebiete der vaterländischen Gewerbe, der 
Landwirtschaft und des Handels erstreben wir 
folgendes : 

Wir wollen für unsere vaterländischen Gewerbe eine 
auf Schutz und technische, sowie sittliche Ausbildung 
gerichtete nationale Gewerbspolitik, welche in der weisen 
Beschützung und eifrigen Pflege aller unserer Gewerbskräfte 
nicht nur ein ergiebiges Finanzmittel, sondern vorzüglich ein 
wirksames industrielles Erziehungsmittel anerkennt und 
befolgt. Wir wollen für unsere vaterländische Landwirt- 
schaft Schutz der landwirtschaftlichen Arbeit gegen alle 
äußeren und inneren Feinde, sowie Institute und Mittel zur 
Beförderung der Landeskultur und landwirtschaftlichen 



— 143 — 

Intelligenz ; wir wollen für unsern vaterländischen Handel, 
in gebiihrender Würdigung eines den heimischen Interessen 
entsprechenden Schutzes, Freiheit im Innern von allem und 
jeden Drucke und Abweisung jeglicher Selbstsucht und 
Ungerechtigkeit des Auslandes, sowie sachkundige und 
energische Vertretung auf allen fremden Handelspunkten usw. 

Dr. G. Schwetschke. 

Dem gegenüber kündigte in einem Inserat des Couriers 
in der Nummer 295 vom 18. December das Direktorium der 
Stiftungen den Courier, Hallische Zeitung für Stadt und Land, 
an, indem es unter anderem sagte: Der Courier, der seit 
23 Jahren den Grebrüdern Schwetschke pachtweise überlassen 
war, wird mit unverändertem Titel, in gleichem Format und 
zu denselben Tagen in einer Morgen- und Abend- 
ausgabe im Selbstverlage des Waisenhauses weiter 
erscheinen. Die Eedaction (Dr. Daniel) wird sich angelegen 
sein lassen, auf dem Boden der zu Kecht bestehenden Ver- 
fassung echt patriotischen Interessen Rechnung zu tragen, die 
Neugestaltung Deutschlands dauernd mit warmer Teilnahme 
zu verfolgen usw. Er wird auch dem Saalkreis dauernd als 
Kreisblatt dienen. 

Doch dieser sogenannte Waisenhauscourier 
konnte sich überhaupt nicht halten. Auch eine besondere 
Empfehlung des damaligen Landrats des Saalkreises (vom 
4. März 1851) brachte keine Besserung, der Waisenhauscourier 
ging bald wieder ein. 

Schwetschkes Zeitung erschien unter dem neuen Namen 
„Hallischer Courier" bis zum September 1851, aber schon dann 
war eine abermalige Vergrößerung der Zeitung und damit eine 
Änderung des Namens geplant, von der wir in der Nummer 423 
vom 11. September 1851 Kenntnis erhalten: 

Mit dem Beginn des nächsten Vierteljahres wird eine 
Erweiterung des Planes unserer Zeitung eintreten. 
Wir werden, wie selbstverständlich, der bisher festgehaltenen 



— 144 — 

Itichtung auf dem (lobiete de« Politischen, wie auf dem 
(lel)ieto unnerer vatorländiRchen (iewerbe, des Handels und der 
I^ndwirtschaft unverändert auch fernerhin folgen; aber wir 
werden es in einem erweiterten Umfange tun, indem wir von 
nun an eine besondere Aufmerksamkeit auch auf jene Seite des 
deutsehen (leisteslebens richten werden, welche wir auf dem 
Felde der Wissenschaft zur Entwickelung und Befestigung 
eines rechts- und freiheitskräftigen Volks- und Staatslebens 
wirksam sehen. In gedrängten t^bersichten werden wir unsern 
I^serkreis mit den neuen dahin gerichteten Schriftwerken, so 
wie mit anziehenden Erscheinungen der Tagesliteratur über- 
haupt, namentlich der geschichtlichen, bekannt machen. Mit 
der Ausführung dieser Aufgabe hoffen wir, dem Wesen einer 
wahren Volkszeitung, die den Anforderungen der vor- 
geschrittenen allgemeinen Bildung zu entsprechen hat, näher 
zu kommen. W^ir nennen diese in unseren Plan aufgenommene 
Erweiterung den literarischen Theil unserer Zeitung. Mit 
dieser erweiternden Veränderung unseres Planes lassen wir 
zugleich eine Veränderung des Titels eintreten. Als Fort- 
setzung des Hallisehen Couriers (im Schwetschke- 
schen Verlage) erscheint unsere Zeitung unter der bisherigen 
Redaktion des Herrn Dr. Schadeberg von dem nächsten 
Vierteljahre an unter dem Titel: 

Hallische Zeitung 
(im Schwetschke'schen Verlage) 

Politisches und literarisches Blatt 

für Stadt und Land. 

Die übrigen äußeren Verhältnisse werden die bisherigen 
bleiben. 

Die 1851 eingeführte zweite Ausgabe war nicht eine 
besondere Nummer der Zeitung, sondern gehörte als Beiblatt 
zur Hauptnummer des Tages. Mit dem Juni 1876 erhielt die 
Zeitung das Format, das sie noch heute beibehalten hat. 



— 145 — 

Die 60er und 70er Jahre hatten dann nach mancherlei 
innerem Zwist und nach den beiden großen Kriegen die 
Erfüllung der Träume gebracht, die auch Schwetschke von 
seiner Jugend an gehabt hatte. Er und seine Zeitung haben 
immer ihren freien Standpunkt beibehalten. Trotzdem kann 
von einer liberalen Haltung der Zeitung im heutigen Sinne 
natürlich nicht die Eede sein. Das machte auch schon 
Schwetschkes Stellung zu Bismarck unmöglich, für dessen 
welthistorische Bedeutung Schwetschke schon frühzeitig das 
vollste Verständnis gehabt hat. 

Nachdem der langjährige Redakteur Dr. Schadeberg im 
Anfang des Jahres 1880 gestorben war, übernahm 
Schwetschkes Sohn, Ulrich, die Redaktion, die er auch 
früher schon stellvertretend geleitet hatte, und führte sie bis 
zum Ende des August 1882. Am 1. September ging der Verlag 
der Zeitung von Schwetschke in den Besitz einer Aktien- 
gesellschaft über. 

Wirft man am Ende dieses Abschnittes in der Geschichte 
der Zeitung auch nur einen kurzen Blick auf ihre Ent- 
wickelung während dieser Zeit, so fällt der gewaltige Auf- 
schwung ins Auge, den die Hallesche Zeitung von einem 
verhältnismäßig kleinen, nur zweimal wöchentlich erscheinen- 
den Blatt zu der großen Tageszeitung von 1882 genommen hat. 
Es ist klar, daß sie diesen Erfolg nur ihrem Redakteur und 
Verleger Dr. Carl Gustav Schwetschke zu verdanken hat. 



10 



Die neue und neueste Zeit von 

1882—1908. 



Gegen Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Deutschen 
Reiches trat bekanntlich eine deutliche Schwenkung der 
leitenden Stelle der Staatsregierung besonders in wirt- 
schaftlichen Fragen ein. Hatte sich Bismarck beim inneren 
Ausbau des Reiches in dem Anfang und der Mitte der 70er 
Jahre vorzüglich auf die Hilfe der sogenannten national- 
liberalen Partei gestützt, und war er mit den liberalen Kreisen 
auf den Wegen des Freihandels gegangen, so konnte er sich 
bald doch nicht verhehlen, daß die Landwirtschaft und das 
Gewerbe Deutschlands der Konkurrenz des Auslandes 
gegenüber eines Schutzes des Staates dringend bedürfen. Er 
mußte zu diesem Zwecke für einen Schutz der nationalen 
Arbeit zum Schutzzoll greifen, den durchzuführen, die 
konservativen Parteien ihn eifrig unterstützten. Durch den 
Zolltarif von 1879 mit Eingangszöllen für die Erzeugnisse der 
Landwirtschaft und Industrie blühten diese beiden Erwerbs- 
zweige wieder auf. — Mit dem beständigen Wachsen der 
Industrie, der Ausbreitung des Maschinen- und Fabrikbetriebes 
war eine weitgehende Umwälzung der Volkswirtschaft erfolgt. 
Die sich fast von Tag zu Tag mehrenden Fabriken hatten einen 
Stand hervorgerufen, der schwere Gefahren für das soziale und 
gesellschaftliche Leben des ganzen Volkes in sich barg. Mit 
dem schnellen Wachstum der Arbeiterkreise hatte natürlich 
nicht eine entsprechend schnelle staatliche Fürsorge für sie 
Hand in Hand gehen können. Die Unzufriedenheit hiermit 

10* 



— 148 — 

war von g(»wisHonlos(»n Volksverführorn erregt und unnatürlich 
hoch gesteigert worden. Den Massen waren maßlose 
Forderungen, sozialistiseh-kommunistische Ideen, selbst 
anarchistiwhe Ix^hren eingeprägt worden, so daß in unreifen 
Kiipfen Verwirrungen entstanden, die auch die Veranlassung 
zu den nichtswürdigen Anschlägen auf den alten Kaiser 
gc»wc»s(»n waren. Deswegen war es eine naturnotwendige 
rflicht dc»r Il(»gierung, gegen die Staats- und Gesellschafts- 
ordnung g(»fährdenden Ifcstrebungen der Sozialdemokratie 
vorzugehen und das Sozialistengesetz zum Schutze des ganzen 
Volkes einzuführen. Auf diesem Wege die Regierung voll 
und mit ganzen Kräften zu unterstützen, war eine gegebene 
Pflicht der besonnenen Elemente des Staates. Dieser Einsicht 
verschlossen sich auch Kreise unserer Stadt und Provinz nicht. 
Die Wichtigkeit und Bedeutung der Zeitungen für den 
Zusammenschluß der Parteien, also auch derjenigen, die für 
den Schutz der nationalen Arbeit und für die Abwehr des 
Umsturzes eintreten wollten, war lange erkannt. Deswegen 
fanden sich kimigstreue und nationalgesinnte Männer der 
Stadt und Umgebung zusammen, um sich ein eigenes Organ 
für ihre Arbeit zu schaflFcn. Sie bildeten eine Aktien- 
gesellschaft, und diese kaufte die Hallische Zeitung dem 
Schwetschkeschen Verlage ab. Das geschah am 1. September 
1882. — An der Spitze dieser Aktiengesellschaft standen: 
D. Adolf Graf von Hohenthal auf Dölkau, 
Baron von Bülow auf Dieskau, 
Amtsrat von Zimmermann auf Benkendorf, 
Graf von der Schulenburg auf Vitzenburg, 
Geheimer Kommerzienrat Dr. Lehmann in Halle. 



Damit kommen wir zum letzten Abschnitt unserer 
Darstellung der Geschichte der Halleschen Zeitung. 

Selbstverständlich kann es sich jetzt nur noch um eine 
ganz kurze Darstellung der äußeren Entwickelung der Zeitung 



— 149 — 

handeln. Eine eingehende Kritik des Wirkens der maß- 
gebenden Persönlichkeiten an der Zeitung verbietet sich auch 
deswegen schon, weil die Objektivität fehlt, die die zeitliche 
Entfernung mit sich bringen würde. 

Der Übergang in den neuen Verlag brachte zunächst im 
Äußeren der Zeitung keine wesentliche Veränderung mit sich. 
Wäre nicht eine besondere Bekanntmachung erfolgt, den 
meisten wäre der Wechsel des Verlages und auch der 
Redaktion, denn so plötzlich kann hier eine sichtbare 
Veränderung nicht eintreten, verborgen geblieben, wenigstens 
vorläufig. Die erste Nummer der Zeitung im neuen Verlage, 
die Nummer 204 vom Freitag, den 1. September 1882, hat 
dasselbe Aussehen wie die vorgehende. Im Kopf der Zeitung 
ist nur in der zweiten Zeile die Abkürzung des Wörtchens 
vormals hinzugetreten: 

Hallische Zeitung 
im vorm. G. Schwetschke'schen Verlage. (Hallischer Courier.) 

Die Zeile unter dem Adler nennt den neuen Verlag und 
den neuen verantwortlichen Redakteur. An der Spitze der 
Nummer gibt folgender Aufruf den Lesern von dem wichtigen 
Ereignis Kunde: 

„An die Leser der Hallischen Zeitung. 

An dem heutigen Tage ist die „Hallische Zeitung" in 
den Verlag der „A ctiengesellschaft Hallische 
Zeitung" übergegangen. Wir beehren uns, die Leser von 
dem Besitzwechsel in Kenntnis zu setzen, mit welchem wir in 
Hinblick auf die politische Lage im Reiche und in den 
Bundesstaaten hauptsächlich eine Erweiterung der seitherigen 
Aufgaben des Blattes beabsichtigen. Es liegt klar vor aller 
Augen — die Kämpfe um die Konsolidierung des Reiches 
haben eine wesentliche Verschiebung der Parteiverhältnisse 
bewirkt, die, soll sie nicht zu einer weiteren Schärfung der 
vorhandenen Gegensätze und schließlich zu einer Gefährdung 
der verfassungsmäßigen Grundlagen führen, das Hervortreten 



— 160 — 

aller gemäfiigtcn und besonnenen Elemente 
erluMKoht, um da« nothwendige Gleichgewicht der Kräfte 
\\i«'<lor hcTziiHteHen und zu erhalten. Die Ilallisehe Zeitung, 
hi-her whon nMllirh bestrebt, in diesem Sinne ihre Stimme 
ir<*ltend zu machen, hoH ch fortan als ihre ausschließliche 
Auf^aln» lK»trarhten, alle wahren Freunde des Vaterlandes in 
iiii'M'nT Provinz zu gemeinsamer Abwehr gegen die 
a n t i n a t i o n a 1 e n 1^'strebungen und destructiven 
Tc^ndcnzfn unH<»rc»r Z(»it zu wappnen. Wir wenden uns daher 
in erster Reihe an die bisherigen Leser des Blattes, um sie zu 
tatkräftiger Unterstützung dieses Vorhabens aufzufordern, 
glanlM^n alH»r auch in weiteren Kreisen der Provinz das 
Kntg(»genkommon all(T zu finden, welche die Bedeutung 
eines Blattes voll und ganz zu würdigen wissen, das, 
unabhängig nach oben und nach unten und 
unbeeinflußt von Capital und Fraction, 
nijißvoll, doch entschieden für die Erhaltung der idealen 
(Jiiter d(»r Nation und für das Festhalten an einer verständigen, 
dc»n praktischen Bedürfnissen des Volks angepaßten, acht 
nationali^n Realpolitik einzutreten berufen ist. 

Halle, den 1. September 1882. 

Die Actiengesellschaft „Ilallisehe Zeitung". 

An der Spitze des lokalen Teiles derselben Nummer 
nimmt auch die neue Redaktion (Dr. P. Gut hier) 
das Wort: 

„An dieser Stelle möge es der neugebildeten 
Redaktion gestattet sein, sich bei dem Leserkreise des 
Blattes einzuführen. Voll und ganz empfindet sie die Schwere 
der Verantwortlichkeit, die sie mit dem Beginne ihrer 
Wirksamkeit in dem geistigen Mittelpunkt der Provinz, in 
einer an allen inneren Vorzügen so reichen Stadt, wie Halle, 
auf sich nimmt. Das Bewußtsein, der besten Sache, dem 
Wohle des Vaterlandes, und nur diesem, zu dienen, läßt 



— 151 — 

sie dennoch freudig ihres Amtes walten; um so mehr, da sie 
sich weiter das hohe Ziel stellt, die „Hallische Zeitung" zu 
einem Organ der öffentlichen Meinung zu erheben, welches 
nicht allein durch die größte Gediegenheit und Vielseitigkeit, 
wie sie nur größeren Blättern eigen, ausgezeichnet ist, 
sondern welches es auch als obersten Grundsatz anerkennt, 
Gerechtigkeit gegen alle zu üben, Achtung 
auch dem Gegner zu zollen, und das freie 
Wort ohne Ansehen der Person überall da 
walten. zu lassen, wo das Gemeinwohl es 
bedingt. Denn hierbei hofft sie sich mit allen Lesern des 
Blattes zu begegnen, jene Anerkennung und nachhaltige 
Unterstützung zu finden, ohne welche auch das edelste Streben 
eines wirklichen unabhängigen Blattes erfolglos bleibt. Die 
Redaktion appelliert an den gesunden Sinn, das unbefangene 
Urteil der Leser, möge sie bei allen ein lautes Echo finden." 
Die Hallische Zeitung erschien ja auch vorher schon 
zweimal am Tage. Die zweite Ausgabe aber hatte die Form 
einer zweiten Beilage. Das wurde nun vom 1. September an 
auch anders, indem diese zweite Beilage zu einer wirklichen 
zweiten Ausgabe mit besonderem Kopfe wurde, allerdings 
zählte sie zunächst nicht als folgende Nummer. Sie trug aber 
am Kopfe die Bezeichnung „Zweite Ausgabe", auch unter- 
schied sie sich von der Hauptnummer durch einen kleineren 
Adler und eine kürzere Bezeichnung, indem sie den Zusatz: 
„Politisches und literarisches Blatt für Stadt und Land" 
aufgab. Der Wechsel des Verlages und der Redaktion 
fiel übrigens auch in eine innerpolitisch bewegte Zeit für 
Preußen, da gerade die Neuwahlen zum Abgeordnetenhause 
bevorstanden. Das ist denn auch für die Redaktion die 
Veranlassung, angesichts der Agitation zu den Wahlen 
ihrer allgemeinen Erklärung in der Hauptnummer die 
Charakterisierung ihres Standpunktes für die Wahlen an der 
Spitze der zweiten Ausgabe hinzuzufügen. Motiv für alles 
Tun und Lassen im politischen Leben dürfe nicht die 



— 152 — 

lJ<»fritNli^!iiig des Ehrgeizes und egoistiseber Regungen, nicht 
der Vorteil de« Einzt»lnen oder einer Partei sein, sondern 
einzig und allein die nelhntlose üingabe für die Ehre und das 
Annehen des Staates. Da dies aber leider bei uns nicht immer 
der Fall H<»i, so müsse hier für ein unabhängiges, nur der 
r^lTent liehen Wohlfahrt dienendes Blatt der Punkt sein, wo es 
seinen Hebel ansetzt, um an seinem Teil zu einem Wandel der 
Dinge zum Hessern beizutragen. Die Hallische Zeitung hat 
nichts zu verschleiern, nichts zu entstellen, nichts zu über- 
tHMhen oder zu verdächtigen. Die nackte Wahrheit, wie sie 
sich bietet, ist das Fundament, auf dem sich die Zeitung 
bewegen wird, der Appell an den gesunden Menschenverstand 
das einzige Mittel, mit dem sie überzeugen wird. Mit diesem 
Riistz(»ug ausgestattet, nimmt sie den Kampf gegen die 
Entartungen in den inneren Zuständen des Staates auf, 
entschlossen, ihn bis zu einem siegreichen Ende durchzuführen. 

Schon nach Ablauf des ersten Monats kam der Verlag 
den Ix^sern dadurch entgegen, daß er sofort den Abonnements- 
preis für die Stadt von 3,80 Mk., bis zu dieser Höhe war er 
gestiegen, auf 3 Mk. herabsetzte, im entsprechenden Verhältnis 
auch von lieginn des nächsten Jahres für die Postabonnenten. 
Ebenso wurde der Zeilenpreis der Inserate wesentlich ermäßigt. 

Vor Ablauf des Jahres wandte sich die Redaktion, in der 
Nummer 194 vom Freitag, den 15. Dezember, wieder an die 
Leser und bat um ihr Urteil, ob die Redaktion der sich selbst 
gestellten Aufgabe gerecht geworden ist. „In ihre Hand 
legen wir die Entscheidung darüber, in wie weit es uns 
gelungen ist, den Anforderungen zu genügen, welche sie an 
ein Organ der öffentlichen Meinung glauben stellen zu dürfen; 
doch wenn wir ihrem TJrtheil gelassen entgegensehen und der 
Hoffnung leben, daß keiner unserer Leser uns untreu wird, so 
geschieht dies im Bewußtsein treuer Pflichterfüllung und 
treuer Hingabe an die Sache, der diese Zeitung dient." „Das 
Blatt verfolgt mit Milde in der Form, doch mit voller 
Entschiedenheit in der Sache sein Ziel; da gibt es keine 



— 153 — 

Halbheit, kein Paktiren: die Erhaltung eines starken 
Königtums, die Wiederherstellung einer festen organischen 
Gliederung der bürgerlichen Gesellschaft zur Sicherung des 
socialen Friedens, die Neuordnung des parlamentarischen 
Lebens, das sind die drei Grundsäulen seiner Bestrebungen." 
Verlag und Eedaktion ließen es natürlich an nichts 
fehlen, um ihren Lesern entgegenzukommen. Die Herab- 
setzung des Abonnementspreises ist schon erwähnt worden. 
Dabei war jedes wichtigere Ereignis in der Stadt oder Provinz 
Veranlassung zu Sonderbeilagen, z. B. die Kaiserparade bei 
Eoßbach 1883. Im Kopfe der Zeitung fiel übrigens vom 
Juli 1883 der Zusatz: Politisches und literarisches Blatt etc. 
ganz fort. Wir hatten gesehen, daß in der Schwetschkeschen 
Zeit für die Entwickelung der Zeitung vor allem der Umstand 
von größtem Nutzen war, daß zunächst Redaktion und Verlag 
in derselben Hand lagen, dann wenigstens zwischen dem 
Verlage und der Eedaktion ein so enges Verhältnis bestand, 
daß der zweite Eedakteur, Dr. Schadeberg, rund 30 Jahre in 
seinem Amte blieb. Dieses Glück hatte die Hallische Zeitung 
zur Zeit der Aktiengesellschaft leider nicht. Mochten nun 
die Ursachen zu dem öfteren Wechsel in der verantwortlichen 
Leitung der Eedaktion sein, welche sie wollen, so viel steht 
fest, daß die Veränderungen für die Zeitung nicht von Nutzen 
sein konnten. Der mit dem neuen Verlage zugleich eintretende 
Eedakteur Dr. G u t b i e r blieb nur wenig über ein halbes 
Jahr in seiner Stellung. Ihm folgte nach kurzer ander- 
weitiger Vertretung im September 1883 als Chefredakteur der 
Professor Dr. Gerhard. Aber auch er wie sein Nach- 
folger, Dr. Eichard H a m e 1, blieben nur je drei Jahre für 
die Zeitung tätig. Bis zur abermaligen Veränderung des 
Verlages führte dann Wilhelm Anthony drei und ein 
halbes Jahr die Ohefredaktion. Dieser Wechsel mußte stören, 
denn kaum hatte sich der neue Eedakteur richtig eingearbeitet, 
so verließ er seine Stellung wieder. Trotzdem widmete sich 
die Eedaktion mit voller Hingabe und ganzem Eifer ihrer 



— 164 — 

HC'hwcron Tätigkeit. Auch blieb hierbei die Anerkennung 
niaßpc»lK»n<l<»r Khmho nicht aus, wie z. B. die Konservative 
K<>rn»s|)on<lenz von unHt»rcr Zeitung in diesen Jahren sagt: 
die IInIliH(*hc Zeitung gehört zu den angesehenen und 
InuichtenHwerten Organen der vermittelnden Richtung. Leider 
wheint die Aktiengesellschaft in dem kaufmännischen 
Ik»trieb ihn»r Zeitung nicht am besten beraten worden zu sein. 
Denn hier ging(>n die Flrträge ganz unverhältnismäßig schnell 
zurück. Verlor der Verlag auch zunächst noch nicht den 
Ix'sten Willen, er setzte bekanntlich den Abonnementspreis 
vom Jahn» 18J>0 an sogar auf 2,50 Mk. herab, so war der 
Zustand auf die Dauer jedoch nicht zu halten. Im 
Frühjahr 1S93 sah sich die Aktienges.'llschaft nach einem 
Nachfolger um. S(»hon von der Mitte April lautete der 
Verlagsvermerk : Verlag Aktiengesellschaft Hallische Zeitung 
in Li(]uid. 

Der Weclisel des Verlages ging am 1. Juli 1893 vor sich, 
hier wurde die Zeitung von einef Gesellschaft mit beschränkter 
Haftpflicht übernommen. An der Spitze des Aufsichtsrates 
der (icsellschaft standen: 

der damalige Landrat, jetzige Regierungspräsident 
von Werder; 

der (leheime Regierungsrat Professor Dr. Maercker; 

der Landes-Ökonomierat von Mendel-Steinfels. 

Der neue Verlag zog auch mit seiner Expedition in die 
Or. Brauhausstraße 30, Ecke der Leipzigerstraße, wo 
sie noch gegenwärtig ist. Er gründete auch eine eigene 
Druckerei und richtete einen vollständig neuen Geschäfts- 
betrieb ein. Bevor jedoch Verlag, Redaktion und Expedition 
nach den neuen Verhältnissen umgeordnet waren, mußte vor 
der Hand die Zeitung noch zwei ^lonate lang bei Gebauer- 
Schwetschke gedruckt werden, so lange blieb auch die 
Redaktion noch in ihrem alten Heim, Märkerstraße 10. Der 
neue Verlag änderte auch den Namen der Zeitung, bezw. 



— 166 — 

erweiterte er den Titel. Sie stellte sich am 1. Juli ihren 
Lesern vor als unsere jetzige: 

„H allesche Zeitun g". 

„In der Provinz Sachsen und den benachbarten Staaten 
fehlte bisher eine große politische Tageszeitung, welche, fest- 
stehend auf dein Boden der heutigen Gesellschaftsordnung, 
auf der einen Seite den wahrhaft staatserhaltenden und 
monarchischen Geist vertreten, auf der anderen Seite aber 
zugleich die berechtigten Interessen derjenigen wirtschaft- 
lichen Kreise, durch deren tatkräftige Arbeit und zielbewußtes 
Streben das Blühen und Gedeihen der Provinz wie unseres 
ganzen Vaterlandes bedingt ist, in offener und entschiedener 
Weise nach jeder Kichtung hin zur Geltung gebracht hätte. 
Ein solches Blatt erscheint aber in gegenwärtiger Zeit 
notwendiger denn je. In verderblicher Weise traten neuerdings 
diejenigen Parteien mehr als früher hervor, welche unsere 
wirtschaftlichen Verhältnisse schädigen, unser Volksleben 
zersetzen, jegliche Autorität bekämpfen und so den staats- 
umwälzenden Bestrebungen Vorschub leisten. Immer 
trotziger drängt insbesondere die sozialdemokratische Partei 
nach dem Umstürze alles Bestehenden hin. Wenn nun auch 
der Ausfall der Eeichstagswahlen gerade in unserer Provinz 
und den benachbarten Staaten unter Zurückdrängung der 
demokratischen Elemente aller Eichtungen eine erfreuliche 
Stärkung der konservativen Sache gezeitigt hat, so bleibt doch 
noch viel zu tun. Die weitgehenden Wohltaten, welche durch 
die Gesetzgebung des letzten Jahrzehnts den arbeitenden 
Klassen unter starker Belastung anderer Kreise zugewandt 
sind, werden als schwache Zugeständnisse einer aus- 
beuterischen Unternehmerklasse verhöhnt und verächtlich 
gemacht. Fast scheint es, als ob die verhetzende Sprache, 
welche von den gutsituierten Führern und bezahlten 
Agitatoren der Umsturzbewegung in den sozialdemokratischen 
Blättern, in Volksversammlungen, in der kleinen Arbeit von 



— 166 - 

Mann zu ^lann und Bonst geführt wird, die Meinung weiter 
S<'hicht<»n der Ik'VcJlkorung so sehr gefangen genommen habe, 
daß eine unljcfangene Würdigung der Tätigkeit und der 
I^^bonslKHÜngungon anderer Berufsklassen nicht mehr statt- 
findet. Weiter haben sieh die allgemeinen wirtschaftlichen 
Verhältnisse in einer Weise entwickelt, daß der mittlere und 
kleinere w»lbständige Unternehmer in seiner Existenz bedroht 
erscheint, w(»nn nicht in entschiedenerer Art als bisher für die 
Stärkung des Mittelstandes in Landwirtschaft, Industrie, 
Gewerbe und IIand(*l eingetreten wird, desjenigen Standes, 
der die CJrundsäule jedes gesunden Staatswesens bildet. Um 
diesen t^belständen abzuhelfen, genügt es nicht, wenn sich die 
iKHirohten Mittelstände in Vereine und Verbände zusammen- 
schließen. So wünschenswert dies an sich ist, und so sehr es 
dazu beiträgt, die verschiedenen Meinungen zu klären, das 
Gefühl der Zusammengehörigkeit zu stärken und ein gemein- 
sames Handeln vorzubereiten : ein Erfolg nach außen hin kann 
nur durch eine Einwirkung auf die öffentliche Meinung erzielt 
werden. Diese aber wird im wesentlichen und vor allem 
gebildet und g(»leitet durch die Tagesblätter. Von den in der 
Provinz Sachsen erscheinenden Blättern, die den im vor- 
stehenden gekennzeichneten Standpunkt einnehmen, ist keines 
imstande gewesen, ihn dauernd wirksam zu vertreten, wenn 
es auch das eine oder andere Blatt in dankenswerter Weise 
versucht hat. Wir bieten daher vom heutigen Tage in der 
neuen „Halleschen Zeitung" unseren Lesern und allen unseren 
Gesinnungsgenossen in der Provinz und im Eeich ein Blatt, 
welches unter dem Schlacht- und Siegesrufe „Vorwärts mit 
Gott für König und Vaterland, für Kaiser und Eeich!" den 
Kampf um den Schutz der nationalen Arbeit auf allen 
Gebieten des wirtschaftlichen Lebens, nach altbewährten 
Grundsätzen mit frischen Kräften, bereichert an Umfang und 
Inhalt, aufnehmen und fortführen soll. Mit vollem Nach- 
druck und ohne schwächliche Eücksichtnahme nach oben und 
unten wird die „Hallesche Zeitung" fortan für die 



— 157 — 

berechtigten Wünsche und Forderungen des hart arbeitenden, 
oft in fast aussichtslosem Kampfe um sein Dasein ringenden 
Volkes eintreten. Die begründeten Ansprüche der Landwirt- 
schaft, des Gewerbes, der Industrie und des Handels auf eine 
wirksame Fürsorge der Gresetzgebung und Staatsverwaltung 
bedürfen angesichts der unheilvollen, zerstörenden Wirkungen 
des freihändlerischen Manschestertums, angesichts der 
drohenden gesellschaftlichen Kevolution der fortwährenden 
energischen Unterstützung der Presse. Diese Unterstützung 
wird die „Hallesche Zeitung" den produktiven Ständen unseres 
Volkes nach allen Kräften angedeihen lassen. Wenn wir 
dabei die Ziele einzelner Interessenten-Gruppen, z. B. des 
Bundes der Landwirte, der Handwerker etc., soweit sie 
erreichbar sind, uns zu eigen machen und an ihrer Ver- 
wirklichung mitarbeiten, so wissen wir, daß wir auf diese 
Weise am besten dem Gesamtwohle unseres Volkes dienen, 
das ja keine unterschiedslose, gleichgeartete Masse ist, sondern 
sich eben aus vielen und vielerlei Berufskreisen zusammensetzt. 
Wir bitten, dem neuen Unternehmen mit Vertrauen entgegen- 
zukommen und unsere schwierige Aufgabe durch wohlwollende 
Nachsicht, tatkräftige Unterstützung und treue Mitarbeit uns 
zu erleichtern." 

Wie die nunmehrige Hallesche Zeitung schon im 
18. Jahrhundert auch auf dem Lande vielfach verbreitet war, 
dann besonders unter Oolbatzky, so legte sie auch jetzt wieder 
auf die Provinz und das Land besonderes Gewicht, indem sie 
den Titel erweiterte: 

Hallesche Zeitung 
Landeszeitung für die Provinz Sachsen und die 

angrenzenden Staaten. 

Der Kopf war natürlich nach wie vor mit dem Adler 
geschmückt. Vom 1. September 1893 ab stand sie völlig 
auf eigenen Füßen. 



— 168 — 

y.Als wir vor zwei Monaten die neue Hallesche Zeitung 
unM'H'n Ijcmth und Freunden mit wenigen Worten empfehlen 
zu dürfen glaubten, muBten wir mitteilen, daß die Zeitung 
nwh einige» Wochen in der früheren Weise in der Gebauei^ 
Sfhwet»ehkc»»ohen Buchdruckerei hergestellt werden würde, 
konntc*n al)er gleichz(>itig versprechen, daß der Druck 
Mpätestens vom 1. September ab in unserer eigenen Druckerei 
erfolgen würde. Wir sind in der erfreulichen Lage, dieses 
Versprechen heute einlösen zu können. Papier, Format, 
Sc»hrift, Maschine, Druck und — Druckfehler, alles ist 
vollständig neu, die Ilallesche Zeitung steht jetzt in der Tat 
nach allen Richtungen hin auf eigenen Füßen. Ferner 
versprachen wir, daß die Hallesche Zeitung in wahrhaft 
staatserhaltendem und monarchischem Geiste den Kampf 
gegen alle unser Volksleben zersetzenden Störungen fortsetzen 
würde. — Wir überlassen es dem Urteile unserer Leser, 
festzustellen, wie weit es uns bisher gelungen ist, unser 
Programm inne zu halten. Wir rechnen bei der Erfüllung der 
uns gestellten Aufgaben auch fernerhin auf die opferfreudige, 
zielbewußte, tatkräftige Mitarbeit und Unterstützung aller 
unserer Freunde in Stadt und Land. Möchte jeder Leser es 
sich angelegen sein lassen, der Halleschen Zeitung auch nur 
einen einzigen neuen Abonnenten zu gewinnen, so wäre damit 
ein großer Schritt auf dem Wege zum Ziele schon getan. Wie 
viel schneller würden nicht unsere Anschauungen und Grund- 
sätze in die weitesten Kreise dringen und mehr und mehr 
Geltung sich verschaffen bis zum endlichen Siege!" 

Vom Juli 1893 bis in die ersten Tage des Jahres 1894 
war Dr. Johannes H a u n Chefredakteur, dem nach kurzer 
Vertretung vom Februar desselben Jahres bis zum Oktober 1895 
Adalbert Kurd H e r t e 1 1 folgte. 

Vom September 1893 ab erschien zuerst eine selbst- 
ständige Feuilleton-Beilage, die ein Jahr später den Namen 
„Hallescher Courier" erhielt und damit den alten Namen der 
Zeitung wenigstens auf diese Weise für die spätere Zeit 



— 1Ö9 — 

bewahrte. Vom Jahre 1895 ab erschien er übrigens täglich. 
Im September 1894 wurde das Geschäft der Zeitung wesentlich 
erweitert, indem ein Berliner Bureau eingerichtet wurde, das 
sich gegenwärtig in der Dessauerstraße befindet. Von 1894 
ab wurde übrigens auch die zweite Ausgabe mit einer 
besonderen Nummer gezählt. 

Den Wechsel der Quartale benutzten Eedaktion und 
Verlag vorzugsweise, um die Leser durch offene Erklärungen 
über Plan und Tendenz der Zeitung zu unterrichten. Sie 
ermüdete nie, stets warnend und mahnend, ratend und helfend 
mit ihrer Stimme einzugreifen. Sie gehört nun zu denjenigen 
Organen, die nicht dazu bestimmt sind, einem Unternehmer 
reichen Gewinn abzuwerfen, sondern es handelt sich bei ihr 
in erster und ausschlaggebender Reihe darum, von hoher 
Warte aus nationale Interessen zu pflegen, einzutreten für die 
heiligsten Güter der Nation, mitzuwirken an der Kräftigung 
und Stärkung der Eigenart, der Sitte des Volkes, deutscher 
Treue und deutscher Vaterlandsliebe. 

Das ist natürlich auch das hohe und stolze Programm 
des jetzigen Verlages. Am 1. Januar 1895 ging die Zeitung, 
zunächst pachtweise, in die Hände des Herrn Otto Thiele 
in Berlin über, der am 1. April 1898 Herrn Heinrich 
Ostermann als Gesellschafter in seine Firma in Halle 
aufnahm, wo dieser jetzt den gesamten technischen und 
kaufmännischen Betrieb selbständig leitet. 

Die Zeitung hatte weder unter dem Verlage der Aktien- 
gesellschaft noch zur Zeit der Gesellschaft mit beschränkter 
Haftung eine derartig tüchtige kaufmännische Leitung gehabt, 
wie sie für ein so umfangreiches Geschäft, wie das einer 
Zeitung, schon dann nötig ist, wenn es sich selbst, wenigstens 
einigermaßen, durch eigene Einnahmen erhalten soll. Infolge- 
dessen war die pekuniäre Lage der Zeitung äußerst schwierig, 
und es ist einmal ein Zeichen weitschauenden Kaufmanns- 
geistes, wenn Herr Otto Thiele es mit großen persönlichen 
Opfern unternahm, den schlecht geleiteten Verlag wieder in 



— 160 — 

die Höhe zu bringen; dann ist es aber auch ein Zeichen 
patriotiwh |?(»fei<tigU»r (lesinnung, in einer Stadt wie Halle 
der konwrvativen Sache durch eine vollständige und sichere 
Fundamentierung ihres Zeitungsorganes diejenige Stütze 
gegeb(>n zu haben, ohne die der konservative Gredanke auf die 
Dauer nutzbringend nicht hätte wirken können. 

Herr Otto Thiele gab seiner Auffassung von der Absicht 
der Z(>itung auch noch besonders in der letzten Nummer vom 
Jahn» 1S1)4 Ausdruck, indem er sagte: „Im Kampfe für die 
Erhaltung der Staatsordnung hat die Hallesche Zeitung immer 
in erster Linie gestanden, und diesem altbewährten Standpunkt 
g<*tnui, wird sie auch fernerhin neben warmer und rückhalt- 
l(>HC»r, fester und unerschrockener Vertretung der wahren 
Int(»ress(»n von I^ndwirtschaft, Handwerk, Industrie und 
ret^llem Handel in dem Kingen gegen alle zersetzenden Gegen- 
HtnWnungen eine führende Stellung einnehmen." Im Anfang 
des Januar 1895 wendet sich Verlag und Kedaktion dann 
nochmals an die Öffentlichkeit: 

„Es gilt zu kämpfen, denn die Zeiten sind schlecht! Es 
gilt zu siegen: Mit Gott für Kaiser und Reich! Ein neuer 
Abschnitt im Leben unseres Volkes zieht herauf. Das 
Erwachen des Mittelstandes, der erneute Eifer aller reichs- 
treuen Elemente, der feste Zusammenschluß aller Landwirte 
geben uns das Recht eines besseren Ausblicks auf die Zukunft. 
Nur eines ist notwendig um Schritt für Schritt der trostlosen 
Gegenwart einen Damm zu setzen: nicht zu erlahmen im 
Kampf für unser gutes Recht! Leidet der Handwerker, der 
Geschäftsmann, der Landwirt unter dem Druck der ihm einst 
aufgezwungenen Verhältnisse, so ist es an ihm, für seinen Teil 
nach Kräften die Änderung zu erstreben. Darum mit dem 
alten Schlendrian über Bord ! Als treuer Mitkämpfer stand 
stets die Hallesche Zeitung auf dem Plane." 

Das Hauptverdienst an dem neuesten Aufschwung der 
Zeitung und ihres maßgebenden Einflusses gebührt neben dem 
rührig-^n Verlage dem jetzigen Chefredakteur, Herrn 



— 161 — 

Dr. Walther Gebensleben, der schon zur Zeit Hanns und 
Herteils die Seele der Redaktion war. Unablässig ist er bemüht 
und geht dabei zum Wohle der Zeitung treu Hand in HLand 
mit den Verlegern, den Wirkungskreis der Zeitung zu 
erweitern. Diese Arbeit des Verlages und der Eedaktion ist 
aufs beste gekrönt. So könnte der Verlag im März 1897 
sagen: Das große Interesse für das Vertrauen und die 
Anhänglichkeit, welche der sich stetig vergrößernde Leserkreis 
unserem Blatte und seinen Bestrebungen täglich bezeugt, 
veranlaßt den Verlag auch seinerseits alles aufzubieten, um 
den Inhalt sowohl, wie den Umfang der BLalleschen Zeitung 
durch zeitgemäße Verbesserungen und Erweiterungen zu 
vervollkommnen und wertvoller zu gestalten. Infolge dieser 
Erklärung wurde die Morgenausgabe vergrößert. Vom 
1. Oktober 1899 ab nannte sich die Zeitung: Hallesche Zeitung, 
Landeszeitung für die Provinz Sachsen, Anhalt und Thüringen. 
Sie erscheint nun 12 mal in der Woche, immer mit mehreren 
Beilagen, außerdem mit einer täglichen Feuilletonbeilage (dem 
Halleschen Courier), einem wöchentlichen (Sonntags) 
illustrierten Unterhaltungsblatt, den wöchentlichen Landwirt- 
schaftlichen Mitteilungen (unter Redaktion des geschäfts- 
führenden Direktors der Landwirtschaftskammer für die 
Provinz Sachsen, Herrn Ökonomierats Dr. Rabe) und einer 
monatlichen Beilage, den Sächsischen Provinzial-Blättern 
(redigiert vom Chefredakteur), die sich hauptsächlich die 
Aufklärung der Arbeiterklassen zum Ziele gesteckt haben. 

In das 20. Jahrhundert trat die Hallesche Zeitung mit 
folgender Erklärung ein : „Nicht um einen Entscheidungskampf 
zw^ischen Reaktion und Liberalismus handelt es sich in 
Zukunft, sondern um den Kampf der Vertreter des Schutzes 
der nationalen Arbeit gegen das internationale Großkapital, 
dessen Parteien in Deutschland sich in diesem Kampf mit der 
Umsturzpartei zu gemeinsamem Vorgehen verbunden haben. 
Die Ilallesche Zeitung wird nach wie vor das Panier der 
nationalen Politik der Sammlung aufwerfen, und unabhängig 

11 



— 162 — 

und frei wird sie die Gleichberechtigung der Interessen aller 
deutHchen Erwerbsstände, die Politik ausgleichender 
Gerechtigkeit befürworten und, im Gegensatz zu dem 
Egoismus des Großkapitals und den Sozialdemokraten, überall 
eintreten Mit Gott für Kaiser und Beich für einen gleich- 
mäßigen Schutz aller unserer produktiven Stände, insbesondere 
des schwer leidenden Mittelstandes. Gegen die goldene wie 
gegen die rote Internationale werden die Waffen der 
Halleschen 2^itung nach wie vor gleichmäßig geschärft sein/^ 
Mit Treue und Gewissenhaftigkeit hat die Hallesche 
Zeitung diesen Standpunkt auch bis jetzt, bis zum Ende ihres 
200. Jahrganges, vertreten. 



Rückblick und Ausblick. 



Wir sind am Ende unserer Darstellung. Blicken wir auf 
die Geschichte der Halleschen Zeitung in den 200 Jahren 
zurück, so rollt sich vor unseren Augen das Bild einer 
Einrichtung auf, die recht mannigfache und bisweilen sehr 
schwere Schicksale durchzumachen hatte. Im großen und 
ganzen gesprochen, ist die Hallesche Zeitung entstanden 
gleichzeitig mit der geistigen Blüte der Stadt Halle und mit 
der Erhebung Preußens zum Königreich. Sie hat so das 
Werden und die weitere Entwickelung ihrer Vaterstadt auf 
dem genannten Gebiete und das Emporblühen des ganzen 
Staates getreu begleitet. Daher hat die Zeitung auch in 
besonderem Grade die Leiden der Stadt und des Staates 
getragen und die verschiedenen Gefahren mit bestanden. 

Die schweren, schädigenden Einflüsse von außen her, die 
Drangsale im siebenjährigen Kriege und in der napoleonischen 
Zeit hat sie siegreich überstanden. Aber auch gegen Ermüdung 
und Stagnation von innen, die in dem langen Zeitraum von 
200 Jahren unausbleiblich waren, hat sie erfolgreich 
angekämpft. Auch den Wetteifer manchmal nicht ungefähr- 
licher Konkurrenzarbeit hat sie immer überwunden. Sucht 
man den Grund für diese Erfolge, so muß man sagen, daß es 
neben gewissen Einrichtungen der alten Staatsverfassung, dem 
Privilegienwesen, der gute Grundzug gewesen ist, der 
die Zeitung während der ganzen Zeit ihres Bestehens durch- 
zogen hat. Es war der gute Grundzug treunationaler, 
patriotischer Gesinnung und eine hohe anerkennenswerte 

11* 



— 164 — 

rnoigeiinützigkeit der leitenden Kreise der Zeitung. Von der 
darf man ihr nicht» nehmen, und selbst trübe Zeiten, wie der 
erste Teil de» 19. Jahrhundert, können hieran nichts ändern. 
Die IIalle»che Zeitung war ja entstanden im engen 
Anschluß an die Franckeschen Stiftungen. August Hermann 
Francke hatte selbst vom Könige Friedrich I. von Preußen das 
Privilegium für sie erhalten. Ihre Erträge sollten zunächst 
dem Wais(»nhau»e nutzbar gemacht werden. Unter manchem 
\V(K'h»el in der Redaktion blieb die Zeitung dann im Verlage 
de» Waisenhauses bis zum Jahre 1768. Sie hatte sich von 
einem dreimal in der Woche erscheinenden, nur referierenden 
Blatt zu einer Zeitung entwickelt, die außer wöchentlich in 
vier Nummern auch mit gelegentlichen Beilagen und mit 
einer Keihe anderer Einrichtungen, Auszügen, Inhalts- 
übersichten usw. erschien, und die wissenschaftlich belehrend 
und unterhaltend auf die weitesten Kreise der Stadt und 
Umgegend wirkte. Die Zeitung war dann im Jahre 1768 in 
den Verlag des Kriegsrats und Postmeisters Bertram und 
seiner Erben übergegangen und in der gleichen Weise bis in 
die 80er Jahre des 18. Jahrhunderts fortgesetzt worden. Ihren 
Namen „H allische Zeitungen" (ursprünglich 
Ilällische Zeitungen) änderte sie dann definitiv 1794 in 
„IT allescher Kurier" um. In diesem Jahre übernahm 
den Verlag und die Redaktion der Magister Colbatzky, der 
auch vorher schon die Zeitung geleitet hatte. Im Jahre 1800 
privilegierte König Friedrich Wilhelm die Zeitung aufs neue. 
Als Halle 1807 zum Königreich Westfalen geschlagen worden 
war, wurde im folgenden Jahre 1808 der bisherige Redakteur 
Colbatzkv von der französisch-westfälischen Regierung seines 
Amtes entsetzt und ihm auch der Verlag genommen. Während 
die Redaktion dem Professor Tieftrunk übertragen wurde, gab 
die westfälische Regierung das Verlagsrecht den Franckeschen 
Stiftungen zurück. Diese überließen gegen eine Pachtsumme 
das Recht, die Zeitung herauszugeben zunächst an Tieftrunk 
bis zum Jahre 1828. Vom Jahre 1794 bis hierher war sie 



— 165 — 

wöchentlich nur einmal erschienen. Da aber die Zeitung 
unter Tieftrunk nur sehr unvollkommen geleitet wurde, 
schlössen die Franckeschen Stiftungen im Jahre 1827 für die 
Folgezeit einen neuen Vertrag mit dem Schwetschkeschen 
Verlage, von dem die Zeitung bis 1882 herausgegeben wurde. 
Die Zeitung nahm jetzt den Titel, nachdem sie schon vorher 
Deutschlands Kurier oder Staatsbote genannt worden war, 
„D er Kurier, Hallische Zeitung für Stadt und 
Land" an. Als im Jahre 1848 die alten Privilegien aufgehoben 
wurden und damit die Fesseln der Presse fielen, hielt sidi auch 
der Schwetschkesche Verlag nicht mehr für verpflichtet, die 
Pachtsumme an das Waisenhaus weiter zu zahlen. Freilich 
wollte Schwetschke die Franckeschen Stiftungen für den 
Ausfall dieser Pachtsumme bei ihren Einnahmen entschädigen. 
Er schlug ein ablösendes Geschenk vor, erklärte sich auch 
bereit, eine Abgabe weiter zu entrichten, nur nicht unter dem 
Zwange einer Pacht. Darauf ging aber die Regierung nicht 
ein. Der auf die Dauer erfolglose Versuch der Franckeschen 
Stiftungen, durch Herausgabe einer eigenen Zeitung gegen 
die veränderten Verhältnisse vorzugehen, brachte dem Kurier 
keinen Schaden, er nahm nur den neuen Namen „Hallischer 
Kurier" und bald darauf den Namen „H allische 
Z e i t u n g". Politisches und literarisches Blatt für Stadt 
und Land, an. Von jetzt ab war jedenfalls die Firma 
Schwetschke nicht mehr nur die Pächterin, sondern die 
Eigentümerin des Verlages. 

Von hier ab hat sich nun die Zeitung ruhig und gleich- 
mäßig weiterentwickelt. Im Jahre 1882 ging der Verlag in 
den Besitz der Aktiengesellschaft über, der 1898 die Gesell- 
schaft mit beschränkter Haftung folgte. Seit diesem Jahre 
heißt die Zeitung „H alle sehe Zeitun g", Landeszeitung 
für die Provinz Sachsen usw. Der Verlag kam dann am 
1. Januar 1895 in die Hände des Herrn Otto Thiele, der am 
1, April 1898 Herrn Heinrich Ostermann als Gesellschafter 
aufnahm. 



— 166 — 



Am Schlüsse dieses kurzen Kückblicks gebe ich ein 
Verzeichnis der Verleger und der leitenden Bedakteure: 

I. Die Verleger der Hallesehen Zeitung. 



1708—1768 
1768—1793 
1793—1808 

1808—1828 

1828—1882 



1882—1893 
1893—1895 
Seit 1895 



die Franckeschen Stiftungen. 

der Postmeister Bertram und seine Erben. 

der Magister Colbatzky. 

Professor Tieftrunk (als Pächter der 

Zeitung von den Franckeschen Stiftungen), 

der Schwetschke'sche Verlag (zuerst 

C. F. Schwetschke und C. G. Schwetschke; 

bis 1848 als Pächter der Zeitung von den 

Franckeschen Stiftungen). 

die Aktiengesellschaft „Hallische Zeitung^^ 

die Gksellschaft m. b. H. 

Otto Thiele. 



II. Die leitenden 

1708—1732 
1732— ? 
1742—1744 
1744—1748 
1748— ? 
1789—1808 
1808—1828 
1828—1843 
1844—1880 
1880—1882 
1882—1883 
1883—1886 
1886—1889 
1890—1893 
1893—1894 
1894—1895 
Seit 1896 



und Chefredakteure der Halleschen Zeitung. 

Jakob Gabriel Wolf, Professor. 

I. L. Niekamp. 

Dr. Johann Friedrich Joachim. 

Karl Dacheritz. 

Dr. Daniel Gottfried Schreber. 

Magister Colbatzky (bezw. 1793—1808). 

Professor Tieftrunk. 

Dr. Carl Gustav Schwetschke. 

Dr. Schadeberg. 

Ulrich Schwetschke. 

Dr. P. Gutbier. 

Professor Dr. Gerhard. 

Dr. Kichard Hamel. 

Wilhelm Anthony. 

Dr. Johannes Haun. 

Adalbert Kurd Herteil. 

Dr. Walther Gebensleben. 



— 167 — 

Wirft man nun noch einen Blick auf die Z u k u n f t der 
Halleschen Zeitung, in ihr drittes Jahrhundert, so 
wird man, um zu einem Urteil über die weitere Entwickeluhg 
zu kommen, zweierlei berücksichtigen müssen: einmal die 
Lehre aus der Vergangenheit und dann die augenblicklichen 
Bedingungen. Die Hallesche Zeitung, das älteste Blatt in der 
Stadt Halle, das Zweitälteste in der ganzen Provinz, hat in dem 
Laufe der vergangenen zweihundert Jahre oft genug mit den 
schwierigsten, äußeren Verhältnissen zu kämpfen gehabt. Alle 
diese hat sie siegreich bestanden und, im ganzen betrachtet, 
sich immer auf einer steigenden Linie bewegt, bis daß sie nun 
als führendes Organ derjenigen Parteien, auf denen allein die 
Sicherheit und Zukunft des Staates ruht, an der Spitze der 
ganzen Provinz steht. Diese Entwickelung zusammen 
mit den Ansichten, die sie vertritt, sichern ihr auch ihre 
Stellung in der Zukunft. 

Der gegenwärtige Verlag ist nach zwei Bichtungen 
hin von besonderer Bedeutung. Otto Thiele hat durch 
die Ausgestaltung des Berliner Bureaus der Zeitung in den 
weitesten Kreisen der Beichshauptstadt Verbindungen 
geschaffen, die ihr auf vielen Gebieten von großem Nutzen 
sind. Ein Mann, ausgestattet mit einem weitschauenden 
kaufmännischen Scharfblick, hat er in seinem Gesellschafter, 
Heinrich Ostermann, einen Mithelfer gefunden, der 
den gesamten technischen Betrieb mit einer hervorragenden 
Sachkenntnis und glücklichem Erfolge leitet. In unermüd- 
lichem Fleiß sind beide auf die ständige Verbesserung und 
Ausdehnung der Zeitung bedacht. 

Diesem Streben des Verlages steht an der Spitze der 
Redaktion ein Mann zur Seite, der schon seit fast zwei 
Dezennien die Seele der Redaktion und seit langem der Chef- 
redakteur der Zeitung ist, Dr. Walther Gebensleben. 
Seine Persönlichkeit ist von dem neueren Aufschwung der 
Halleschen Zeitung untrennbar. Ein Kind unserer Provinz 
und ein Sohn unserer Universität, ist er aufs genaueste mit 



— 168 — 

nlU^m vortraut, wa» der Stadt und der Provinz in erster Linie 
frommt. Er weiß durch seinen überlegenen, begründeten 
Einflufi die ganze Zeitung mit dem Geiste zu erfüllen, den sie 
im Interesse . und zum Nutzen unseres engeren und unseres 
gamsn Vaterlandes braucht. ; 

Aitf diese Faktoren gestützt, kann die Hallesche Zeitung 
mit vollem Beehte auf eine weitere, glückliehe Entwiekelung 
in ihrem dritten Jahrhundert rechnen und auch den Grundsatz 
in der Zukunft vertreten, den sie sich selbst am Schluß des 
.200. Jahres als Richtschnur vorgezeichnet hat, wenn sie am 
l. April 1908 sagte: 

„Das Gute und Bewährte wollen wir in Ehren halten utid 
es nur gegen nachweislich JBesseres eintauschen, dann aber 
«tich freudig und ohne kleinliche Sonderinteressen. Unser 
Bestreben soll es immer sein, Hand in Hand zu gehen mit 
allen, die es gut und treu meinen mit deutscher Art und Sitte, 
mit Gott für Kaiser und Eeich!^^ 

Wenn man nun der Halleschen Zeitung an ihrem Geburjb^ 
tage, dem 25* Juni 1908, beim Eintritt in das dritte Jahrhundert 
einen Glttckwunsch darbringen darf, dann ist es der, daß sie 
ohne Rücksicht auf Oben und Unten immer nur das eine im 
Auge behalten soll : das Wohl des ganzen Volkes. 
Möge sie nie Parteiinteressen und Sonderbestrebungen in ein- 
seitiger Weise unterstützen, sondern immer das Glück, die Eht>e 
und die Wohlfahrt ihres engeren Kreises und des ganzen 
Deotsefaen Reiches im Auge haben ! Mögen die Vorzeichen f nr 
d&ti Kampf in der Zukunft ermutigend oder warnend sein, niir 
unter dem einen Wahrzeichen soll sie in das dritte 
Jahrhttiudert hinein gehen, mit dem der hochgemute Hektor 
den ängstlichen Polydamas beschwichtigte und ermutigte: 

Elc oicovoc aptaioc, d|i6vsoö"ai Tcspi ':rätpTj(;! 



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